Lokale Geschichte:Neue Ordnung im Stadtarchiv

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Lokale Geschichte: Im Dorfener Stadtarchiv gibt es viel Interessantes und viel zu tun. Dokumente sollten zum Beispiel liegend lagern, aber nicht auf losen Haufen, sondern in Archivboxen.

Im Dorfener Stadtarchiv gibt es viel Interessantes und viel zu tun. Dokumente sollten zum Beispiel liegend lagern, aber nicht auf losen Haufen, sondern in Archivboxen.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Vorjahr der 1250-Jahr-Feier besinnt sich die Stadt Dorfen, dass das kommunale Archiv besser und professioneller aufgestellt werden muss. Noch bevor ein Profi engagiert wird, kann ein Freiwilligen-Team schon einmal anpacken und loslegen. Es gibt viel zu tun.

Von Florian Tempel, Dorfen

"Das Archiv bildet die kulturgeschichtlichen Wurzeln unserer Stadt", Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) formulierte es zwar etwas holprig, doch jeder verstand, was er meinte. Im kommenden Jahr feiert die Stadt Dorfen ihre erste urkundlich fassbare Erwähnung vor 1250 Jahren. Über ein solches Jubiläum kann man nur Bescheid wissen, wenn Dokumente über lange Zeit sorgsam und sorgfältig aufgehoben werden. Angesichts des bevorstehenden Festjahres ist deshalb in Dorfen die Notwendigkeit erkannt worden, dass das eigene kommunale Archiv "eine konzeptionelle Aufbereitung" brauche, wie es Grunder im Hauptausschuss des Stadtrats sagte. Denn so wie es ist, kann es nicht weitergehen.

Bislang existiert kein Verzeichnis von dem, was da alles lagert

Das von Altbürgermeister Hermann Simmerl seit vielen Jahren ehrenamtlich, aber auch ganz allein geführte Stadtarchiv erfüllt in mehr als einer Hinsicht nicht die Anforderungen der Zeit. Akten, Dokumente und viele andere Dinge werden dort in großer Menge aufbewahrt. Doch es existiert nicht einmal ein Verzeichnis von dem, was da alles lagert. Es gibt nichts: keinen Karteikasten, kein Findebuch, nicht einmal eine einfache Liste.

Lokale Geschichte: Altbürgermeister Hermann Simmerl führt seit vielen Jahren ehrenamtlich, aber auch ganz alleine das Stadtarchiv.

Altbürgermeister Hermann Simmerl führt seit vielen Jahren ehrenamtlich, aber auch ganz alleine das Stadtarchiv.

(Foto: Renate Schmidt)

Der 87 Jahre alte Hermann Simmerl hat die Ordnung in seinem Kopf. Er weiß, was es gibt und an welcher Stelle man nachschauen muss. Sonst weiß das niemand. Das ist zwar eine starke Gedächtnisleistung, die anderen jedoch nur wenig bringt. Hier zeigt sich das zweite Manko des Dorfener Archivs: Es ist nicht öffentlich zugänglich, lokalhistorische Forschung und Recherche ist hier nicht möglich. Drittens ist auch die Lagerung von Dokumenten, stehend in Aktenordnern nicht sachgemäß. Man müsste alles in Archivboxen liegend aufbewahren - und zwar nachdem man das Papier von Büro- und Heftklammern befreit hat.

Lokale Geschichte: Es gibt keine Karteikasten, eine Auslistung oder ein Findebuch, wo im Archiv was zu finden wäre.

Es gibt keine Karteikasten, eine Auslistung oder ein Findebuch, wo im Archiv was zu finden wäre.

(Foto: Renate Schmidt)

"Wir sind nicht die ersten und einzigen, die hier Handlungsbedarf sehen", hieß es in einem Schreiben der Geschichtswerkstatt Dorfen, die in diesem Sommer Verbesserungen angemahnt hat. Schon 2016 und 2018 wurde das Thema auf Antrag der ÜWG im Stadtrat besprochen. Seit Ende 2018 liegt sogar ein Gutachten vor. Passiert ist seitdem jedoch nichts. Dass nun Bewegung in die Sache kommt, ist neben der Geschichtswerkstatt der GAL-Fraktion zu verdanken, die das Stadtarchiv mit einem neuen Antrag auf die Tagesordnung gebracht hat.

Lokale Geschichte: Manche Raritäten sind im Stadtarchiv für das Heimatmuseum eingelagert.

Manche Raritäten sind im Stadtarchiv für das Heimatmuseum eingelagert.

(Foto: Renate Schmidt)

Bürgermeister Grundner erklärte in der Sitzung des Hauptausschusses, dass ihm und der Verwaltung die Notwendigkeit von Veränderungen im Stadtarchiv stets bewusst gewesen sei. Man habe das Thema nur noch nicht anpacken können, da "dringendere Aufgaben vorlagen". Aber auch er sehe nun, dass es "zeitnah geschehen muss". Aus dem Gutachten zum Dorfener Archiv gehe klar hervor, dass man eine Fachfrau oder einen Fachmann brauche, um das Archiv auf Vordermann zu bringen. Es müsse allerdings gut überlegt werden, ob und in welchem Umfang ein Profi angestellt werden kann: "Das ist ein durchaus nicht unerheblicher Kostenfaktor." Die Mitarbeit von Freiwilligen im Archiv sei in jedem Fall "nur zu begrüßen und lobenswert". Grundner blieb jedoch zunächst etwas skeptisch, ob diese schon zum Einsatz kommen sollten, bevor eine Profi-Archivarin gefunden sei, die vorgeben müsse, was genau zu tun sei.

Lokale Geschichte: Manche Dinge sind wertvoll und einzigartig, wie diese Urkunde von 1331, die die Marktrechte Dorfens verbrieft.

Manche Dinge sind wertvoll und einzigartig, wie diese Urkunde von 1331, die die Marktrechte Dorfens verbrieft.

(Foto: Renate Schmidt)
Lokale Geschichte: Andere Dinge, wie diese Sammlung alter Stempel, erscheinen hingegen eher lapidar.

Andere Dinge, wie diese Sammlung alter Stempel, erscheinen hingegen eher lapidar.

(Foto: Renate Schmidt)

Stadträtin Ursula Frank-Mayer (GAL) überzeugte den Bürgermeister davon, dass man nicht zögern müsse: "Wir haben Ehrenamtliche, die in den Startlöchern stehen." Sie auszubremsen, mache keinen Sinn. Es sei sicher gut, dass man als Archiv-Hilfskraft eine kleine thematische Ausbildung mache. Aber es gebe auch nicht wenige Tätigkeiten, für die es keine Schulung brauche: Zum Beispiel Aktenordner umzulegen, Metallklammern aus den Dokumenten zu lösen oder Bücher von A nach Z zu sortieren. Auf den Einwand von Stadtrat Martin Bachmayer (CSU), in Archiven gebe es "hochkomplexe" Vorschriften zum Datenschutz zu beachten, wegen derer man unbedingt eine Vorabschulung brauche, erwiderte Frank-Mayer, dass der aktuelle Stadtarchivar Hermann Simmerl ja auch seit Jahrzehnten ehrenamtlich arbeite und den Neuen zur Seite stehen könnte.

Und so wird es nun passieren: ein Freiwilligen-Team wird in Absprache mit dem aktuellen ehrenamtlichen Stadtarchivar loslegen, während parallel dazu die Verwaltung ein Konzept für die Beschäftigung eines Profi-Archivars ausarbeitet. "Da haben wir doch einen Riesenschritt gemacht", freute sich am Ende nicht nur Bürgermeister Grundner.

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