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Dorfen:Kaum Veränderung

Der Dorfener Stadtrat ähnelt stark dem bisherigen

Am Morgen nach der Kommunalwahl dröhnt die Autobahn mal wieder besonders laut rüber. Das Gezwitscher der Vögel im Garten wird vom Akustikmüll der A 94 übertönt. Es ist wie Hohn: Die umstrittene Isentalautobahn und der miserable Lärm, der von ihr ausgeht, hat auf die Kommunalwahl in Dorfen scheinbar keinen Einfluss gehabt. Nicht nur Bürgermeister Heinz Grundner (CSU), der seinen Mitbürgern schon immer eine Autobahn vor die Haustür gewünscht hat, bleibt im Amt. Auch im Stadtrat verändert sich nur sehr wenig. Im Dorfener 24er-Gremium gibt es nur vier neue Gesichter und auch die Sitzverteilung ähnelt stark der bisherigen.

Ratssaal

Im Dorfener Stadtrat - hier ein Bild der ersten Sitzung im neuen Rathaus Anfang Juni 2019 - gibt es nach der Wahl nur vier neue Gesichter.

(Foto: Stephan Görlich)

Die CSU verliert 3,3 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014, was aber nach wie vor für sieben Stadtratssitze reicht. In der Fraktion gibt es ein neues Mitglied: Sabine Berger, die erstmals auf der Liste der CSU kandidiert hat, nimmt den Platz von Sebastian Sperr ein, der nicht mehr angetreten war. Die 48-Jährige ist Landwirtin und Sprecherin der Bürgerinitiative gegen eine Bundesstraße B 15 neu im Landkreis Erding.

Die Grün-Alternative Liste (GAL) ist zwar nun mit 18,0 Prozent klar die zweitstärkste Kraft in der Stadt. Doch wie in so vielen anderen Kommunen fiel der Stimmenzuwachs mit einem Plus von 3,8 Prozentpunkten kleiner als von vielen erwartet aus. Alle drei bisherigen Stadträte sind wieder dabei, neu ist nur die Lehrerin Susanne Streibl, 42, mit der auch die bei den Grünen wichtige Parität von Frau und Mann gewahrt ist.

Stadtrat Dorfen

CSU27,6 % (7 Sitze)

GAL18,0 % (4)

SPD11,2 % (3)

ÜWG13,0 % (3)

Landliste West 7,7 % (2)

Gemeinwohl Schwindkirchen6,3 % (1)

Eibacher Wählergemeinschaft4,7 % (1)

Gemeindewahl Tegernbach 6,6 % (2)

AfD4,9 % (1)

Relativ mehr Frauen gibt es bei der von vier auf drei Sitzen dezimierten SPD. Die Sozialdemokraten sind mit einem Minus von 4,1 Prozentpunkten die Verlierer der Kommunalwahl in Dorfen. Ernst Giller, der erst im vergangenen Jahr als Nachrücker in den Stadtrat kam, ist wieder raus.

Die Freien Wähler der ÜWG verbessern sich etwas und bringen mit zwei neuen Stadträten am meisten Veränderung. Bürgermeisterkandidat Sven Krage, 51, ist als Nummer eins der Liste gewählt worden, der 62-jährige Forstbeamte Walter Zwirglmaier hat es von Platz neun aus in den Stadtrat geschafft. Gleichwohl trifft für die ÜWG wie für die in den Dorfener Außenorten so wichtigen Landlisten und die AfD die Feststellung zu, dass es reine Männerveranstaltungen sind.

Die vier Landlisten bildeten bis 2019 eine gemeinsame Fraktion, bis die beiden Vertreter aus dem tiefen Osten des Stadtbereichs sich loslösten und bei der CSU andockten. Effektiv darf sich Bürgermeister Grundner neun Stadträte auf seiner Seite wissen. Eine Mehrheit ist das nicht. Was auf höheren Politikebenen in Deutschland ein noch weitgehend unbekanntes Modell ist, bleibt in Dorfen Normalität: Die Minderheitsregierung.

CSU: Michael Oberhofer, Ludwig Rudolf, Barbara Lanzinger, Martin Greimel, Martin Bachmaier, Sabine Berger, Anton Stimmer; GAL: Gerald Forstmaier, Ursula Mayer-Frank, Andreas Hartl, Susanne Streibl; SPD: Simone Jell-Huber, Heiner Müller-Ermann, Michaela Meister; ÜWG: Josef Jung, Sven Krage, Walter Zwirglmaier; Landliste West: Martin Heilmeier, Johann Selmair; Gemeinwohl Schwindkirchen: Günther Drobilitsch; Gemeindewahl Tegernbach: Josef Wagenlechner, Christian Holbl; Eibacher Wählergemeinschaft: Rudolf Angermeier; AfD: Mirko Kamolz.

© SZ vom 17.03.2020

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