Bahnausbau Dorfen:"Offensichtlich falsche Grundlagen"

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Bahnausbau Dorfen: Für die Vieregg-Variante müsste man zwar Grund erwerben. Auf der anderen Seite würden jedoch Flächen frei, die man gewinnbringend vermarkten könnte.

Für die Vieregg-Variante müsste man zwar Grund erwerben. Auf der anderen Seite würden jedoch Flächen frei, die man gewinnbringend vermarkten könnte.

(Foto: Visualisierung von DB Netz AG)

Laut einer vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen "Plausibilitätsprüfung" ist die Vieregg-Variante des Bahnausbaus in Dorfen sehr viel teurer als die DB-Planung. Der Stadtrat hält das keineswegs für plausibel und beschwert sich massiv über "das sogenannte Gutachten".

Von Florian Tempel, Dorfen

Eigentlich ist es längst aus und vorbei. Vor drei Wochen erreichte die Stadt Dorfen die endgültige Absage aus dem Bundesverkehrsministerium, dass aus einer Tieferlegung der Gleise im Zuge des Bahnausbaus nichts werden könne. Zu teuer sei die vom Münchner Verkehrsberater Martin Vieregg ausgearbeitet Dorfener Wunschlösung, viel zu teuer. So steht es jedenfalls in einer Art Gutachten, das das Bundesverkehrsministerium beim Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF) in Auftrag gegeben hatte. Die "Plausibilitätsprüfung von Kostenschätzungen" erscheint jedoch in Dorfen niemanden plausibel. Ganz im Gegenteil. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, eine empörte Beschwerde nach Berlin zu schicken: Der gutachterliche Kostenvergleich fuße auf offensichtlich falschen Grundlagen, beinhalte widersprüchliche Aussagen und große Informationslücken. Der Stadtrat verlangt aber nicht nur Erklärungen, sondern fordert eine Planungsstopp, bis die durch das Kostengutachten angerichtete Konfusion geklärt sei.

Die Gutachter haben für jeden benötigten Quadratmeter einen Preis von 660 Euro angesetzt

Der Dorfener Wunsch, dass beim Ausbau der Bahnstrecke München - Mühldorf die Gleise tiefer gelegt werden sollten, reicht viele Jahre zurück. Die Deutsche Bahn plant seit jeher nur einen weitgehend ebenerdigen Ausbau. Richtig intensiv wurde die Arbeit an einer alternativen Variante, nachdem die Dorfener im Jahr 2017 durch den Petitionsausschuss des Bundestages ermuntert worden waren, selbst eine Lösung vorzuschlagen. Martin Vieregg tüftelte eine Gleistieferlegung aus, die aus Dorfener Sicht viele Vorteile hätte. Nach Viereggs Berechnung würde sie zudem nicht mehr kosten als der Bahnausbau à la DB. Die Bahnplaner sahen das freilich ganz anders. Da es in der Kostenfrage keine Einigung gab, forderte der Dorfener Stadtrat schließlich vom Bundesverkehrsministerium eine neutrale Überprüfung.

Bahnausbau Dorfen: 2017 zeigte ein Baugerüst am Bahnübergang Birkenallee die Höhe der geplanten Schallschutzmauern an der Bahnstrecke. Dahinter sieht man Wiesen und Äcker, in denen die Bahngleise in der Vieregg-Variante tiefergelegt verschwinden könnten.

2017 zeigte ein Baugerüst am Bahnübergang Birkenallee die Höhe der geplanten Schallschutzmauern an der Bahnstrecke. Dahinter sieht man Wiesen und Äcker, in denen die Bahngleise in der Vieregg-Variante tiefergelegt verschwinden könnten.

(Foto: Stephan Görlich)

Mit dem Kostenvergleich des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung ist man in Dorfen jedoch aus mehreren Gründen nicht einverstanden. Der gravierendste Punkt, "der jedem Laien auffällt", wie Bauamtsleiter Franz Wandinger am Mittwoch in der Stadtratssitzung sagte, geht die vermeintlichen Grundstückskosten an, die angeblich bei der Vieregg-Variante anfallen würden. Die Gutachter haben für jeden benötigen Quadratmeter - egal ob Acker, Wiese, Feldweg oder Bauerwartungsland - einen pauschalen Preis von 660 Euro angesetzt. Das ist viel zu viel und führt dazu, dass sich extrem hohe Grundstückskosten von 48 Millionen Euro errechnen. Stadtrat Walter Zwirglmaier (ÜWG) sagte, er sei bei einer eigenen Rechnung, bei der er für landwirtschaftlichen Grund realistischere 30 Euro pro Quadratmeter Grund angesetzt habe, auf lediglich zwölf Millionen Euro gekommen. Doch damit nicht genug. Stadtrat Heiner Müller-Ermann (SPD) wies empört daraufhin, dass "in diesem sogenannten Gutachten" die frei werdenden Grundstück als wertlos eingestuft worden seien, obwohl gerade diese bei einer Vermarktung viel Geld einbringen könnten. In Zwirglmaiers Rechnung waren es 24 Millionen Euro. Unterm Strich brächte die Vieregg-Variante demnach durch Grunderwerb und Grundvermarktung sogar ein Plus.

Selbst Stadträtin Barbara Lanzinger (CSU), die persönlich nichts von der Vieregg-Variante hält, räumte ein, dass das vom Bundesverkehrsministerium vorgelegte Gutachten "unklare Punkte" enthalte und stimmte wie alle anderen für eine Beschwerde. Gleichwohl warnte sie, allzu große Hoffnungen zu wecken: "Dem Bürger zu suggerieren wir setzen die Vieregg-Planung doch noch durch, ist nicht realistisch."

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