Bauland im Landkreis Die Preise gehen durch die Decke

Am stärksten fallen die Preissteigerungen in der Kreisstadt Erding aus, aber auch in den Gemeinden in der Nähe der im Bau befindlichen Isental-Autobahn steigen die Preise für Bauland weiter an.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Bodenrichtwertliste weist eine Steigerung um 35 Prozent von 2016 bis Ende 2018 aus - nicht nur in der Kreisstadt Erding.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Die Preise für Bauland, Gewerbegrund, aber auch landwirtschaftliche Flächen im Landkreis Erding sind von 2016 bis Ende 2018 erneut gestiegen, genauer gesagt: explodiert. Und zwar im Durchschnitt um 35 Prozent. Das geht aus der Bodenrichtwertliste hervor, die der Gutachterausschuss für Grundstückswerte jetzt vorgelegt hat und die alle zwei Jahre neu erstellt wird. Erneut nimmt die Stadt Erding den Spitzenplatz bei den Werten für baureifes Land ein. Im Zentrum Erdings mussten durchschnittlich rund 2000 Euro für den Quadratmeter Bauland gezahlt werden. Deutlich geringer fallen die Steigerungsraten im gewerblichen Grundstücksmarkt (unbebaute Grundstücke) aus. Einen deutlichen Schub nach oben gibt es insbesondere in den Gemeinden im Westen des Landkreises, wie Wolfgang Thomas, Vorsitzender des Gutachterausschusses, sagt.

Errechnet wurden die Quadratmeterpreise durch Auswertung von mehr als 2500 Urkunden aus den Jahren 2017 und 2018. Mehr als 1100 Kauffälle betrafen dabei unbebaute Grundstücke, der Rest verteilte sich auf bebaute Grundstücke (rund 600) sowie Wohn- und Teileigentum (circa 750). Alleine für unbebaute Grundstücke wurden in den zwei Jahren über 467 Millionen gezahlt, wie das Landratsamt mitteilt.

Obwohl die Kommunen mehr Bauland ausweisen, reicht dies nicht, um die Nachfrage zu stillen. Wer auf den einschlägigen Immobilienseiten im Internet nach Baugrund im Landkreis sucht, wird kaum fündig. Und wenn dann zu Preisen, die den Markt widerspiegeln. Es gibt Anzeigen wie: "Baugrundstück für Einfamilienhaus in Erdinger Bestlage zu verkaufen", 490 Quadratmeter, erschlossen, Kaufpreis: 849 000 Euro. Dazu kommen noch geschätzte Nebenkosten für Notar, Grunderwerbssteuer und Verkäuferprovision von rund 87 000 Euro.

Im einzelnen listet die Bodenrichtwertliste zum Beispiel für Eitting einen Grundstückspreis von 420 Euro auf. 180 Euro waren es noch bei der Liste, die vor zwei Jahren erstellt wurde. Für Bockhorn sind es 490 Euro (230 Euro zuletzt). In Fraunberg waren damals 270 Euro für den Quadratmeter durchschnittlich zu bezahlen, bis Ende 2018 sind Preise von rund 350 Euro erzielt worden. Egal wohin man im Landkreis sieht: Die Preise für Baugrundstücke steigen von Jahr zu Jahr. Drei Beispiele zeigen dies in der Zeit von 2009/2010 bis zur jüngsten Erfassung: In Taufkirchen stieg der Quadratmeterpreis von 165 auf 220 Euro im Durchschnitt 2013/2014 auf 310 Euro in den Jahren 2015/2016 an. Jetzt liegt er bei 400 Euro, im Bereich Kellerberg sogar bei 450 Euro. In St. Wolfgang von 180 über 230 und 270 Euro auf aktuell 400 im Hauptort. In Oberding von 280 über 440 und 650 Euro je Quadratmeter auf 900 bis 950 Euro. Preissteigerungen von fünfzig 50 bis weit über hundert Prozent sind keine Ausnahme.

In Erding Mitte mussten bei einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 0,5 vor neun Jahren 535 Euro berappt werden. Heute können für Bauland in der Erdinger Mitte bei privatem Wohnungsbau rund 1500 (bei einer GFZ von 0,6) und im Geschosswohnungsbau sogar 1800 Euro erzielt werden. Mitten im Zentrum werden mittlerweile 2000 Euro für den Quadratmeter verlangt.

Einen deutlichen Schub nach oben gibt es insbesondere in den Gemeinden im Westen des Landkreises, wie Wolfgang Thomas sagt: "Hier lassen sich die Käufer die Nähe zu den Arbeitgebern am Flughafen München und in der Landeshauptstadt etwas mehr kosten." In anderen Gemeinden wirke sich die räumliche Nähe zu der bestehenden beziehungsweise im Bau befindlichen Autobahntrasse der A 94 werterhöhend aus.

Im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahre sind außerdem folgende Preise im Landkreis erzielt worden: In Berglern 430 Euro, Bockhorn/Grünbach 490 Euro, Buch 540 Euro, in Dorfen Mitte bei einer Geschossflächenzahl von 0,6 rund 660 und bei 1,0 sind es 800 Euro. In kleineren Ortsteilen Dorfens sind es 210 Euro. Auch in Ortsteilen von Erding sind Preise von 1300 Euro (Altenerding/Klettham) und 850 Euro (Langengeisling) keine Seltenheit. In Finsing wurden durchschnittlich 710 bis 750 Euro, in Forstern im Hauptort 720 bezahlt. Ähnlich teuer ist es in Neuching (750), Moosinning (800) und Wörth (680 bis 700 Euro). Noch jenseits dieser Werte liegt der Quadratmeterpreis von Oberding: 900 bis 950 Euro.

Auch landwirtschaftliche Flächen sind im Landkreis Erding begehrt. Laut den offiziellen Richtwerten brachte ein Quadratmeter zum Beispiel in der Kreisstadt 2017/2018 durchschnittlich 15,50 Euro. In Langenpreising stieg der Preis von 7,85 in zwei Jahren auf 9,50 Euro. In Oberding und Taufkirchen wurden für landwirtschaftlichen Grund um 14,50 bis 15 Euro bezahlt.