Baubeginn noch in diesem Jahr Satellit im Anflug

650 Millionen Euro wollen Flughafengesellschaft München und Lufthansa in die Erweiterung des zweiten Terminals investieren

Von Kerstin Vogel

Mit Projekten in dieser Größenordnung ist man in Oberding eher selten konfrontiert: Im Gemeinderat geht es am heutigen Donnerstag um den Bauantrag der Münchner Flughafengesellschaft zur Erweiterung des zweiten Terminals um einen "Satelliten". 650 Millionen Euro wollen Flughafenbetreiber und Lufthansa hier investieren, um Kapazität für rund elf Millionen zusätzliche Passagiere zu schaffen.

Die Oberdinger Gemeinderäte müssen sich damit befassen, weil der Baugrund auf Oberdinger Flur liegt - zu entscheiden haben sie allerdings nichts, wie Bürgermeister Helmut Lackner sagt. "Leider", ergänzt er, denn Oberding gehört zu den Gemeinden, die von der stetigen Expansion des Münchner Flughafens massiv betroffen sind und den weiteren Ausbau ablehnen.

Schon gegen die Erweiterung um das Vorfeld-Ost, den zweiten Tower und die Gepäcksortieranlage im Osten des zweiten Abfertigungsgebäudes habe der Gemeinderat lange vor Gericht gestritten, sagt Lackner. Der Satellit aber sei planfestgestellt, "da kommt nur noch jemand von der FMG in die Sitzung und informiert uns über Einzelheiten". Den Begriff "Satellit" möge er im Übrigen nicht, sagt der Bürgermeister dann noch: "Für uns ist das ein weiteres Terminal."

Für FMG und Lufthansa dagegen ist der geplante Bau die "Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte", wie es in einer gemeinsamen Mitteilung zum Satelliten heißt. Mit dessen zusätzlicher Abfertigungskapazität erreiche man etwa die Größenordnung des Frankfurter Flughafens, jubelt darin FMG-Chef Michael Kerkloh: "Eine neue Dimension."

Thomas Klühr, Leiter des Hubmanagements München der Lufthansa, betont die einzigartige Zusammenarbeit zwischen der Airline und den Münchner Flughafenbetreibern: Schon das zweite Terminal wurde gemeinsam geplant und gebaut und wird gemeinsam betrieben. Bei der Erweiterung um den Satelliten soll diese Kooperation beibehalten werden: Die Investition von 650 Millionen Euro teilen sich FMG und Lufthansa 60:40.

Der Satellit wird von dem Münchner Architekturbüro Koch + Partner geplant, soll 2015 in Betrieb gehen und wird im Prinzip auf die bestehende Gepäckhalle gebaut. Der 600 Meter lange Pier verfügt auf zwei Passagierebenen über 52 Gates und 27 zusätzliche Gebäudepositionen für Flugzeuge. Auf fast 123000 Quadratmetern werden zwei Lufthansa Service-Center mit 24 Transferschaltern sowie 42Passkontrollstellen untergebracht, außerdem fünf Lufthansa-Lounges und "Marktplätze" mit neuen Geschäften und Restaurants.

Die Verbindung zwischen dem zweiten Terminal, in dem auch weiterhin Check-in und Fluggastkontrolle stattfinden, und seinem Satelliten erfolgt über ein unterirdisches Personentransportsystem, für das es bislang lediglich den Tunnel gibt. Von einem unterirdischen Bahnhof aus sollen vollautomatisierte Züge die Gäste in weniger als einer Minute zum Satelliten bringen.

Seit 6. Juni laufen auf einer Fläche nördlich der bestehenden Gepäcksortierhalle vorbereitende Maßnahmen für den Neubau; unter anderem müssen hier Betriebsstraßen markiert und Bauzäune aufgestellt werden, wie FMG-Sprecher Edgar Engert sagt.

Denn der Flugbetrieb soll während der Bauzeit keinesfalls beeinträchtigt werden. Mit dem eigentlichen Bau des Satelliten soll dann laut Engert im vierten Quartal dieses Jahres begonnen werden. Die Ausschreibungen für die entsprechenden Arbeiten laufen derzeit noch - ob auch heimische Betriebe von den Aufträgen profitieren, kann die FMG deshalb noch nicht sagen.