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Baden im Landkreis Erding:Sprung ins kalte Wasser

In Dutzenden Badeseen und -weihern im Landkreis können sich die Erdinger von den heißen Temperaturen erholen - und eine naturnahe Alternative zu den Schwimmbädern entdecken.

Einfach rein?

Der Freistaat macht es den Bürgern leicht, sich im Sommer abzukühlen: Dem bayerischen Wassergesetz zufolge gilt ein so genannter Gemeingebrauch, der es den Bürgern ermöglicht, "oberirdische Gewässer unter anderem zum Baden ohne behördliche Genehmigung und ohne Zustimmung des Gewässereigentümers oder sonstigen Berechtigten unentgeltlich" zu nutzen. Dazu kommt ein Betretungsrecht, das es möglich macht, Ufergrundstücke in freier Natur zu nutzen, dort seine Liege aufzustellen und den Tag zu verbummeln.

Ausnahmen gibt es aber natürlich trotzdem: Der Gemeingebrauch gilt nicht, wenn sich die Gärten in Parks oder Gärtenbefinden, wenn sie einem Eigentümer gehören (wenn also kein öffentlicher Zugang besteht) sowie an Fischteichen und in der Nähe von Häfen. Oder wenn besondere Vorschriften gelten: Im Ismaninger Speichersee zum Beispiel, dem größten Gewässer im Landkreis Erding, ist schwimmen behördlich verboten. Aber keine Rechte ohne Pflichten: Der Freistaat verlangt von seinen Bürgern auch acht zu geben, wenn sie in Flüssen und Seen baden oder schwimmen. Mit der Tier- und Pflanzenwelt soll möglichst pfleglich umgegangen und auf die Belange der Gewässereigentümer soll Rücksicht genommen werden.

Aber die rechtlichen Aspekte des Freizeitbadens gehen noch viel tiefer: Es gibt zum Beispiel eine "Verordnung über das Baden und Schwimmen in den Bundeswasserstraßen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd" - kurz BadeVOBWStrSüd. Darin steht, dass es verboten ist, näher als 300 Meter vor in Fahrt befindlichen sowie näher als 30 Meter an vorbeifahrende Fahrzeuge und Schwimmkörper zu schwimmen - gut zu wissen!

Bade- und andere Vergnügen

So ein Gerücht kennt man von vielen beliebten Badeorten: An einem versteckten Ort treffen sich gern mal die Nackerten. Auch am Kronthaler Weiher gibt es wohl einen Strandabschnitt, an dem sich Anhänger der Freikörperkultur ganz wohl fühlen dürfen. An einer Wiese südwestlich haben sie offenbar die Möglichkeit, ganz nackt zu sein; es wird dort geduldet.

Sehr viel beliebter sind andere Freizeitmöglichkeiten an den Erdinger Seen und Weihern. Am Kronthaler Weiher kann man zum Beispiel Windsurfen, es gibt einen Beachvolleyballplatz und eine Sommerstockbahn. Auch in Moosinning gibt es rund um den Badesee ein großes Freizeitareal, neben dem Badeweiher wurde ein Fischerweiher eingerichtet. Und der Lainer Erlensee hat sogar noch eine Besonderheit zu bieten: Dort gibt es den einzigen Campingplatz an einem Erdinger Badeweiher.

Mund besser zu

Grundsätzlich unterscheidet das Erdinger Landratsamt zwei Kategorien von Badeseen im Landkreis: Die großen, sehr beliebten Seen sind so genannte EU-Badegewässer. Zu ihnen gehören der Kronthaler Weiher, der Thenner See, der Langenpreisinger Weiher, der Wörther Weiher, der Moosinninger Weiher und ganz im Osten der Erlensee Lain. Es handelt sich um offizielle Badegewässer mit vielen Besuchern, und deren Wasserqualität wird einer EU-Richtlinie zufolge regelmäßig überprüft. In Erding übernimmt das das Landratsamt, das machen dort so genannte Hygieneüberwachungsbeamte. Die gute Nachricht: In den sechs EU-Badegewässern muss man such über die Qualität des Wassers keine Sorgen machen. Nach den regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchungen können alle Weiher mit drei Sternen ausgezeichnet werden, der höchsten Auszeichnung, die eine "ausgezeichnete Wasserqualität" bestätigt. Die Ergebnisse der Untersuchungen müssen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, in Erding sind sie unter www.landkreis-erding.de/badeweiher einzusehen. Aber nicht nur die EU-Badegewässer werden vom Landratsamt überwacht, auch aus kleineren Seen werden Proben genommen. Außerdem achten die Behörden darauf, dass die Liegewiesen, die sanitären Anlagen und Umkleidebereiche sauber und ordentlich sind.

Auch wenn die Wasserqualität in Erding und in Bayern insgesamt gut ist, Wasser sollte man nicht einfach schlucken: Durch Tiere, Menschen und Abwässer können Viren, Würmer, Einzeller und Bakterien und auch Fäkalien ins Wasser gelangen. Das bayerische Gesundheitsministerium gibt ein recht unappetitliches Beispiel: Eine einzige Ente scheidet am Tag rund 340 Gramm Kot aus.

Aber wer das Vergnügen im Wasser sucht, sollte nicht vergessen, dass es auch gefährlich werden kann. Immer wieder wird diesen Sommer von Personen berichtet, die in bayerischen Seen umgekommen sind - weil sie nicht schwimmen konnten, oder die Gewässer falsch eingeschätzt haben. Auch die Erdinger Seen können tief werden und Wolfgang Ippisch, der Leiter der Erdinger Wasserwacht, warnt davor, an bestimmten Stellen zu schwimmen: Wehre, Staustufen, den Einlass von Baggerseen. Auch solle man nicht zu weit hinaus in einen See schwimmen, schnell könne man sich einen Krampf holen.

Die publikumsstarken Gewässer in Erding werden zu den Stoßzeiten überwacht: Von den Ortsvereinen der Wasserwacht und der DLRG. Wann genau Helfer vor Ort sind, steht auf den Internetseiten des Landratsamtes.

© SZ vom 25.07.2015
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