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Energiekosten:Münchner Stadtwerke bestrafen Stromsparer

Wer wenig Strom verbraucht, zahlt trotz Tarifsenkung künftig mehr: Die Münchner Stadtwerke haben zwar den Preis pro verbrauchter Kilowattstunde gesenkt - doch ein erhöhter Grundpreis erregt viele Kunden.

Von Marco Völklein

Vergangene Woche erst landete in vielen Haushalten ein Schreiben der Stadtwerke München (SWM). Zum 1. Januar 2015, teilten die Manager ihren Kunden mit, wird Strom günstiger werden. 18 Euro pro Jahr werde ein Durchschnittshaushalt dann sparen. Allerdings eben nur der durchschnittliche Haushalt. Vor allem Haushalte, die wenig Elektrizität verbrauchen, zahlen künftig mehr. Das führt nun zu teils heftiger Kritik.

"Bravo", meint beispielsweise SZ-Leser Christoph Schall ironisch: "Wieder mal werden die Kleinen und Wenigverbraucher bestraft." Auch Manfred Karl aus Obergiesing kritisiert die Preisänderungen: Zwar senken die Stadtwerke den sogenannten Arbeitspreis, also den Preis pro verbrauchter Kilowattstunde. Der Grundpreis dagegen steigt - und zwar im Grundversorger-Tarif von bisher 76,92 Euro auf künftig 86,10 Euro. Das ist eine Anhebung um zwölf Prozent. "Da würde mich schon interessieren, womit eine solche Erhöhung begründet wird", sagt Manfred Karl.

Erhöhung des Grundpreises wegen gestiegener Netzkosten

Mit dem Grundpreis decken die Stadtwerke nach eigener Darstellung sämtliche Kosten ab, die entstehen, ohne dass auch nur eine Kilowattstunde Strom fließt - also unter anderem die Ausgaben für die Bereitstellung des Zählers, die Zählerablesung, der Betrieb der Kundenzentren. Vor allem aber enthält der Grundpreis auch die sogenannten Netzentgelte. Die müssen die SWM an die jeweiligen Betreiber entrichten, um deren Netze zur Durchleitung des Stroms zu nutzen.

Zwar betreiben die Stadtwerke selbst auch einige Netze; sie greifen aber auch auf Netze anderer Anbieter zu. Deren Preise seien zuletzt gestiegen, sagt ein SWM-Sprecher. "Deshalb müssen wir den festen Grundpreis an die neuen Netzkosten anpassen." Man hebe aber nur um den Betrag an, um den sich der Grundpreis der Netzentgelte erhöht habe. Zudem würden die Entgelte von der staatlichen Regulierungsbehörde festgelegt. Darauf habe man keinen Einfluss.

Kritik von den Grünen

Dennoch stoßen sich manche an den neuen Preisen - denn vor allem Haushalte mit geringem Stromverbrauch zahlen so unterm Strich mehr. Laut SWM trifft es vor allem die, die weniger als 850 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen; sie zahlen laut SWM künftig bis zu 76 Cent pro Monat mehr. "Damit setzt man nicht wirklich einen Anreiz zum Stromsparen", kritisiert die Grünen-Stadträtin Sabine Krieger. Zumal die SWM stets betonen, dass sie ihren Kunden ein "umfangreiches Beratungsangebot" unterbreiten, um ihnen aufzuzeigen, wie sich Strom sparen lässt.

Bei so manchem wächst zudem der Groll, wenn er sich in Erinnerung ruft, dass die SWM erst im vergangenen Juni die Preise angehoben hatten - und nun, nachdem viele andere Stromversorger zum Jahreswechsel Preissenkungen angekündigt haben, reagieren und selbst mit den Tarifen runter gehen. SZ-Leser Schall etwa hat es konkret ausgerechnet: Gegenüber Januar 2014 wird er - trotz der Preissenkung - im kommenden Jahr noch immer vier Euro mehr zahlen. Und nicht weniger.

© SZ vom 18.11.2014/ebri/mmo

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