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Endspiel der Champions-League:Finale der Fälscher

Kopierte Tickets und nachgemachte Fanartikel: Das Champions-League-Finale ist auch für Betrüger ein Fest. Gut beschäftigt ist aber nicht nur die Polizei in München - auch die Kollegen in England sind in Sachen Hooligans im Einsatz.

Florian Fuchs

Gefälschte Tickets, Einreiseverbote für englische Fans und Betretungsverbote an der Arena in Fröttmaning für Ultras des FC Bayern München: Die Polizei, die am Finaltag mit mehr als 2000 Beamten in München im Einsatz ist, hat "schon im Vorfeld des Spiels arbeitsame Tage", wie es Vizepräsident Robert Kopp am Freitag ausdrückte. Während die Londoner Polizei mitteilte, dass sie keine Hinweise auf geplante Gewaltaktionen von Fans aus Chelsea habe, warnte Kopp vor allem vor Ticketfälschern und gefälschten Geldscheinen, die im Zuge des Finals vermehrt im Umlauf seien.

Italienischer Fan sucht CL-Karten

Die Tickets für das Champions-League-Finale sind längst ausverkauft - doch viele Fans haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

(Foto: dpa)

Am Donnerstagnachmittag nahm die Bundespolizei am Flughafen zwei Männer aus Liverpool fest, die in der Abflughalle 82 gefälschte Tickets zu je 370 Euro verkaufen wollten. "Die Karten waren so gut nachgemacht, dass wir sie erst mit Originaltickets vergleichen mussten, um den Verdacht zu bestätigen", sagte ein Sprecher der zuständigen Polizei in Ingolstadt.

Das Polizeipräsidium München geht davon aus, dass in der Stadt am Finaltag noch mehr gefälschte Tickets angeboten werden. Dieses Problem, heißt es bei der Polizei, sei bei Großveranstaltungen nicht neu. "Heutzutage braucht es dafür nur einen PC und einen vernünftigen Drucker. Das Know-how kann sich jeder selbst beibringen", sagt ein Ermittler. Die größte Schwierigkeit sei es, das passende Papier zu beschaffen. "Dazu nehmen die Fälscher vorher die Originale genau unter die Lupe."

Um das Problem einzudämmen, haben britische Behörden 44 polizeibekannten Ticketbetrügern bis nach dem Finale Ausreiseverbot erteilt. Beamte der Münchner Kriminalpolizei werden vor Anpfiff die Zugänge zum Stadion beobachten. Das Landeskriminalamt Bayern warnt zudem vor in England gefälschten 50-Euro-Scheinen, die im Zuge des Spiels in Umlauf gebracht werden sollen. Am Donnerstag nahm die Polizei außerdem zwei Personen fest, die 400 gefälschte Fanschals verkaufen wollte.

Ausreiseverbote gab es in England auch für 89 bekannte Hooligans. Die Polizei rechnet mit 30.000 Anhänger von Chelsea, darunter etwa 150 Risiko-Fans. Um Ausschreitungen zu vermeiden, werden einzelne Fangruppen den ganzen Tag durch die Innenstadt begleitet, acht szenekundige Beamte aus London unterstützen dabei die Münchner Kollegen. "Wer Probleme macht, wird in Gewahrsam genommen", kündigte Polizeivizepräsident Kopp an.

Das gilt auch für Anhänger des FC Bayern München. Bereits beim Frauenfinale am Donnerstagabend in München musste die Polizei Fans der Ultragruppierung "Schickeria" aus dem Stadion begleiten, weil sie zwei Rauchbomben gezündet hatten. Drei Personen wurden festgenommen, gegen einen soll ein Betretungsverbot für die Arena in Fröttmaning erwirkt werden.

Mit dem Ordnungsdienst des Finalstadions gab es noch extra eine Vorbesprechung, um Ausschreitungen wie beim jüngsten Relegationsspiel in Düsseldorf zu vermeiden, als Fans vor Abpfiff des Spiels aufs Spielfeld gelaufen waren.

Die Polizei rät Fans, sich drei Stunden vor Spielbeginn auf den Weg zur Arena zu machen. Falls zu viele Fans in der Innenstadt unterwegs sind, ist vor allem um die Leopold- und Ludwigstraße mit Verkehrsproblemen zu rechnen. Geplant ist etwa, bei Bedarf die Leopoldstraße zwischen der Rheinstraße und dem Oskar-von-Miller-Ring zu sperren. Trotz 25 zusätzlicher U-Bahn-Züge und 22 Verstärkerbusse warnt die Münchner Verkehrsgesellschaft vor längeren Wartezeiten und Sperrungen - auch bei Feierlichkeiten am Sonntag, falls der FC Bayern gewinnt.

© SZ vom 19.05.2012/tob
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