Elendsquartier:Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mietwucher

Strafrechtlich relevant wurde die Geschichte allerdings, als der Vermieter eines - sehr späten - Abends mit seinen Mietern in Streit geriet, weil diese sich angesichts der katastrophalen Verhältnisse weigerten, Miete zu zahlen. Der Vermieter rief die Polizei. Die erklärte ihm jedoch, dass sie für zahlungsunwillige Mieter nicht zuständig sei. Wegen des Missbrauchs von Notrufen droht ihm nun noch eine Strafe.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen Mietwuchers gegen den Vermieter. Der hatte das Anwesen selbst nur angemietet und war laut Stadt bereits in der Vergangenheit durch Überbelegung und Zweckentfremdung aufgefallen. Das Amt für Wohnen und Migration hat bereits in der vergangenen Woche gegen Eigentümer und Zwischenmieter ein Verfahren wegen Zweckentfremdung eingeleitet.

Grundsätzlich handelt es sich bei einer gewerblichen Schlafstellenvermietung um Zweckentfremdung von Wohnraum. Nach einer Ortsbesichtigung am Montag, an der Polizei sowie Mitarbeiter der Lokalbaukommission, des Sozialreferats und der Branddirektion beteiligt waren, wird nun untersucht, ob das Haus generell nicht mehr bewohnt werden darf.

"Üble Abzocke"

Das völlig überbelegte Haus in Kirchtrudering ist kein Einzelfall. Im vergangenen Sommer berichtete die SZ über ein Abbruchhaus in Berg am Laim, in dem bis zu 40 Menschen aus Bulgarien hausten und 7000 Euro Monatsmiete zahlen mussten. Im Dezember wurde in Untergiesing ein Fall bekannt, in dem auf engstem Raum Menschen vergleichsweise horrende Mieten zahlten. Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins, nannte die Zustände in der Pilgersheimer Straße "üble Abzocke". In diesem Ausmaß wie in Kirchtrudering seien die anderen bekannten Fälle in München aber "nicht gang und gäbe", sagt Zureks Kollegin Anja Franz.

Allerdings erfahre der Mieterverein auch häufig nichts von solch eklatanten Fällen, in denen die Menschen nebeneinander gepfercht liegen und auf Matratzen schlafen müssen. Pro Matratze bezahlten die Bulgaren nach eigenen Angaben 200 Euro monatlich. Dabei ist der Waschraum eine Kloake, die 60 bis 70 Menschen teilten sich zwei Toiletten und eine kleine Kochnische. Warmes Wasser gibt es keines, im Erdgeschoss nicht mal Strom, in der Hauseinfahrt stand ein Container voller Müll. Der ist am Montag von der Stadt entsorgt worden.

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