Vor Gericht Einigung auf Haftstrafen für Cucina-Bande

  • Im Verfahren gegen einen Einbrecherclan haben sich Verteidigung und Ankläger auf Haftstrafen von mehreren Jahren für die Beschuldigten geeinigt.
  • Der Clan soll zeitweise für jeden fünften Wohnungseinbruch in Deutschland verantwortlich gewesen sein - allein in München sollen es bis zu 100 Einbrüche sein.
  • Die Münchner Polizei hat in Zusammenarbeit mit kroatischen Behörden in einem Vorort von Zagreb unter anderem zwei Drahtzieher festgenommen.

Das Verfahren gegen den Einbrecherclan, der zeitweise für jeden fünften Wohnungseinbruch in Deutschland verantwortlich gewesen sein soll, könnte bereits beim nächsten Verhandlungstag am 11. Juli beendet sein: Wie die Staatsanwaltschaft München I am Donnerstag mitteilte, sind die Beschuldigten im Sinne der Anklage geständig, Verteidigung und Ankläger haben sich deshalb auf Haftstrafen von mehreren Jahren geeinigt.

"Cucina" heißt die Ermittlungsgruppe der Polizei zu dem Fall: Weil Zivilfahnder Anfang 2016 an einem Mehrfamilienhaus im Lehel, in dem ein Münchner Sternekoch wohnt, drei Einbrecherinnen festnahmen, die sie schließlich auf die Spur des weitverzweigten Familienclans brachten, der von Kroatien aus Raubzüge in ganz Europa steuerte. Allein in München könnte die Bande für bis zu 100 Einbrüche verantwortlich sein. 500 Mitglieder, so schätzen die Ermittler, könnte die Organisation insgesamt haben. Die Bandenchefs steuerten die Raubzüge von Kroatien aus, Helfer organisierten vor Ort Unterkünfte und vor allem Mädchen und jungen Frauen verübten die Einbrüche - weil sie unauffällig sind und meist mit geringen Strafen davon kommen, wenn sie erwischt werden.

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Die Münchner Polizei hörte Telefonate ab, sammelte Beweise und schlug schließlich in Kooperation mit kroatischen Behörden in einem Vorort von Zagreb zu: Dort lebten zwei der Drahtzieher in stattlichen Villen, Fahnder beschlagnahmten Schmuck und andere Gegenstände im Wert von 100 000 Euro. Beim Prozess nun stehen auch zwei der Helfer vor Gericht, die die Operationen vor Ort organisierten, einer von ihnen ist der Sohn der beiden angeklagten Bandenchefs. Weil die Auslieferung der Angeklagten über den Flughafen München stattfand, wird der Fall im Gericht in Landshut verhandelt.

Der Prozessauftakt war am Montag dieser Woche. Laut der Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leiding sind die Verteidiger der Angeklagten mit einem Vorschlag zur Verständigung auf die Staatsanwaltschaft zugegangen. Hält die Vereinbarung, werden die beiden Bandenchefs am 11. Juli Haftstrafen von zwei bis drei Jahren erhalten, die beiden Helfer - darunter der Sohn - Haftstrafen von zwei bis zweieinhalb Jahren. Eine weitere Frau der Bande, die sich ebenfalls in Landshut vor Gericht verantworten muss, soll eineinhalb bis zwei Jahre in Haft gehen. Die Ermittlungen gegen andere Mitglieder des Einbrecherclans, auch in anderen deutschen Städten und im Ausland, gehen weiter.