Ein altes Ärgernis Durchstich vor dem Durchbruch

Der Stadtrat hat die Planung für einen zweiten Fußgängertunnel vom Ostbahnhof zum Werksviertel in Auftrag gegeben

Von Renate Winkler-Schlang

Schmuddelig und düster: Die Unterführung unter dem Ostbahnhof in Richtung Friedenstraße und Werksviertel ist alles andere als einladend. Die Vorstellung, auf diesem Weg in Abendgarderobe zum neuen Konzerthaus gehen zu müssen, ist für viele Musikfreunde ein Albtraum. Dabei ist der Fußgängertunnel kein neues Ärgernis: Die Bezirksausschüsse Berg am Laim und Haidhausen hatten ebenso oft wie vergeblich einen besseren und einen zweiten Weg unter den Gleisen gefordert. Denn bislang führt nur eine Röhre vom Orleansplatz zur Friedenstraße, eine zweite weiter südlich endet am letzten Bahnsteig des Ostbahnhofs. Doch trotz jahrelanger Forderung schoben sich bisher Stadt und Bahn den Schwarzen Peter hin und her, wer für Planung und Bau zahlen soll.

Der Konzertsaal macht's nun aber offenbar möglich: Plötzlich hat das Planungsreferat eine zweite Fußgängerunterführung sogar in die "Priorität 1 +" hochgestuft. Der Stadtrat hat Ende Juni einem Papier zugestimmt, demzufolge die Planung "umgehend" aufzunehmen und der neue Tunnel "rechtzeitig vor Inbetriebnahme des Konzertsaals" auch fertiggestellt sein soll. Nadja Hallert, in der Agentur Heller und Partner für die Belange des Werksviertels zuständig, bestätigt, dass bereits eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet worden sei, die sich um die Details kümmere. "Ganz intensiv" werde um eine Lösung gerungen, die möglichst eine Weiterführung der Röhre bis direkt ins Werksviertel, aber nicht bis zum Konzertsaal selbst vorsehe. Ziel sei jedenfalls, gleichzeitig mit dem Konzertsaal fertig zu sein.

Aufgetragen hat der Stadtrat der Verwaltung auch den "Abschluss einer Planungsvereinbarung mit der DB AG und eine Kostenteilungsvereinbarung nach Eisenbahnkreuzungsgesetz". Da allerdings beißt man bei der Bahn bisher genauso auf Granit wie all die Jahre vorher. Wer den neuen Tunnel zahle, müsse man schon die Stadt fragen, heißt es bei der Bahn: Alle Bahnsteige am Ostbahnhof seien bereits jetzt über die östliche Personenunterführung barrierefrei und von beiden Stadtteilen aus zu erreichen. "Wenn die Stadt einen zweiten Durchstich zur Stadtteilverbindung wünscht, muss sie diesen auch planen und finanzieren", heißt es bei der Bahn. Man würde nur die zusätzliche Anbindung der hinteren Bahnsteige finanzieren.

Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats, sieht jedoch Hoffnung: "Die Gespräche laufen, wir verhandeln ja noch." Ob die acht Eigentümer hinterm Ostbahnhof oder die Familie Eckart, auf deren Areal der Konzertsaal gebaut wird, ein so großes Interesse an der Röhre haben, dass sie zu einer Mitfinanzierung bereit sind, will Nadja Hallert derzeit "weder ausschließen noch bestätigen". Denkbar wäre auch eine finanzielle Beteiligung des Bauherren der neuen Philharmonie, also des Freistaats. Doch Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) will davon nichts wissen: Es gehe um eine städtebauliche Erschließungsmaßnahme, "die Verantwortlichkeit liegt klar bei der Landeshauptstadt", sagt er. Gerne helfe man aber, gegenüber der Bahn Argumente deutlich zu machen und die richtigen Verhandlungspartner an den Tisch zu bringen. Der Berg am Laimer Bezirksausschuss-Vorsitzende Robert Kulzer (SPD) sagt, dass doch auch die Bahn von der Aufwertung des Werksviertels profitieren würde.

Gerüchte, nach denen die Bahn auf den ihr gehörenden Flächen der eingestellten Autoreisezug-Abfertigung bauen wolle und damit eine neue Verhandlungslage eintreten könnte, wollen weder Stadt noch Bahn bestätigen. Ehe ein Bebauungsplan erstellt werden könnte, müsste dieses Areal erst entwidmet werden. Und das könnte länger dauern als ein Konzerthaus zu bauen.