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Zornedinger Neubaugebiet:Wer zieht auf die Wimmerwiese?

Gemeinde erarbeitet Vergabekriterien für günstige Wohnungen

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Günstiger Wohnraum im Münchner Umland ist ein rares Gut. Und wie bei allen Dingen mit Seltenheitswert, sind diese umso begehrter, wenn sie doch einmal auf den Markt kommen. In der Gemeinde Zorneding wird dieses Phänomen bald zu beobachten sein. Dann nämlich, wenn die neuen Behausungen im Baugebiet südlich der Georg-Münch-Straße - besser bekannt als Wimmerwiese - fertiggestellt sind. "50 Wohnungen auf einen Schlag", wie Bürgermeister Piet Mayr (CSU) in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses sagte, stehen dann für neue Mieter zur Verfügung. Klar, dass die Nachfrage danach hoch sein wird. Um eine faire Vergabe zu ermöglichen, muss Zorneding nun seinen Kriterienkatalog für gemeindeeigene Wohnungen überarbeiten.

Einen entsprechenden Entwurf dafür legte Alexander Grothe, der am Ort für kommunale Liegenschaften zuständig ist, in der jüngsten Ausschusssitzung vor. Ihm zufolge seien bereits rund 200 Anträge für die Wohnungen auf der Wimmerwiese eingegangen. Damit diese auch "an die Richtigen vergeben werden", wie Bürgermeister Mayr sagte, soll der Kriterienkatalog helfen. Dieser solle dazu dienen, "einkommensschwächeren und weniger begüterten Personen der örtlichen Bevölkerung den Bezug angemessenen Wohnraums zu ermöglichen", wie es in etwas sperriger Art und Weise in dem Schriftstück heißt. Dieses ist indes keine Neuerfindung der Gemeinde Zorneding. Wie Grothe sagte, habe er sich bei der Zusammenstellung an den umliegenden Gemeinden orientiert, die bereits einen solchen Katalog für Vergaben aufgelegt haben.

Darin sind verschiedene Kriterien festgesetzt, nach denen die potenziellen Mieter ausgewählt werden. Allen voran ist natürlich das Einkommen entscheidend. Die Gemeinde hat sich bei der Festlegung der Grenzen an die in Bayern geltenden Regeln für den Bezug eines Wohnungsberechtigungsscheins (WBS) gehalten. Schließlich sollen vor allem einkommensschwächere Bevölkerungsschichten unterstützt werden, wie es in dem Kriterienkatalog heißt. Doch selbst wer die WBS-Grenzen um bis zu 60 Prozent überschreitet, hat immer noch die Chance auf eine Wohnung auf der Wimmerwiese - was vor allem Stefan Obermaier (Grüne) kritisierte. Es sollten nicht innerhalb einer Spanne alle gleichgestellt werden, sondern: "Je weniger Einkommen, desto höher sollte die Punktzahl sein." Letzteres nämlich entscheidet am Ende darüber, wer den Zuschlag für eine Wohnung bekommt.

Der von Obermaier vorgeschlagenen, vermeintlich gerechteren Lösung, widersprach allerdings Bürgermeister Mayr. Wer innerhalb der WBS-Grenzen liege, habe ohnehin zusätzlich Anspruch auf eine Sozialwohnung. "Da gibt es also zwei Märkte", so Mayr, der zu bedenken gab, dass etwa Pflegekräfte oder Erzieher über dieser Einkommensgrenze liegen würden. Und genau diese Bevölkerungsschicht dürfe bei der Vergabe nicht zu kurz kommen, wie Marian Nowosad (SPD) sagte. "Wir reden immer von systemrelevanten Leuten. Denen müssen wir auch mal was zurückgeben", so der junge Gemeinderat, der beruflich als Notfallsanitäter arbeitet. Er selbst habe Glück gehabt, eine Wohnung in der Gemeinde zu finden. Das sei jedoch keine Selbstverständlichkeit. "Wir müssen die komplette Palette von reich bis arm abdecken", so Nowosad.

Wie man den Kriterienkatalog modifizieren könnte, damit das auch bestmöglich klappt, darüber sollen sich die Gemeinderatsfraktionen nun ihre Gedanken machen. Die Vorschläge werden dann eingearbeitet und in einer Sondersitzung des Sozialausschusses besprochen, wie Bürgermeister Mayr sagte. "Dann können wir eine gute Beschlussempfehlung an den Gemeinderat geben."

© SZ vom 12.03.2021
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