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Heide Schneider:Ganz große Töne

Heide Schneider vom Vorstand des Kulturvereins Zorneding-Baldham wirkt seit mehr als drei Jahrzehnten hinter den Kulissen.

(Foto: Christian Endt)

Kandidatin für Tassilo: Seit 36 Jahren engagiert sich Heide Schneider für den Kulturverein Zorneding-Baldham. Die Zusammenarbeit als Team ist für sie dabei das Wichtigste.

Von Johanna Feckl, Zorneding

Vereinsarbeit ist Teamarbeit. Anders funktioniere das nicht, erklärt Heide Schneider, eines der derzeit sieben Vorstandsmitglieder des Kulturvereins Zorneding-Baldham. "Der Verein wird nicht untergehen, wenn ich irgendwann nicht mehr dabei bin", ist sie sich sicher.

Ihr ehrenamtliches Engagement für den Verein mag vielleicht nicht völlig unersetzlich sein, doch aller Bescheidenheit zum Trotz: Selbstverständlich ist ihr unermüdlicher Einsatz keinesfalls. Seit 1990 ist sie Mitglied im Vorstand und damit mittlerweile "die Alte" im Kulturverein, sagt sie. Niemand ist schon so lange dabei wie sie. Vor ihrer aktiven Mitarbeit unterstützte sie den Verein als langjährige Abonnentin seit 1973, als die gebürtige Nürnbergerin zusammen mit ihrer Familie von Schwabing nach Zorneding zog.

Sämtliche Karten- und Abobestellungen laufen über Schneider

"Vom damaligen Vorstand hat mich jemand gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte", erinnert sich Schneider. Obwohl sie damals noch einem anderen Ehrenamt nachging, überlegte sie nicht lange und sagte zu. Seitdem laufen sämtliche Karten- und Abonnementbestellungen über sie. Telefonisch funktioniert das alles. Lediglich die Interessenten für Orchesterkonzerte müssen ihre Karten seit einem Jahr per Mausklick auf dem Online-Weg bestellen. "Seitdem ist es schon etwas weniger geworden", stellt Schneider fest.

Und dennoch steht ihr Telefon selten still. Sie denkt an die Anfangsjahre ihrer Vereinsarbeit zurück, als noch ein paar mehr Konzerte stattfanden als heute. Sobald sie das Wohnzimmer, in dem bis heute das Telefon steht, verlassen wollte, folgte jedes Mal die strenge Bitte ihrer Familie: "Bitte nimm dein Telefon mit!" Denn bestimmte Arbeitszeiten gab es bei Heide Schneider nie und gibt es bis heute nicht. "Die Leute können mich immer anrufen, auch an Sonntagen." Und das tun sie auch.

Jeder Handgriff muss sitzen

Neben der Betreuung von Karten- und Abonnementbestellungen kümmert sich Heide Schneider zusammen mit einer ihrer Kolleginnen um die Künstlerbetreuung: Was muss mit der jeweiligen Agentur noch abgestimmt werden? Wann kommen die Musiker an? Wo möchten sie übernachten? Braucht es zuvor noch einen Klavierstimmer? Und manchmal muss Schneider auch noch schnell einen "Umblätterer" für die Noten organisieren. Vor jedem Konzert stellt sie außerdem ein Team zusammen, dass die Stühle auf- und wieder abbaut. Dasselbe gilt für den Flügel, den der Verein seit ein paar Jahren besitzt. Der muss nämlich im Lagerraum des Martinstadls in Zorneding senkrecht gelagert werden, weil er sonst nicht durch die Türen passt. Körperlich sei das Prozedere mit dem Flügel nicht anstrengend, meint Schneider, "aber jeder Handgriff muss perfekt sitzen."

Dass sich Schneider mittlerweile seit 36 Jahren für Musik engagiert, überrascht nicht. "Bei uns in der Familie gab es schon immer ein Klavier im Haus". Auch in Schneiders Wohnzimmer steht ein Klavier. Mit nur sechs Jahren lernte sie, auf dem Instrument zu spielen. Im Erwachsenenalter kamen dann Altflöte und Spinett hinzu. Mittlerweile spielt Schneider aber schon seit vielen Jahren keines der Instrumente mehr. Dazu fehle ihr schlichtweg die Zeit.

Jedes Konzert ist ein einzigartiges Erlebnis

Das Musikhören ist für sie schon immer wichtiger gewesen, als das Musikmachen. Sie wuchs mit klassischer Musik auf. Das war prägend, denn bis heute ist sie ihrer Vorliebe für die Klassik treu geblieben. Nur bei Jazzmusik wird sie schwach. Aber in die erste Riege wird der Jazz bei Schneider wohl niemals aufsteigen. "Auf die eine oder andere Art spielt Musik für jeden im Leben eine Rolle", überlegt sie. Jeder habe eine andere Verbindung zur Musik, jeder spüre bei Konzerten eine andere Atmosphäre, jeder nehme die Musiker anders war, und selbst bei Konzerten derselben Musiker sei jedes Mal etwas anders. Das ist es, was Schneider an der Musik so fasziniert.

Ihre Begeisterung für klassische Musik bringt sie ganz und gar in den Kulturverein ein. "Dass ein solcher Verein mit der Nähe zu dem breiten Musikangebot in München schon seit so vielen Jahren Bestand hat, ist schon etwas Besonderes", sagt Schneider. Sie ist stolz auf diese Leistung. Weit über die Region hinaus genießt der Verein bei Musikern und Publikum einen hervorragenden Ruf. Vor allem für die älteren Mitbürger sei solch ein Angebot vor Ort sehr wichtig. Mit Heide Schneiders Engagement wird das Konzertleben im Landkreis vielfältig und erfolgreich bleiben.

© SZ vom 01.06.2016/moje

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