Pliening 150 Jahre alte Esche soll gefällt werden

Mehr als ein Jahrhundert ist die Esche in Ottersberg alt, nun ist sie von einem gefährlichem Pilz befallen.

(Foto: Christian Endt)

Ein Naturdenkmal in Ottersberg bei Pliening scheint kaum mehr zu retten. Grund ist ein spezieller Pilz.

Von Barbara Mooser, Pliening

Es ist ein unscheinbarer Pilz mit dem harmlosen Namen "Falsches weißes Stengelbecherchen", der jetzt möglicherweise einen der schönsten Baumriesen im Landkreis zu Fall bringt: Das Eschentriebsterben hat die mächtige Esche in Ottersberg befallen. Diese ist eines von knapp 100 Naturdenkmälern im Landkreis, ein ganz besonderer Baum also.

Weil der Pilzbefall nach einer Einschätzung von Gutachtern aber die Standsicherheit des etwa 150 Jahre alten Baumes an der nördlichen Ortseinfahrt beeinträchtigt, hat die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt die Esche nun aus der Liste der Naturdenkmäler gelöscht und ihn zur Fällung freigegeben. "Das wäre sehr schade", sagt Plienings Bürgermeister Roland Frick dazu. So sieht es auch Franz Höcherl, Naturschutzwächter und Vorsitzender des Bundes Naturschutz.

Dennoch kann er die Argumente der Fachleute nachvollziehen: "Vom Herzen her würde ich sagen, man soll ihn stehen lassen. Aber wenn die Standfestigkeit gefährdet ist - und das direkt neben dem Schützenheim, in dem viele Veranstaltungen stattfinden -, dann ist das schon problematisch." Bisher ist offenbar kein Kraut gegen das Eschentriebsterben gewachsen, das laut Johann Taschner, dem Chef der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, auch im Landkreis "fast allgegenwärtig" ist. "Bei den Eschen, die es noch nicht haben, kann man darauf warten, dass es ausbricht", sagt er.

Der schädliche Pilz verbreitet sich durch Sporen, die zunächst die Blätter infizieren. Von dort wächst der Pilz in Zweige und Triebe und später auch in den verholzten Teil des Baumes. Erkennbar ist das Eschentriebsterben unter anderem an verfärbten Blättern und Veränderungen an der Rinde. Später sterben Äste ab, auch der gesamte Baum kann kaputtgehen.

Dass der Ottersberger Baum befallen ist, wurde laut Taschner bei einer der Routinekontrollen festgestellt, die bei jedem der Naturdenkmäler ein bis zwei Mal jährlich anfallen. Dabei werde unter anderem überprüft, ob die Verkehrssicherheit gewährleistet sei, erläutert Taschner. Und im aktuellen Fall sei der Gutachter eben zu dem Schluss gekommen, dass der absterbende Baum in seiner Standsicherheit beeinträchtigt sei. Dies bedeute nicht, dass eine akute Gefahr von dem Baum ausgehe, es handle sich eher um eine "latente Gefahr", unterstreicht der Chef der Naturschutzbehörde. Weil es aber eben keine Möglichkeit gebe, dem Eschentriebsterben zu begegnen, habe man den Schutzstatus aufgehoben, der Grundstückseigentümer - in diesem Fall ist das die Gemeinde - habe die Erlaubnis zur Fällung.

Im Plieninger Rathaus war man laut Bürgermeister Frick sehr überrascht über diese Mitteilung, bislang habe man gar nichts von Problemen gewusst, sagt er. Er will nun nochmals überprüfen lassen, ob es keine andere Möglichkeit als die Fällung gibt. Sollte das nicht der Fall sein, wünscht sich Franz Höcherl wenigstens eines: Dass kräftige junge Bäume nachgepflanzt werden, die sich eines Tages zu neuen, schönen Baumriesen entwickeln können.