Vortrag und Ausstellung Hommage an Hongkong

Wolfgang Göbler zeigt in Zorneding seine Fotografien aus einer Stadt der Superlative

Von Viktoria Spinrad

Wer sich in München und Umgebung dafür ausspricht, in die Höhe zu bauen, qualifiziert sich sofort für eine öffentliche Watschn. Landschaftsverschandelung!, heißt es dann, und so arbeitet sich der Rattenschwanz aus zu wenig und zu teurem Wohnraum immer weiter ins Umland hinein. Was aber, wenn es gar kein Umland gibt, der Raum akut begrenzt ist? Wie zum Beispiel in Hongkong. Eine Metropole mit 50 mal so vielen Einwohnern wie im Landkreis Ebersberg, aber gerade einmal doppelt so viel Fläche. Das Ergebnis ist logisch und bekannt: Es geht in die Höhe. Und das im Superlativ: Die ehemalige britische Kolonie ist Weltmeister bei der Zahl der Wolkenkratzer, schwebt irgendwo zwischen Super-Moderne und chinesischem Traditionalismus. Eine Hommage auf eben diese Stadt der Superlative hat Wolfgang Göbler mit der Kamera eingefangen. Eine Woche lang war der 65-jährige Zornedinger Hobby-Fotograf und Mitglied des Fotoclub Vaterstetten in Hongkong unterwegs. Hier, wo zwischen glitzernden Bankpalästen und dem nächsten Gemüsestand oft nur ein paar Schritte liegen, wo sich Postmoderne und Tradition die Hand reichen.

In die Heimat zurückgebracht hat Göbler grafisch anmutende Bilder, die Zeugnis eben jener Gegensätze sind. Da sind die in nostalgischem Schwarz-Weiß aufgenommenen alten Doppelstock-Straßenbahnen, die mit mondäner Werbung überklebt sind. Oder eine alten Dschunke vor der schimmernden Skyline: ein Relikt des einstigen Fischerdorfs, heute beliebte Touristen-Attraktion, die wie ein lebender Anachronismus über das Wasser vor der Glitzerstadt schippert.

Moderne und Tradition, Architektur, Platzmangel und Luxus treffen in Hongkong aufeinander.

(Foto: oh)

Um sich die Stadt bei seinem nunmehr fünften Besuch aus ungewöhnlichen Perspektiven zu erschließen, hat Göbler inmitten der Frühjahrs-Hitze durchaus Körpereinsatz bewiesen. Seine Aufnahmen von unten zeichnen von den Gebäuden symmetrische Linien, die oben von Wolkenspielen am Himmel abgelöst werden. Da erscheint selbst ein Wohnblock-Chaos aus Klimaanlagen, Wäsche und Farben harmonisch. Hinein zwischen das Rot, Grün und Orange schraubt sich ein neues Wohngebäude, wie ein Pilz aus dem Boden geschossen - mit Baugerüsten aus Bambus.

Hongkong ist für seine klaustrophobisch engen Wohnblocks bekannt. Doch Göbler entdeckte in diesen auch eine andere Seite: soziale Treffpunkte. "Im Erdgeschoss gibt es immer Läden, wo es alles frisch gibt und sich die Menschen treffen", erzählt er. Unglücklich schienen diese Menschen abseits der Glitzerpaläste jedenfalls nicht zu sein. Geselligkeit beobachtete Göbler auch bei den zumeist philippinischen und indonesischen Haushälterinnen, die zu Hunderttausenden in der Stadt leben. Sonntags haben viele frei und treffen sich draußen zu einem großen Get-Together - zum essen, quatschen. "Das sind Massen an Menschen", schildert Göbler fasziniert. Im Anschluss nehmen alle wieder brav ihren Dreck mit - "nicht wie an der Isar."

Wolfgang Göbler, Fotograf der VHS Vaterstetten.

(Foto: Matthias Döring)

Auf der anderen Seite sind da die Vorzeige-Türme in einer der weltweit reichsten Städte. Zum Beispiel das International Commerce Center, das 484 Meter hoch in den Himmel ragt. Göbler setzt das höchste Gebäude der Stadt zusammen mit der umliegenden Glitzer-Skyline bei einem dramatischen, fast fatalistisch anmutenden Wolkenspiel in Szene - als wenn sich über diesem Symbol des Bau-Wettrüstens etwas zusammenbrodeln würde.

Hongkong ist aber nicht nur urbaner Bling Bling: Mit einer Totale auf die Stadt von den umliegenden Hügeln aus zeigt Göbler auch die eher unbekannte grüne Seite der chinesische Sonderverwaltungszone. "40 Prozent der Fläche ist Naturschutzgebiet", sagt Göbler. Hongkong, ein Paradies für Wanderer, mit grünen Hügeln, die die Selbstverständlichkeit der Silbertürme stumm infrage stellen.

17 Jahre waren vergangen, seit Göbler zuletzt in Hongkong war. Für ihn war es somit auch eine Erfahrungsreise: Was hat sich verändert? Einiges, wie sich herausstellen sollte. Weil die neue U-Bahn zigfache Ausgänge hat, musste er sich aufschreiben, ob er bei 3F oder 5B rausmusste. "Wenige Jahrzehnte alte Gebäude werden wieder abgerissen", berichtet er. Und die vielen Bettler, die er bei seinen vergangenen Reisen gesehen habe, seien nun verschwunden. "Ich weiß nicht, ob die gewaltsam entfernt worden sind", überlegt er. Ein Schlüsselerlebnis: An einem Tag passierte er eine riesige Baugrube - der Beginn eines Untertunnelungs-Projekts.

Göbler hat in einer Woche Hongkong viele Aspekte dieser faszinierenden Stadt fotografisch festgehalten.

(Foto: oh)

"Hongkong": Lichtbildervortrag und Ausstellung von Wolfgang Göbler am Freitag, 15. Februar, um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der VHS in Zorneding (Herzogplatz 15). Der Eintritt ist frei, Anmeldung unter der Nummer (08106) 35 90 35. Die Ausstellung ist dann werktags bis zum 29. März zu sehen, den Schlüssel gibts im Service-Büro am Herzogplatz 19.