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Verkehrspolitik:"Es gibt immer Alternativen"

BUND Richard Mergner

In der Ebersberger Alm spricht Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz, über Verkehrspolitik im ländlichen Raum.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zum Beginn des Planfeststellungsverfahrens für die Umfahrung in Schwaberwegen macht der Bund Naturschutz mobil gegen die umstrittene Trasse. Landesvorsitzender Richard Mergner fordert eine Verkehrswende

"Die Autos tragen uns nicht in unsere Zukunft, das tut unsere Erde" - mit diesen Worten einer Diskussionsteilnehmerin lässt sich der Abend des Bundes Naturschutz zum Thema "Verkehrspolitik im ländlichen Raum" zusammenfassen. Es wird emotional im Saal der Ebersberger Alm, als der Hauptredner, Landesvorsitzender Richard Mergner, ans Publikum übergibt. In der Haut des anwesenden Forstinninger Bürgermeisters Rupert Ostermair (CSU) möchte man nun wahrlich nicht stecken. Dieser hört bei der Veranstaltung hauptsächlich zu, auf Nachfrage erklärt er zurückhaltend, der Gemeinderat habe sich die getroffene Entscheidung nicht leicht gemacht. Man sei nun aber davon überzeugt, den bestmöglichen Kompromiss gefunden zu haben.

"Wir fahren wie ein Dampfer an die Wand!", macht eine Frau ihrer Sorge um die Umwelt Luft - und erhält viel Applaus dafür. Klar ist, was viele der jetzt Klatschenden nicht wollen: den Bau der Ortsumfahrung Schwaberwegen. Für das umstrittene Verkehrsprojekt läuft aktuell das Planfeststellungsverfahren, bis zum 10. Oktober können die Planungsunterlagen in den Gemeinden Forstinning, Anzing, Markt Schwaben und im Ebersberger Landratsamt eingesehen werden. Und bis zum 11. November können Interessierte ihre Argumente für oder gegen das Projekt einbringen, auf den Tischen des Bundes Naturschutz liegen während Mergners Vortrag Vorlagen für Protestbriefe.

Weil die sowieso schon hitzige Diskussion um die Ortsumfahrung jetzt also in eine noch heißere Phase geht, hatte man Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz und studierter Wirtschaftsgeograf, eingeladen zu referieren. "Die Umgehungsstraße umgeht eigentlich alles, woran man denken soll", sagt Franz Höcherl, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pliening, als er Mergner zu Beginn des Abends begrüßt.

Tatsächlich schwelt der Konflikt um die mögliche Umgehung schon seit Jahren, Anwohner der jetzigen Staatsstraße machen sich aufgrund der Lärm- und Abgasbelastung für die Umgehung stark. Zudem liegt die stark befahrene Straße an einem Schulweg, und es gab bereits immer wieder Unfälle. Gegner des Projekts sind einerseits Anwohner des Schwaberwegener Westens, wo die neue Umgehung verlaufen soll, andererseits Naturschützer, die dagegen protestieren, dass die neue Straße auch durch den Ebersberger Forst führen soll, der als Bannwald, also als besonders schützenswert, eingestuft ist. Ausgleichsflächen mit Neubepflanzungen stünden in keinem Verhältnis zu den uralten Bäumen, die für die Straße gefällt werden müssten, der Forst sei außerdem als zusammenhängende große Waldfläche wichtig.

Mergner macht in seinem Vortrag deutlich, dass er vor allem die verkehrspolitische Konzentration auf die Förderung des Kraftfahrzeugverkehrs an sich für eine Sackgasse hält. Mobilität habe viele Gesichter, die bislang jedoch zu wenig beachtet würden, durch die aktuellen Klimaproteste sei immerhin eine größere gesellschaftliche Aufmerksamkeit auch auf die Mobilitätsfragen gelenkt worden. Während die Treibhausgase in den vergangenen Jahren in Land- und Energiewirtschaft, Haushalten und Industrieprozessen gesenkt werden konnten, seien sie im Verkehrssektor gestiegen. Er bringt die strenge Lkw-Maut in der Schweiz oder bessere öffentliche Verkehrsmittel als Alternativen zur fahrbahnkonzentrierten Verkehrsförderung an. Zudem sei der Flächenfraß, der mit durch Straßenbau bedingt sei, eines der größten ungelösten Umweltprobleme, oder um es mit den Worten eines Zuhörers zu beschreiben: "Irgendwann ist Bayern zugepflastert."

Für den Geografen wären verkehrsberuhigende Maßnahmen an der bestehenden Straße eine Möglichkeit, nicht den Bau neuer Straßen voranzutreiben. Insgesamt wünscht er sich mehr Mut von Politikern, alternative Verkehrskonzepte zu unterstützen, die CSU in Bayern müsse bei der Bewahrung der Schöpfung "nicht nur den Papst Franziskus zitieren, sondern entsprechend handeln".

Er betont, wie wichtig Transparenz sei, als aus dem Publikum der Vorwurf laut wird, die neue Umgehung sei taktisch klar mit der Schaffung eines Gewerbegebietes verbunden und möglicherweise nur der erste Schritt weiterer Baumaßnahmen, um letztendlich eine möglichst schnelle Verbindung zwischen Rosenheim und dem Flughafen zu schaffen.

Letztendlich fordert Mergner aber auch dazu auf, nicht nur auf "die da oben" zu schimpfen, sondern selbst aktiv zu werden. Er schlägt eine Bürgerwerkstatt vor, empfiehlt, sich in anderen Gemeinden mit ähnlichen Problematiken umzusehen. Denn, so Mergners Credo: "Es gibt immer Alternativen."