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Verkehr in Kirchseeon:Operation an der Krampfader

Unzählige Autos, Lastwagen und Motorräder drängen sich tagtäglich über die Bundesstraße 304 durch den Markt Kirchseeon. Im Rathaus sucht man seit langem nach Lösungen, wie sich die Verkehrssituation entspannen ließe. Nun startet die Gemeinde einen neuen Anlauf.

(Foto: Christian Endt)

Der Markt Kirchseeon unternimmt einen neuen Versuch, der Blechlawine auf der B 304 Herr zu werden. Zwei Analysen sollen nun eine Datenbasis für Maßnahmen wie ein Tempolimit liefern

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Sie ist so etwas wie die verkehrstechnische Lebenslinie des Landkreises Ebersberg, für den Markt Kirchseeon hingegen ist sie über die Jahre immer mehr zur lästigen Krampfader geworden: die Bundesstraße 304, die den Ort in zwei Hälften schneidet. Es gab in der Vergangenheit bereits zahlreiche Bestrebungen, dem dröhnenden Verkehrsstrom Einhalt zu gebieten, doch noch immer schiebt sich tagtäglich eine stattliche Blechlawine durch die Gemeinde. Nun startet Kirchseeon einen neuen Anlauf, der Lärmbelastung Herr zu werden.

Der Anlass dazu ist ein ganz konkreter: Bereits im April 2019 hatte der Gemeinderat auf einen CSU-Antrag hin beschlossen, die Geschwindigkeit am Spannleitenberg auf Tempo 70 zu begrenzen. Nach kontroverser Diskussion lenkte das Landratsamt im Sommer vergangenen Jahres schließlich ein und platzierte entsprechende Schilder am östlichen Ortsausgang sowie an der Einmündung nach Kirchseeon Dorf. Eine Prüfung durch die Regierung von Oberbayern jedoch kam zu dem Ergebnis, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung nur ortsauswärts zulässig ist, für den Bereich zwischen Kirchseeon Dorf und dem Ortsschild von Kirchseeon brauche es dagegen erst ein Lärmschutzgutachten, um eine Temporeduzierung zu rechtfertigen.

Ein Umstand, der nun bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Montagabend für Kopfschütteln sorgte: "Ich kann nicht nachvollziehen, warum auf der einen Straßenseite der Lärmschutz nötig sein soll, und auf der anderen nicht", sagte Bürgermeister Jan Paeplow (CSU). Zuvor hatte sein Parteikollege Paul Hörl nochmals die Historie des Spannleitenbergs Revue passieren lassen. "Das ist eines der größten Probleme, mit denen wir kämpfen", sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende. Gerade die Bewohner in Kirchseeon Dorf hätten das Gefühl, die Lastwagen würden direkt durch ihr Wohnzimmer fahren.

Im Gremium herrschte deshalb schnell Konsens, dass man ein entsprechendes Lärmschutzgutachten in Auftrag geben will. Während die CSU allerdings dafür plädierte, zunächst nur den Bereich Spannleitenberg in Angriff zu nehmen, forderten Vertreter anderer Fraktionen eine große Lösung für den Ort. "Lärm macht krank. Wir müssen da weiterdenken", sagte etwa Thomas Kroll stellvertretend für die SPD. Der Fraktionssprecher richtete seinen Blick auch auf den Bundesverkehrswegeplan, der 2030 ausläuft. Bis dahin brauche man verlässliche Daten, um eine Lösung für die ungeliebte Bundesstraße zu erwirken. "Wir müssen den Verkehr in einen anderen Fluss bringen, oder auch ganz raus aus dem Ort", sagte Kroll.

Unterstützung bekam er dabei von der Grünen Liste, bei der man seit jeher für eine Tunnellösung plädiert. Natalie Katholing brachte nun auch erneut den Vorschlag ins Spiel, eventuell das Ortsschild weiter in Richtung Ebersberg zu versetzen, um die Problematik am Spannleitenberg auf diese Weise zu lösen. Entsprechende Bestrebungen waren in der Vergangenheit aber bereits gescheitert.

Nun soll es vorerst ein Lärmschutzgutachten richten. Das Gremium verständigte sich mit der knappsten aller Mehrheiten von elf zu zehn Stimmen für die größere Variante von Kirchseeon Dorf bis hin auf die Höhe des Westrings am anderen Ortsende. Bemerkenswert war, dass Bürgermeister Paeplow als einziger Christsozialer ausscherte, gegen seine Fraktion stimmte und so letztendlich den Ausschlag für die Gesamtlösung gab. Diese wird den Markt vorerst rund 25 000 Euro kosten.

Ebenfalls untersucht werden soll, wie der Verkehrsfluss durch den Ort besser gelenkt werden könnte. Dazu soll ein Verkehrsplaner die Ampelschaltung genauer unter die Lupe nehmen. Vor allem rund um den Bereich der Tankstelle in Eglharting sorgt die Taktung immer wieder für lange Rückstaus. Von der ursprünglichen Idee, die Situation durch grüne Pfeile an den Ampeln zu entspannen, nahm die Gemeinde nach Rücksprache mit dem Bauamt Rosenheim und der Ebersberger Polizei indes wieder Abstand. Beide Fachstellen befürchteten dadurch eher ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.

© SZ vom 12.05.2021
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