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Tunnel im Landkreis Ebersberg:Unterirdisch nach Italien

Es klingt wie ein irrwitziger Plan: Die Bahnstrecke zum Brenner-Basistunnel soll von Trudering bis Grafing komplett im Tunnel verlaufen - mehr als 20 Kilometer lang. Die Kosten: 2,6 Milliarden Euro.

Barbara Mooser

Für viele klang es zunächst wie die absurde Idee eines Planers, die niemals verwirklicht wird: Durch das dicht besiedelte Umland im Münchner Osten soll eine neue Bahnstrecke Richtung Rosenheim und weiter nach Kiefersfelden gebaut werden - mit einem mehr als 20 Kilometer langen Tunnel von Trudering bis Grafing und geschätzten Baukosten von 2,6 Milliarden Euro.

Doch die Realisierung rückt jetzt tatsächlich näher - das hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zumindest in einem Brief an den Kirchseeoner Bürger Ludwig Steininger angekündigt: Noch in diesem Jahr sollen die Planungen beginnen.

Tatsächlich hat der "Planfall 36" aus dem Bedarfsplan für die Schienenwege in den vergangenen Monaten an Bedeutung gewonnen. Denn im April hat in Österreich die Hauptbauphase für den Brenner-Basistunnel begonnen, damit kommen auch die Politiker hierzulande in Zugzwang. Schließlich sind die bayerischen Bahnstrecken Richtung Brenner bereits jetzt ausgelastet. Ziel des 55 Kilometer langen Brennertunnels ist es aber, große Teile des Verkehrs gen Italien von der Straße auf die Schiene zu verlagern - das geht nur, wenn die Zulaufstrecken leistungsfähig sind.

Bundesverkehrsminister Ramsauer hat seinem österreichischen Amtskollegen bereits versichert, dass bis 2026 - dem Jahr der Eröffnung des Brennertunnels - Deutschland seine Hausaufgaben gemacht haben wird. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat mit der Forderung nachgezogen, dass "die betroffenen Gemeinden im Inntal eng in den Planungsprozess eingebunden" werden müssten.

Dies ist eine Aussage, die bei Ludwig Steininger nicht gut angekommen ist. Denn er wohnt nicht im Inntal, sondern an der bestehenden Bahnstrecke in Kirchseeon. Entlastung durch die neue Trasse im Tunnel, die nun im Münchner Osten und im Landkreis Ebersberg geplant ist, erwartet er nicht. Statt dessen fürchtet er, dass die schnellen und leisen Züge auf der Neubautrasse geführt werden - und die Anwohner entlang der alten Strecke noch mehr rumpelnde Güterwaggons aushalten müssen.

Ob es so sein wird, ist noch unklar - wie überhaupt die Informationen über das Großprojekt bisher spärlich fließen. Selbst die Bürgermeister der Gemeinden entlang der Bahn wissen bisher, wie es Rudolf Heiler (FW) aus Grafing ausdrückt, "Null Komma Null". Das soll sich ändern, verspricht der Verkehrsminister in seinem Brief an Steininger: "Der Auftakt der Planung wird auch der Auftakt für eine offensive Beteiligung und Information der Bevölkerung entlang des deutschen Streckenteils sein." Anfang Juli wollen sich Ministeriumsvertreter erstmals bei einer Informationsveranstaltung in Rosenheim äußern.

© SZ vom 18.06.2011/sonn
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