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Stadtpolitik:Bauen mit neuem Dreh

Das Feld ist bestellt: Auf diesem Acker im Nordwesten Ebersberg soll ein Wohngebiet entstehen. Im Technischen Ausschuss des Stadtrates hat nun der Bebauungsplan eine wichtige Hürde genommen, im Mai sollen die Pläne erneut ausgelegt werden.

(Foto: Christian Endt)

Nach Kritik der künftigen Nachbarn entscheidet sich der Technische Ausschuss des Ebersberger Stadtrates für eine teilweise Umplanung des Wohngebietes Friedenseiche VIII. So soll die Struktur weniger bedrückend wirken

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Das Ebersberger Wohngebiet Friedenseiche VIII wird umgeplant - wenigstens ein bisschen. Dies ist das Ergebnis der Sitzung des Technischen Ausschusses vom Dienstagabend. Bereits im Februar hatte sich angedeutet, dass es Änderungen an den Plänen geben könnte, nun wurden diese einstimmig beschlossen. Demnach sollen zwei an der Elsa-Plach-Straße geplanten große Mehrfamilienhäuser in insgesamt vier Gebäude aufgeteilt und um 90 Grad gedreht werden. Die Zahl der Wohnungen - geplant sind etwa 60 - soll dabei aber unverändert bleiben.

Dies war das große Anliegen der Stadt, wie Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) bereits zu Beginn der Diskussion um die Umplanung klar gemacht hat. Man könne über alles reden, so der Rathauschef damals, aber die Zahl der Wohnungen dürfe nicht reduziert werden. Denn Ebersberg hat, wie viele Kommunen in der Region, ein Problem mit fehlendem Wohnraum. Zumindest solchem, den sich auch Normalverdiener leisten können. Darum war bei der Entwicklung des Baugebietes von Anfang an auch geplant, dass dort bezahlbarer Wohnraum entstehen soll.

Das Problem dabei, zumindest für einige der künftigen Nachbarn, war die Form zweier Mehrfamilienhäuser im Südwesten des geplanten Baugebietes. Diese hätten parallel zur Elsa-Plach-Straße angeordnet werden sollen, was als zu massiv kritisiert wurde. Tatsächlich wären so an der Straße drei etwa 40 Meter lange Baukörper entstanden, die zudem den Endpunkt der Straßen im Praetoriusbogen bilden würden. In zahlreichen Einwendungen und auch in vielen Beiträgen einer virtuellen Bürgerversammlung im November wurde beklagt, dass dies der vorhandenen Struktur der Gegend widerspreche und die neue von der alten Siedlung quasi abriegele. Zudem hätten die Bewohner der Reihenhäuser im Norden dann auch kaum Sonne, wenn im Süden ein so großer Riegel stehe.

Dass man da durchaus andere Möglichkeiten habe, deutete Architekt Erwin Wenzl bereits in der Online-Runde an, im Februar stellte er auch mögliche Umplanungen vor. Darunter die Variante mit den gedrehten und geteilten Mehrfamilienhäusern, die bei den Anliegern auf positive Resonanz gestoßen war. Bereits kurz nach der Februarsitzung gab es einen offenen Brief einiger Nachbarn. Darin hieß es, die Drehung halte man für "einen gelungenen Kompromiss". Dies bekräftigte im Ausschuss auch Ralf Schmidmaier im Namen der Anlieger, der sich auch für die konstruktive Zusammenarbeit bedankte. Das Kompliment gab Architekt Wenzl gleich zurück, der sagte, man habe die Einwände nicht als Behinderung aufgefasst, sondern ernst genommen: "Es ist doch normal, dass man sich einbringt, deshalb gibt es doch das Bauleitverfahren."

Im Ausschuss stellte Wenzl dann noch einmal das Ergebnis des Kompromisses vor. Demnach würden die beiden Häuser nicht nur geteilt und gedreht, sondern auch ein Stück von der Straße wegversetzt. Was allerdings zulasten der oberirdischen Parkplätze gehe, die müssten dann in einer größeren Tiefgarage im Osten des Baugebietes untergebracht werden. Bei zwei weiteren Anregungen der Nachbarn, eine Verkehrsberuhigung der Elsa-Plach-Straße und die Lage der Wertstoffinsel im Westen des Baugebiets, könne man derzeit aber noch keine Festlegungen treffen, diese seien nicht Teil des aktuellen Bebauungsplanes.

Laut Bürgermeister Proske verursacht die Drehung und Teilung der beiden Häuser zwar einerseits Mehrkosten, da man etwa mehr Treppenhäuser braucht. Andererseits spare man sich lange Verbindungsgänge, was dann wieder günstiger werde. Durch die zusätzlichen unterirdischen Stellplätze werde es dann wieder etwas teurer, aber "meiner Meinung nach, werden keine erheblichen Mehrkosten entstehen", so der Bürgermeister. Der Meinung ist man auch bei der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg (GWG), die als möglicher Partner bei der Entwicklung des Gebiets gilt. Man habe bei der GWG, gefragt, welche Variante sie bevorzugen würden, so Proske, "die GWG sagt, es ist ihnen egal, ob gedreht oder nicht".

Im Ausschuss gab es dagegen eine klare Präferenz für die neue Variante. Christoph Münch (SPD), nannte diese den "Kompromiss, der den meisten der Einwendungen Rechnung trägt, und es geht kein Wohnraum verloren". Seine Fraktion werde darum zustimmen. Genau wie die Grünen, sagte Jürgen Friedrichs, ganz persönlich "finde ich das sehr gelungen", optisch sei die neue Variante deutlich ansprechender als die bisherige Planung. Auch Gerd Otter (Pro Ebersberg), sprach sich für die geteilten Häuser aus, obwohl er Mitglied des Preisgerichts war, das damals den ursprünglichen Entwurf abgesegnet hatte. "Aber ich habe die Einwände gelesen" und inzwischen sei der der Überzeugung, die Umplanung "ist ein Vorteil".

Was nicht alle im Gremium so sahen. Alexander Gressierer (CSU) favorisierte eine Variante, in dem die beiden Häuser entlang der Straße zwar geteilt, aber nicht gedreht, sondern zueinander leicht versetzt werden sollten. Dies habe einerseits optische Gründe, denn die kritisierten Schluchten würden mit der geteilten Variante dann eben in Nord-Süd Richtung entstehen. Zum anderen werde es auch günstiger, wenn man jeweils nur ein Haus baut. Laut Architekt Wenzl hingegen sei die Versetzung nicht empfehlenswert. Die von den Anliegern kritisierte "Riegel-Wirkung" bestehe weiter und sparen werde man wohl auch nicht viel. Denn durch die teilweise Trennung der Baukörper "ergeben sich komplizierte Planvorgaben".

Letztlich votierten lediglich Gressierer und sein Fraktionskollege Josef Riedl für die Variante mit den versetzten Häusern. Der Rest der CSU stimmte zusammen mit den übrigen Ausschussmitgliedern dagegen. Bei der finalen Abstimmung bekam die gedrehte Variante sogar alle Stimmen.

Nun muss der neue Plan auch neu ausgelegt werden, wie Proske am Mittwoch auf Nachfrage erklärte, werde es aber wohl bis Mai dauern, alle Änderungen einzuarbeiten. Möglicherweise sollen die neuen Pläne dann im Rathaus auf Stellwänden zu sehen sein, anstatt nur im Ordner oder auf dem Bildschirm. Bis es an die Umsetzung geht, könne es allerdings noch etwas dauern, idealerweise, wo Proske, könne man die ersten Leistungen Ende des Jahres ausschreiben.

Dass Zeit ein wichtiger Faktor ist, wurde auch in der Sitzung kurz thematisiert. Denn zum einen braucht die Stadt dringend günstigen Wohnraum und, wie Gressierer anmerkte "auf den Grundstücken liegen Millionenbeträge". Die Stadt will diese verkaufen, laut Proske sei aber frühestens im kommenden Jahr mit Erträgen aus Friedenseiche VIII zu rechnen.

© SZ vom 11.03.2021
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