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SPD-Gipfeltreffen:Besuch von oben

Münchens Bürgermeister Christian Ude (SPD) demonstrierte in Markt Schwaben seine Unterstützung für SPD-Landratskandidat Ernst Böhm

"Die Wechselstimmung im Land ist so groß, dass sie schon den Ministerpräsidenten erfasst hat", scherzt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude im vollen Saal im Wirtshaus am See. Um diese Wechselstimmung auch im Landkreis zu bekräftigen, war Ude als SPD-Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt am Sonntag nach Markt Schwaben gekommen: als prominente Wahlkampfunterstützung für den Landratskandidaten Ernst Böhm. Ihn zelebrierte Ude an diesem Sonntagabend als sozial denkenden Unternehmer - und als ein Original.

"Ernst Böhm redet nicht wie ein Blinder von der Farbe, sondern mit eigener Erfahrung und bewiesener sozialer Ader." Damit begründete Christian Ude seinen Beistand für den Ebersberger Landratskandidaten. Dieser hatte seinem Parteikollegen die Themen für dessen Rede "aufgetragen", wie Ude sagte. Damit der Landkreis bei der doppelten Wahlkampfveranstaltung nicht aus dem Fokus gerate. Und so standen der Ausbau des öffentlichen Nahverkehr, des Wohnungsbaus und der alternativen Energien im Zentrum.

Bei all diesen Schwerpunkten beschrieb Ude die Politik der CSU als eine Reihe von Versäumnissen. Die SPD dagegen, so Ude, setze sich für Investitionen in das S-Bahnnetz ein, die Gestaltung der Bahnhöfe solle seniorengerecht sein. Für Gerechtigkeit plädierte Ude auch beim Wohnraum, der "für alle Einkommensgruppen erschwinglich" sein müsse. Die SPD wolle, dass im Landkreis beides, Arbeitsplätze und Wohnraum, entstehe. Böhms Vorschläge dazu hätten "Hand und Fuß". Zum Ausbau der alternativen Energien sagte Ude, sie müssten bei der Bevölkerung Akzeptanz finden.

Bürgernähe indes hat sich auch Ernst Böhm zum Ziel gesetzt, in seiner Rede verglich er sie mit Kundennähe. Er warb mit einer vertraulichen Note für sich, sprach von seinen Kindern, seiner Herkunft - und seiner persönlichen Motivation. "Man soll nicht so tun, als ob man keine persönlichen Interessen hätte." Die Kandidatur passe in seine Lebensplanung. Neben seiner Neugierde auf eine spannende Aufgabe gehe es ihm um Verantwortung. Er wolle sich für Arbeit und sozialen Ausgleich, beste Bildung und bezahlbares Wohnen, Chancengerechtigkeit und christliche Gemeinschaft einsetzen. Im Saal kam das gut an. "Er ist kommunikativ", sagte Karl Segerer, Forstinnings SPD-Ortsvorsitzender. Vor allem zog Udes Berühmtheit viele Zuhörer an. "Seid ihr alle Sozis?", fragte eine SPDlerin die jungen Menschen ihr gegenüber. "Weil, so ganz Junge haben wir in unserem Ortsverein gar nicht." Es waren denn auch nicht alle Angesprochenen SPD-Mitglieder. Aber es ist Wahljahr und viele junge Menschen dürfen zum ersten Mal eine politische Entscheidung fällen. So auch Zuhörerin Carolin Fleischmann. "Ich will mich noch orientieren", sagt die 19-jährige Poingerin. "So einen richtigen Politiker" wie Ude einmal zu erleben, findet sie "spannend". Und so mischten sich sogar einige CSU-Mitglieder in die Menge der "Sozis". Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) war optimistisch: "Wir hatten noch nie so aussichtsreiche Kandidaten, weder im Land noch im Landkreis."

© SZ vom 12.03.2013

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