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Schöne Industriebauweise der ehemaligen Brennerei:Ein Denkmal für Parsdorf

Landesamt würdigt geschichtliche Bedeutung der Schnapsbrennerei in Vaterstetten aus dem Jahr 1902. Sie soll die landwirtschaftliche Alkoholherstellung in der Region repräsentieren

Ziegel und Schornstein: Burkhard Körner und Beate Zarges vom Landesamt für Denkmalpflege vor der Parsdorfer Brennerei.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die ehemalige Brennerei in Parsdorf in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen. Das Gebäude habe geschichtliche Bedeutung für die Allgemeinheit und stehe beispielhaft für den Typ der Brennereien der Zeit um 1900, begründet Burkhard Körner, wissenschaftlicher Referent der Denkmalerfassung. Die Gemeinde Vaterstetten wurde vor wenigen Tagen schriftlich über die Aufnahme informiert. Der zweite Bürgermeister Martin Wagner sagte der SZ gestern, er sei "positiv überrascht" und "sehr angetan". Mitglieder der Genossenschaft, der das Gebäude gehört, waren nicht erreichbar.

Rund 110 Jahre lang haben Vaterstettener Landwirte das bis heute gut erhaltene Gebäude aus dem Jahr 1902, das damals am Ortsrand lag und heute zum Zentrum gehört, zur Herstellung von Alkohol aus Kartoffeln genutzt. Im Oktober vergangenen Jahres aber hat die Genossenschaft ihr Brennrecht zurückgegeben, nachdem das Europäische Parlament das Monopol der Alkoholproduktion gekippt hatte. Für die meisten der rund 30 landwirtschaftlichen Verschlussbrennereien in der Münchner Region bedeutete das Ende des preisgarantierten Verkaufs an die Monopolverwaltung das Aus - auf dem freien Markt sehen sie für sich keine Chance.

Seither sind im Landkreis bereits die Brennereien in Landsham und Grub abgerissen worden, in Angelbrechting gibt es Pläne für eine Wohnbebauung. Mit Hochdruck hat das Landesamt darum bereits 2011 etwa ein Drittel der 30 Brennereigebäude ausführlich geprüft. "Unser Ziel ist es nicht, alle Brennereien unter Denkmalschutz zu stellen, sondern im Interesse der Allgemeinheit zu handeln", sagt Sprecherin Beate Zarges. Das Gebäude in Parsdorf stehe nun pars pro toto für die einst wirtschaftlich bedeutende landwirtschaftliche Alkoholherstellung in der Münchner Schotterebene.

Der zweigeschossige Bau mit Krüppelwalmdach blieb seit seiner Errichtung nahezu unverändert. Lediglich ein Zwerchhaus an der vorderen Front wurde nachträglich abgenommen, an der Rückseite ist dieses noch gut erhalten. Die ziegelsichtige Fassade mit dunklen Segment- und Fensterfassungen zeige sehr schön die Industriebauweise, wie Körner meint. Im Inneren sei die Binnengliederung aus der Bauzeit noch vollständig erhalten, so liege hinter der zweiflügligen Eingangstür ein großer Erschließungsraum mit Treppe ins Obergeschoss. Dort befindet sich neben Produktionsräumen die Wohnung des Brennmeisters. Teil des Baudenkmals ist auch der weit über den Gebäudegrundriss hinausragende Keller mit Schwemmrinnen. Die Technik im Inneren ist wiederum nicht denkmalgeschützt, weil sie immer wieder modernisiert wurde. "Das Gebäude ist von allen aus dieser Zeit besonders gut erhalten", sagt Burkhard Körner. Stellvertretend für die Anfangszeit der Schnapsbrennerei steht die Brennerei in Taufkirchen aus dem Jahr 1880 seit Januar 2012 unter Denkmalschutz.

Für das Gebäude in Parsdorf wollen Genossenschaft und Gemeinde nun eine geeignete Form der Folgenutzung finden. "Es geht ja auch darum, dass so ein Denkmal auch weiter lebt", sagt Beate Zarges. Gespräche haben bereits stattgefunden, dabei ist nach dem Modell der Brennerei in Weißenfeld von einer Nutzung als Kindertagesstätte die Rede. Aber auch das Wort Museum ist gefallen. Martin Wagner schließt einen Erwerb des Gebäudes für die Kommune aus. "Finanziell ist das im Moment gar nicht darstellbar", sagt er.