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Glosse:Pöringer Burschenverein will künftig auch Frauen aufnehmen

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Bayerische Burchenvereine haben meist strenge Regeln, besonders wenn es um Frauen geht (Symbolfoto).

(Foto: dpa)

So verkündigen es die "Bianga" in einer Pressemitteilung - kurz darauf nehmen sie die Reform jedoch zurück. Wie man sich mit einem Aprilscherz selbst reinlegen kann.

Glosse von Anja Blum

Es ist schon fast ein Reflex: Pünktlich zum 1. April erreichen die SZ-Lokalredaktion stets diverse Nachrichten von stattlichem Entenformat, die also mehr oder weniger sensationelle Unwahrheiten zu verkünden wissen. Ginge es nach den diesjährigen Scherzbolden, würden im Zornedinger Soccerpark Windräder gebaut, bei der VHS Vaterstetten klärte Buderus Viessmann über die Lehrmethode Hei-Zen auf, Bairisch würde die neue EU-Amtssprache und der Pöringer Burschenverein nähme fortan auch Madln auf. Hier allerdings waren die Absender vorsichtig und schickten zur gefakten Pressemitteilung gleich eine zweite mit, die den Schwindel enttarnt. Nicht, dass jemand auf die Idee kommt, die Öffnung fürs andere Geschlecht könnte der Realität entsprechen - Gott bewahre!

Mit Humor hat dieser Aprilscherz denn auch ziemlich wenig zu tun. Zwar versuchen die Bianga, wie sich die Mitglieder des Vereins nennen, ihrem Text einen lustigen Anstrich zu verpassen: Das bisherige Bierlager werde nun zum Damen-WC umgebaut und künftig werde es selbstverständlich auch ein Mieder mit passender Schürze in den Vereinsfarben geben, kündigen sie an. Sogar Neuwahlen werde es 2020 geben, um den Frauen möglichst bald auch den Zutritt in die "Führungsriege" zu ermöglichen. "Der ganze Verein ist im Umbruch und bereit, in einem neuen, modernen Zeitalter anzukommen." Und das, obwohl es intern durchaus Gegner gebe, die die neue Regelung kategorisch ablehnten und zum Widerstand aufriefen. Lustig, oder?

Das zweite Schreiben indes rückt die Bianga-Welt wieder in Ordnung: Freilich werden auch weiterhin in den Pöringer Verein, gegründet 1963, keine Frauen aufgenommen. Man habe mit dem Aprilscherz nur Aufmerksamkeit erregen und klarstellen wollen, dass diese Beitrittsregelung nichts mit Diskriminierung zu tun habe, sondern ganz allein mit Tradition. In diesem Sinne sei ein reiner Männerverein nämlich durchaus legitim - in Analogie zum Frauenbund oder Männerchor. Das Thema Gleichberechtigung sei freilich wichtig, heißt es da, sollte jedoch "mit Maß und vor allem Hirn" verfolgt werden.

Auch wie das gelingen kann, zeigen die Bianga sogleich: Die Mitglieder des Vereins seien stets sehr dankbar für die Unterstützung der Frauen, schreiben sie in ihrer "ernsten" Pressemitteilung, "egal, ob beim Backen, beim Kochen, beim Organisieren oder Aufbauen". Deswegen seien die Damen auch auf allen Festen und Ausflügen erwünscht. Aha. Herd ja, Bierzelt ja, Mitgliederversammlung oder gar Vorstandssitzung? Nein. Angesichts dieses anachronistischen Weltbilds stellt sich wohl eher die Frage, ob überhaupt irgendeine Frau gerne Biangerin würde. Die 17 neuen weiblichen Mitglieder, von denen der Verein scherzhaft träumt, werden vermutlich so oder so nie Realität.

© SZ vom 02.04.2019/koei
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