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Neue Attraktion in Kirchseeon:Perchten-Museum soll Mitte November öffnen

Perschten Kirchseeon  65.ter Jubiläumstanz

Wilde Gestalten, die sich in den Rauhnächten zeigen: Die Kirchseeoner Perchten beim Lauf zum 65-jährigen Bestehen der Gruppe im Januar.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Mittelpunkt der Ausstellung im "Maskeum" steht die Perchten-Tradition. Gezeigt werden aber Exponate aus aller Welt

Von Alexandra Leuthner, Kirchseeon

Warum die Perchten ausgerechnet in Kirchseeon Fuß gefasst haben, warum sich in den Namen der örtlichen Stiftung ein "s" geschmuggelt hat, und wie die Tradition der Perchtenläufe in der Gemeinde so groß werden konnte, dass sie es in einen Wikipedia-Eintrag geschafft hat, all das erfährt der Besucher des "Maskeums". Wenn es denn fertig ist. Noch ist das Perchten-Museum im zweiten Stock des Mittelschulnordbaus eine Baustelle. Aber eine, die schon viel von dem verrät, was die Besucher von Mitte November an - wenn Corona den Organisatoren nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht - erwarten wird.

Perchten MASKEUM

Rainer Eglseder, Johanna Killi, Herbert Schafbauer und Tina Heiler-Leupold freuen sich auf die Eröffnung des Maskeums - wer rein will, muss durchs Maul des Schnadernschlenzers.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Schon der Zugang zum Museum über den luftigen Außentreppenturm verheißt Ungewöhnliches, und tatsächlich entlässt der Treppenkäfig den Besucher schon jetzt in ein Universum in tiefem Blau. Eine Farbe, in der die Mystik der Winternächte ihren Ausdruck findet, aus welcher die gruseligen, tobenden, rasselnden und Glocken schlagenden Gesellen auftauchen und in der sie auch wieder verschwinden. Immer wieder zwischen Mitte November und dem 6. Januar.

Perchten MASKEUM

Im November feiert das Maskeum in kleiner Runde seine Eröffnungsfeier.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Besucher soll das Gefühl bekommen, dass die Gestalten ihn anschauen

Perchten MASKEUM

Ein Gesicht in der Maske, ist vielleicht erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Noch lehnen meterhohe Holzwände im Eingangsbereich, an denen schon bald mittels eigens gefertigter, beweglicher Halterungen Masken aus aller Welt aufgehängt und den Weg in den zentralen Raum säumen werden. Die Halterungen an den Wänden, die sich in ähnlicher Form im daneben liegenden Hauptausstellungsraum finden, wo die originalen Kirchseeoner Masken, die Schiachen- und die Schönperchten hängen werden, können gekippt und gedreht werden, und somit dem Besucher das Gefühl geben, dass er von ihrem Blick verfolgt wird.

Ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem aus mehr als 50 weißen Scheinwerfern soll die Schiachen und die Schönen ebenso wie die Holzmandln, die mit Attributen aus dem Ebersberger Forst wie Schwammerln oder Tannenzapfen versehen sind, und auch die Schnadernschlenzer - eine Art greislige Gaudiburschen, die allerlei Schabernack treiben - in Szene setzen. "Auf farbige Lichter haben wir verzichtet", erklärt der Leiter des Projektgremiums Maskeum und Vorsitzender des Fördervereins Maskeum, Rainer Eglseder, "die Masken sollen die Effekte geben".

Was sie auch sicher tun werden mit ihren schwungvoll geschnitzten Formen, den wilden Frisuren aus Pferdehaar und ebenso wilden und wallenden Kleidern, oftmals mit Fell verstärkt oder aus dicker Wolle gefertigt. Auf einer Art Bühne in der Mitte des Hauptausstellungsraums werden acht ganze Perchtenfiguren vor einer Bühne aufgestellt, die teilweise versenkt werden können, um den Blick auf eine Leinwand frei zu geben. Ganz verschwinden sie allerdings nicht, "sonst käme bei der Klasse unten drunter plötzlich ein Percht aus der Decke", scherzt Eglseder.

Durch den Schlund eines Schnadernschlenzers geht es in den nächsten Raum

Wer in den teilbaren Raum hinein will, muss erst einmal durch den roten Schlund eines Schnadernschlenzers - dem drei Meter hohen Nachbau einer Originalmaske aus hartem Schaumstoff. Dann sieht man sich gleich dem nächsten Unhold gegenüber. Auch diese Maske, gefertigt von dem Münchner Bildhauer Markus Donhauser, der auch für den neuen Further Drachen verantwortlich ist - ist durchaus geeignet, einen das wohlige Gruseln zu lehren. Erst recht, wenn man in ihrem Innern steht, wo man dann allerdings mit den Perchten innige Freundschaft schließen kann.

Hier ist eine von vier interaktiven Medienstationen eingerichtet, die man mittels persönlichem Touch Pen ganz coronagerecht bedienen kann. Über das Kirchseeoner Perchtenbrauchtum können sich die Besucher an den Stationen informieren, über den Perschtenverein, die Geschichte, die mit dem ersten , vom Bayerischen Rundfunk gefilmten Perchtenlauf 1954 begann, über Hans Reupold, den Gründervater des Vereins, von dem selbst viele der Masken stammen, und das Schariwari-Mytsical "Bayerische Raunacht". Um die zweieinhalb Stunden, schätzt Eglseder, brauche man schon, um wirklich alles gesehen zu haben, was das Museum bietet. Wobei die Exponate im Hauptausstellungsraum regelmäßig ausgewechselt werden, so dass wiederkehrende Besucher sich jedes Mal neu überraschen lassen können. Zum Maskeum gehört neben einem Büro ein Lager mit eigens angefertigten Rollschränken, gut belüftet, um die teils Jahrzehnte alten Holzmasken für die Zukunft zu bewahren.

Noch ist unklar, ob die Läufe stattfinden können

Wenn das Maskeum Mitte November in coronabedingt kleinem Rahmen Eröffnung feiert, wird ein Traum Wirklichkeit, der schon lange in den Köpfen der Verantwortlichen spukte, zumal die Fläche im Rathaus, wo die Masken, bis 2019 gelagert waren, längst nicht mehr ausreichte. "Seit 2006 bin ich eigentlich damit beschäftigt, über das Konzept nachzudenken", erzählt Eglseder.

2017 hatte der Kirchseeoner Gemeinderat einer Planungssumme von rund 100 000 Euro zugestimmt, um das außergewöhnliche Museum einzurichten. Einen Teil der Summe, die laut Eglseder nicht überschritten worden ist, hat die Landesstelle für nicht staatliche Museen übernommen, das Maskeum wird als Brauchtumsbewahrer also staatlich gefördert. Und dann gebe es als dritte Finanzierungssäule auch noch Sponsoren.

Alle Freunde und Förderer sollen spätestens in einem Jahr - so möglich - bei einem nachgeholten großen Einweihungsfest zusammenkommen. Falls in diesem Winter die Perchtenläufe ausfallen müssen, was noch nicht sicher ist, bleibt den Fans zumindest der Besuch im Museum. Auch der allerdings unter Auflagen - in die Maske am Selfiestand etwa darf bis auf weiteres niemand schlüpfen - stattdessen ist die Coronamaske Pflicht.

Das Maskeum soll Mitte November eröffnet werden und zunächst an Samstagen und Sonntagen zwischen 10 und 16 Uhr seine Pforten öffnen. Im Sommer soll die Ausstellung an jeweils einem Wochenende im Monat zu besichtigen sein. Je nach Resonanz und Andrang ist angedacht, den Freitag als weiteren Öffnungstag mit dazu zu nehmen. Der erste Perchtenauftritt ist für Samstag, 21. November geplant, beim Stanglwirt in Neufarn, Beginn 19 Uhr. Insgesamt plant der Verein 14 Aufritte bis zum Heilig-Drei-Königtag am 6. Januar. Wie und ob die Auftritte stattfinden können, hängt aber von den Entscheidungen im Hinblick auf die Pandemie ab.

© SZ vom 19.09.2020

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