Öffentlicher Personennahverkehr Noch lange nicht Endstation

Feierstunde in historischem Gefährt: Zum 40-jährigen Jubiläum des Münchner Verkehrsverbundes im Landkreis Ebersberg hat Landrat Robert Niedergesäß (vorne links) neben den Busunternehmern aus der Region auch MVV-Chef Bernd Rosenbusch (vorne rechts) eingeladen.

(Foto: Christiane Siegert/Landratsamt/oh)

Vor genau 40 Jahren ist der Landkreis Ebersberg Mitglied im Münchner Verkehrsverbund geworden. Die Erfolgsgeschichte soll nun durch das neue Mobilitätskonzept fortgeschrieben werden

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Die Sitze mit den blauen Polsterbezügen fühlen sich weich und flauschig an. Durch die hohen Glasscheiben und das Dachfenster dringt Tageslicht bis in die letzten Winkel des Fahrzeugs. Auch die geräumigen Gepäckablagen über den Sitzreihen können sich sehen lassen. Lediglich die Fahrerkabine mit dem wuchtigen Lenkrad und den rustikalen Bordinstrumenten wirkt etwas derb. Ansonsten aber steht der Bus mit dem sperrigen Namen "Emmelmann Präfekt 15 U 11" wie neu auf dem Parkplatz vor dem Ebersberger Landratsamt.

Dass das historische Gefährt - Baujahr 1966 - sein Comeback im Landkreis feiert, ist aber eher unwahrscheinlich. Vielmehr soll es als Symbol für die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region dienen, denn ziemlich genau vor 40 Jahren ist Ebersberg Mitglied im Münchner Verkehrsverbund (MVV) geworden. Und dieses Jubiläum ist nun im Rahmen einer kleinen Feierstunde am Landratsamt begangen worden.

Die Entwicklungen der vergangenen vier Jahrzehnte lassen sich dabei nicht nur an den eingesetzten Fahrzeugen erkennen, sondern auch an den Zahlen, die Landrat Robert Niedergesäß (CSU) anlässlich des runden Geburtstags aufzeigte. Demnach hat sich die Anzahl der Buslinien von ursprünglich elf im Mai 1979 auf inzwischen 21 erhöht. Die 623 500 jährlichen Fahrtkilometer sind auf mehr als 2,2 Millionen angewachsen und der Zuschuss des Landkreises an den MVV beträgt mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Euro im Jahr, anstatt der damaligen 850 000 D-Mark. Wie Niedergesäß sagte, ist der Landkreis bestrebt, diese Entwicklung fortzusetzen. "Wenn wir eine Verkehrswende wollen, dann brauchen wir attraktive Buslinien", so der Landrat. Dem stimmten freilich auch die Busunternehmer aus dem Landkreis zu, die zum Jubiläum eingeladen waren.

Um diese Attraktivität in den kommenden Jahren zu gewährleisten, habe der Landkreis einiges vor. Niedergesäß verwies dabei vor allem auf den neuen Nahverkehrsplan, der derzeit in Kooperation mit den Nachbarlandkreisen und den Schulen erarbeitet werde. "Da geben wir richtig Tempo", so der Landrat, der gleichzeitig einschränkte, dass all das natürlich auch nicht über Nacht umsetzbar sei. Zumindest das Rufbus-Konzept für den Landkreis scheint aber bereits konkrete Formen anzunehmen. Nach Vorbild des Landkreises Fürstenfeldbruck ist auch für Ebersberg geplant, einen 24-Stunden-Betrieb einzuführen, der auch im MVV-Tarif enthalten sein soll. Niedergesäß nannte eine erste Kostenschätzung für das Projekt: Etwa eine Million Euro im Jahr werde der Landkreis dafür ausgeben müssen. "Aber wenn wir so etwas machen, dann muss es schon ordentlich sein."

Dieser Meinung ist auch Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des MVV, der mit der Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Ebersberg sehr zufrieden ist. "Das neue Mobilitätskonzept wird einen Riesenschub bringen. Das ist genau der richtige Ansatz", ist sich Rosenbusch sicher. Um die Menschen dazu zu bewegen, das Auto auch mal stehen zu lassen, sei schließlich das Angebot im ÖPNV ganz entscheidend.

So argumentiert auch Landrat Niedergesäß, der neben den Bestrebungen, das MVV-Netz attraktiver zu gestalten, auch weiterhin mit der Deutschen Bahn in engem Kontakt steht. "Wir wissen um die Probleme, die wir bei der S-Bahn haben", so Niedergesäß. Es sei deshalb wichtig, mit den Betreibern in einen Dialog zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Der Nahverkehr müsse zuverlässig sein, sonst würden sich die Menschen wieder von ihm abwenden. Dabei ist es laut Niedergesäß auf längere Sicht im Landkreis das Ziel, dass der Individualverkehr immer weiter zurückgedrängt wird.