Nostalgie-Lokomotiven Aßling hat die schönste Miniatureisenbahn Bayerns

In Aßling im Landkreis Ebersberg ist eine Welt für Miniatur-Eisenbahnen entstanden - die Züge sind achtmal so klein wie die Originale. Am 12. August, 12 bis 20 Uhr, ist wieder Fahrtag.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Landkreis Ebersberg steht eine einzigartige Eisenbahnwelt. Menschen aus ganz Deutschland kommen deswegen zum "Dampfbahnclub" nach Aßling.

Reportage von Korbinian Eisenberger, Aßling

Sie hat 120 Kilo Kampfgewicht und schafft 20 Leute auf einmal. Ein Kraftpaket, wuchtig gebaut mit ordentlich Schmalz.

Wenn Christian Seidel über seine Santa Fe spricht, dann bekommt die Dampflok menschliche Züge. Der 20-Jährige hat die Santa Fe so zusammengebaut, wie sie hier auf dem Gleis steht: Stahlrahmenkonstruktion, Holzverkleidung, gelb und rot glänzend. Dampf steigt jetzt aus dem Kamin, hinten juchzen Kinderstimmen. Die Santa Fe rollt los, wie eine Lok aus einem Wild-West-Film. Nur dass sie acht mal so klein ist wie eine große. Und dass Lokführer Seidel nicht im Führerhaus sitzt, sondern auf dem Dach.

In Aßling haben sie mitten im Grün eine eigene Welt für Miniatur-Eisenbahnen gebaut. Hier, wo jetzt die Santa Fe übers Gleis ruckelt, haben die Mitglieder des Dampfbahnclubs Aßling etwas Einzigartiges geschaffen. In Oberbayern gibt es Anlagen in Waldkraiburg, Baiernrain, Moosburg oder Neuötting, aber kein Vergleich mit Aßling "So was gibt es in Bayern kein zweites Mal", sagt Ernst Pittenauer, der Dachauer war 13 Jahre lang Vorsitzender im Deutschen Dampfbahnklub, dem bundesweiten Dachverband. Er sagt: "Aßling gehört in Deutschland zur Spitzenklasse."

Ein Pfiff, er kommt von einem Mann, der mit Trillerpfeife und Schaffnermütze am Bahnsteig steht. "Die Grundausrüstung", sagt Karl-Heinz Donauer. Der Aßlinger hat den Dampfbahnclub vor etwa 30 Jahren gegründet, er ist hier der erste Vorsitzende. 930 Meter ist das Gleis lang, acht verschiedene Loks ziehen Waggons über die Schienen. Donauer und seine Mitglieder vom Verein haben jede Stahlschiene eigenhändig gebogen und verlegt. An 50 000 Punkten haben sie Nähte verschweißt, dazu einen Tunnel gegraben, es gibt eine Brücke und einen Weiher mit Seeanemonen.

Ein Sonntag Mitte Juli: Fahrtag in Aßling. So nennen sie es, wenn der Verein einmal im Monat für Gäste aufmacht. Die Sonne brennt, gutes Wetter für einen Tag am See. Doch auf dem Gelände am Ortsrand von Aßling geht es auch ohne Badehose rund. Es quietscht und rauscht, ein Gebimmel und Gepfeife, Männer mit Schaffnermützen, Familien mit Kinderwagen, überall Buben und Mädchen, rauchende Würstl, dampfende Züge.

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Die Aßlinger Anlage ist ein Familienparadies, wo nur fehlt, dass man bei der Hitze im Weiher auch planschen darf. Dafür gibt es kühle Getränke, der Spezi für 1,50 Euro, eine Zugfahrt kostet einen Euro - Preise wie aus einer früheren Zeit. "Uns geht's ned ums Geld", sagt Donauer, er sitzt jetzt auf der Lok und heizt den Ofen mit Steinkohle an. Flüssigkeit hat er schon aufgefüllt, Wasserdampf zum Antrieb.

Vorne schließt Donauer die Ofenluke, gleich geht's los. Hinten sitzt Familie Loppitz aus Chemnitz, Mama Regina, Papa Kurt, Sohn Albin, fünf, und Tochter Tanja, sieben - sie machen Urlaub im Chiemgau. Viele hier kommen von außerhalb Bayerns, dort sind schon länger Ferien. Die Bahn rollt los und Albin rollt mit den Augen, weil seine Schwester sich an ihm festhält. Nach ein paar Sekunden lässt sie los, die Züge sind meist nur mit drei Kilometern pro Stunde unterwegs. Papa duckt sich unter einem tief hängenden Strauch weg. Nach acht Minuten läuft die Lok mit einem Tuten in den Bahnhof ein. Die Kinder plärren: "Noch mal!"

Es dampft wieder

Am 12. August öffnet der Aßlinger Eisenbahnpark wieder für Gäste. Von 12 bis 20 Uhr fahren im Mitterweg 27 in Aßling die Dampf- und Elektroloks. Auf einem Feld gibt es kostenlose Parkplätze, der Eintritt zum Gelände ist frei. Eine Punktekarte für zwölf Fahrten (je acht Minuten) gibt es für neun Euro, die Einzelfahrt kostet einen Euro. Draußen am Grillstand und im Vereinsheim bieten die Mitglieder vom "Dampfbahnclub" Leberkässemmeln, Bratwürste, Pommes und selbst gemachte Kuchen zu familienfreundlichen Preisen an. Spezi und Schorlen (je 0,5l) kosten 1,50 Euro, Bier und Radler (je 0,5l) zwei Euro, ein Haferl Kaffee 1,50 Euro. Im Vereinsheim gibt es Sitzgelegenheiten, draußen stehen Biertischgarnituren mit Sonnenschirmen. Informationen unter www.dampfbahnclub-assling.de. koei

Herz der Anlage ist das Stellwerk, hier haben Willibald Röder, 79, und Helmut Peetz, 68, das Sagen, beide seit Jahrzehnten Mitglieder. "Batterielok auf Gleis 1, Dampflok auf 2." Röder ist Lackierer und Maler, jetzt sitzt er an einer Schaltanlage, die aussieht wie ein Museumsstück: mechanische Hebel, mit denen er die Weichen umstellt. "Das sind Originale, wie sie die Bahn früher verwendet hat", sagt Röder. Liebhaberstücke, die Jahre in einem Keller in Köln lagen, und nach wie vor funktionieren. Peetz: "Wir hatten nie einen Crash."

Es geht jetzt in die Unterwelt der Eisenbahnstrecke: eine riesige Werkstatt, die sich zwischen den Hügeln hinter einer Tür erstreckt. Hier beginnt das Reich von Feinmechaniker Anderl Wagner, 68. Er steht mit Schürze zwischen Fräsmaschinen und Schweißapparaten. Gerade bastelt er an einer Lok, die maßstabsgetreu einem DDR-Modell nachgebaut wurde. "Eine Nulloanser", sagt Wagner, die haben sie einem Rentner in Pegnitz abgekauft, 15 000 Euro, also deutlich teurer als die anderen Loks. Die Nulloanser ist die Aßlinger Luxuslok.

15 Mitglieder sind an diesem Samstag im Einsatz, 60 sind sie im Verein, 25 Euro kostet der Jahresbeitrag pro Person. Finanziert wird der Verein samt Anlage vor allem durch Spendengelder. Und mithilfe der Kirche. Auf deren 3500 Quadratmeter großen Grund steht ja die Eisenbahn, verpachtet zum Freundschaftspreis. Der damalige Landrat Hans Vollhardt setzte sich seinerzeit dafür ein, dass Donauers Projekt einen Platz in Aßling bekommt. Jetzt ist die Anlage gut und gerne eine Million Euro Wert.

Ums Geld geht es dort aber nach wie vor nicht. Es geht um Eisenbahnliebhaber wie Christian Seidel, der von Beruf Elektriker ist, aber lieber an Loks rumschraubt als an Sicherungskästen. Der zweimal im Monat aus der Nähe von Innsbruck losfährt und mit Schaffnermütze auf dem Kopf in Aßling ankommt. Als kleiner Bub, sagt er, da hatte er eine Playmobileisenbahn. Jetzt, 15 Jahre später, läuft er mit seiner Santa Fe in den Bahnhof ein und sagt: "Bei mir dreht sich eigentlich alles um die Eisenbahn."