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Neue Flüchtlingsunterkünfte:Mikrohäuser für Moosach

Moosach Grundstück Asyl-Unterkunft neben Sackmannhaus.

Drei der Grundstücke, auf denen die Gebäude entstehen könnten, sind in Gemeindebesitz - so wie dieses an der Grafinger Straße neben dem Sackmannhaus.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Initiative Sackmannhaus stellt ihr Konzept zur Unterbringung von Asylbewerbern vor. Sie schlägt den Kauf von mehreren kleinen Wohnmodulen vor.

Von Carolin Fries, Moosach

Knapp zwei Wochen vor dem Bürgerentscheid zur Unterbringung von Asylbewerbern in Moosach stellt die Initiative Sackmannhaus ihr Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen vor. Am Donnerstagabend, 7. April, um 19.30 Uhr will man das zwölfseitige Papier bei einer Informationsveranstaltung im Eventstadl präsentieren. Anstatt einer zentralen Unterkunft plädiert die Initiative für eine dezentrale Unterbringung in kleinen Wohneinheiten, sogenannten Mikrohäusern. Außerdem sollen es zunächst nur neun Flüchtlinge sein statt 46. Bei Bedarf könnte die Zahl aufgestockt werden.

Im Februar hatten Eigentümer und Bewohner des Sackmannhauses 217 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, um den Gemeinderatsbeschluss zum Bau einer zentralen Unterkunft von November 2015 aufzuheben. Anstatt ein großes Gebäude für bis zu 46 Asylbewerber zu errichten und dieses an das Landratsamt zu vermieten, sieht das Konzept den Kauf von Mikrohäusern vor, welche vermietet werden. Aktuell ist im Konzept von einem Haus für acht Personen die Rede. Die Initiative bezieht sich dabei auf eine nicht verbindliche Berechnung auf Grundlage des Königsteiner Schlüssels, wonach die Gemeinde Moosach insgesamt 17 Asylbewerber unterbringen muss. Tatsächlich gilt der Königsteiner Schlüssel aber nur für den Landkreis, dessen Kommunen angehalten sind, sich solidarisch zu zeigen.

Die Initiative plant, neun Personen unterzubringen

In Moosach leben aktuell acht Asylbewerber, die Initiative Sackmannhaus rechnet in ihrem Modell deshalb mit neun Personen, die noch unterzubringen sind. Laut Marco Lindenbeck, Initiator und Sprecher der Initiative, plant ein Moosacher Bürger die private Aufnahme von drei unbegleiteten Minderjährigen, womit das aktuelle Soll erreicht wäre. Selbstverständlich könne die Gemeinde aber auch zwei oder drei Häuser kaufen und vermieten. Die Idee der Initiative lasse sich unbegrenzt erweitern. Sollten im Jahr 2016 ähnlich viele Asylbewerber im Landkreis untergebracht werden müssen wie im Vorjahr, müsste Moosach nach einer Prognose des Landratsamtes bis zum Jahresende noch 22 Personen aufnehmen.

Als Standorte für die Mikrohäuser schlägt die Initiative vier mögliche Grundstücke vor, darunter auch den Kirchengrund in der Nordendstraße. Die Kirche habe einem Mikrohaus für acht Personen auf der Fläche bereits zugestimmt, sagt Lindenbeck. Die anderen Grundstücke sind in Gemeindebesitz. Es handelt sich um das für die zentrale Asylunterkunft vorgesehene Grundstück in der Grafinger Straße in Nachbarschaft zum Sackmannhaus, eine Fläche hinter dem Spielplatz sowie eine in der Rathausstraße neben dem Feuerwehrhaus. Darüber hinaus wären weitere drei Grundstücke in Gemeindesitz als Standorte möglich. Ob und wie diese mit Mikrohäusern bestückt werden, entscheidet freilich nicht die Initiative, sondern der Gemeinderat per Beschluss.

Die Mikrohäuser könnten nachhaltig genutzt werden

Nach der Kalkulation der Initiative ist die Unterbringung in den Mikrohäusern günstiger als in einer zentralen Unterkunft. Zudem könnten die Mikrohäuser nachhaltig von der Kommune genutzt werden, wie es auch der langfristige Plan für die zentrale Unterkunft ist: So könnten die Gebäude zu einem Kindergarten umgebaut oder für den sozialen Wohnungsbau verwendet werden. Ein Haus für vier Personen koste in der Anschaffung 71 500 Euro, eines für acht Personen 145 000 Euro. Vermiete man letzteres für acht Euro pro Quadratmeter fünf Jahre lang an das Landratsamt, blieben der Gemeinde Kosten von knapp 100 000 Euro - beim Kauf von drei Häusern analog etwa 300 000 Euro.

Moosachs Bürgermeister Eugen Gillhuber (CSU) unterstützt die Initiative Sackmannhaus; die Mehrheit des Gemeinderates indes hält am Gemeinderatsbeschluss von November fest. Damals hatte sich das Gremium mit großer Mehrheit für ein Haus in hochwertiger Holzbauweise entscheiden, das etwa 1,2 Millionen Euro kosten soll. Dieses will man für fünf Jahre an das Landratsamt zur Unterbringung von Asylbewerbern vermieten und danach zum Beispiel als Kindergarten umbauen. Über ein zinsfreies Darlehen finanziert könne man mit den Mieteinnahmen nahezu die Hälfte der Kosten innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen, sagt Moosachs Zweiter Bürgermeister Willi Mirus (AMB). Er hat die Moosacher Bürger Anfang der Woche über das vom Gemeinderat beschlossene Ratsbegehren informiert, welches ebenfalls am Sonntag, 24. April, beim Bürgerentscheid zur Abstimmung steht.

© SZ vom 06.04.2016/moje
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