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Auftritt am Donnerstag:Mit Herz und Stimme

Monica Sardi Sängerin aus Argentnien / Vaterstetten

Unterschiedliche Sprache und Kultur sollte nie eine Blockade darstellen, sagt Monica Sardi. Die Argentinierin lebt seit zwei Jahren in Baldham.

(Foto: Veranstalter)

Die Mezzosopranistin Monica Sardi aus Baldham hat sich neben der Oper auch dem Tango verschrieben. Nun ist die Argentinierin in der Pfarrkirche Vaterstetten zu hören.

Von Luisa Terkowsky

Singen ist meine große Liebe", sagt Monica Sardi im Brustton der Überzeugung. Obwohl der Satz wegen des novemberlichen Teil-Lockdowns nur übers Telefon zu hören ist, lässt sich vermuten, dass der Opernsängerin dabei ein seliges Lächeln auf den Lippen liegt. Live erleben kann man ihre Leidenschaft aber nun auch, und zwar am Donnerstag, 26. November, bei einer musikalischen Andacht in der Vaterstettener Pfarrkirche. Monica Sardi stammt aus Argentinien, lebt aber bereits seit zwölf Jahren in Deutschland und seit zwei in Baldham. Neben ihrem Opernrepertoire singt die Mezzosopranistin Tangos, ist schauspielerisch sowie als Gesangspädagogin tätig. "Eigentlich alles, was mit Stimme zu tun hat, fasziniert mich", erklärt die 45-Jährige.

Ihre Begeisterung für die Oper entdeckte Sardi schon früh, mit ungefähr sechs Jahren. "Ich liebe daran vor allem die Kombination aus Schauspielerei und Singen", kann Sardi ihre Faszination heute in Worte fassen. Bereits in ihrer Kindheit in Argentinien lernte sie diverse Instrumente und besuchte ein musisches Gymnasium. Schnell stand der Berufswunsch fest, Opernsängerin zu werden - und während eines Studiums zur Chorleitung eröffnete sich plötzlich die Möglichkeit dazu: Monica Sardi wurde für die Opernschule des Teatro Colón in Buenos Aires ausgewählt und konnte ein Meisterklassendiplom ablegen. Ebenfalls an diesem Theater debütierte sie mit einer Rolle in Mozarts "Figaro".

Wenn Sardi von ihrer Karriere erzählt, ist da viel Dankbarkeit zu spüren: Sie habe keinen besonders schwierigen Start in Berufsleben gehabt. Der Anfang sei ein Prozess aus wiederholtem Vorsingen, kleineren Rollen, dem Knüpfen von Kontakten und einer gemächlichen Steigerung zu größeren Rollen bis hin zu Tourneen gewesen. Bis sie als Opernsängerin gut verdient, erhält Sardi finanzielle Unterstützung durch Stipendien, vor allem das Reisen wird ihr so ermöglicht. Über den Kontinent Südamerika hinaus tritt Sardi in den USA sowie in Europa auf. Selbst nach Katar reist sie für ein Konzert.

Nun, zu Zeiten von Corona, haben es freiberufliche Künstler und Künstlerinnen wie Sardi freilich alles andere als einfach. Doch für die Mezzosopranistin aus Baldham ist eine solch schwierige Situation nichts Neues: Bereits 2009, als sich die Schweinegrippe verstärkt in Argentinien ausbreitete, hat sie die Auswirkungen einer Pandemie auf die Kulturbranche deutlich zu spüren bekommen. Sämtliche Aufträge in ihrem Heimatland wurden abgesagt. Ein Umstand, der ihre Auswanderung ins Rollen brachte.

Deutschland habe sie ohnehin schon immer angezogen, sagt die 45-Jährige. Ursprünglich aber war der Plan, nur für kurze Zeit ins Land kommen, um sich gesanglich weiterzubilden. "Aber ich habe mich sofort in München verliebt." Außerdem begünstigte die Grippewelle in ihrem Heimatland die Entscheidung, für eine längere Zeit in Bayern zu bleiben, wo Sardi bald Aufträge bekam. Außerdem lernte sie hier ihren Mann kennen, gründete eine Familie. Ihre zwei kleinen Kinder hätten ihre Karriere zwar in den vergangenen Jahren schon beeinflusst, jedoch dank der Unterstützung ihres Mannes nicht maßgeblich, erzählt Sardi. Außerdem seien sie oft bei Konzerten dabei und natürlich große Fans ihrer singenden Mama.

Ihre argentinische Heimat vermisst Sardi zwar, dennoch fühle sie sich wunderbar bereichert von der Vermischung der beiden Kulturen. Es sind die Klischees: Auf Seiten Deutschlands schätze sie vor allem Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, wohingegen sie selbst das von der argentinischen Seite kommende herzliche Wesen mit viel Körperkontakt, Lob und Komplimenten beibehalten wolle. Und auch auf ihre künstlerische Arbeit hat sich der Umzug nach Deutschland ausgewirkt: Erst durch die Trennung von der Heimat entstand eine Nostalgie, die eine neue Faszination zum Vorschein brachte: den Tango. "Durch ihn kann ich selbst in der Fremde in Verbindung mit meinen Wurzeln sein", so Sardi. Am Herzen liegt der lebhaften Künstlerin auch ihr Projekt "Poesie Palabras urgentes", wo sie spanische Gedichte mit der Stimme interpretiert. Ihr Geburtsland besuchen, kann Sardi derzeit wegen Corona freilich nicht. Allerdings befindet sie sich in regem telefonischem Austausch, vor allem mit ihren argentinischen Freundinnen. "Freundschaft ist nämlich ein sehr wichtiger Wert in Argentinien", erklärt sie.

Die deutsche Sprache übrigens hat Sardi mit einigen Vorkenntnissen und dem fest gefassten Vorsatz, sie nun zu lernen, mit Erfolg als Herausforderung angenommen. Vor allem der bayrische Dialekt habe sie zu Beginn sehr eingeschüchtert, erzählt sie und lacht. Doch diese Erfahrung lehrte die Argentinierin, dass Sprache und Kultur zwar prägend für eine Person sein können, aber nie eine Blockade darstellen sollten. Deshalb leitet Sardi eine Frauengruppe in München, die genau das vermitteln will: Frauen unterschiedlichster Kulturen und Nationalitäten treffen sich hier, singen Lieder auf Deutsch, Finnisch, Spanisch oder Italienisch und lernen so neue Sprachen.

Wegen der Pandemie ist aber auch hier momentan alles anders, das ganze Jahr sei eine gewaltige Umstellung gewesen, sagt Monica Sardi, die auch einen Frauenchor leitet. Proben seien teils nur unter strengen Hygienemaßnahmen möglich gewesen, mit viel Aufwand konnte ein Open-Air Konzert organisiert werden. Derzeit fallen jedoch alle Auftritte aus, geprobt wird lediglich online. Auch Sardis Gesangsstudio in München und Baldham hat aufgrund der Pandemie derzeit geschlossen, der Unterricht findet auf digitalen Wegen statt.

Umso mehr freut sich Monica Sardi auf ihren Auftritt in der Pfarrkirche Vaterstetten. Bei der "Musikalischen Andacht zur Marktzeit" stehen Tango und Kammermusik aus Argentinien auf dem Programm. Neben "vielen nostalgischen und seelenverbundenen Liedern", wie Sardi es beschreibt, werden durch Bilder und Texte geistliche und spirituelle Impulse gesetzt. Stattfinden kann die Reihe dank der Organisation der Vaterstettener Kirchenmusikerin Beatrice Menz-Hermann, die damit auch freischaffende Kollegen und Kolleginnen unterstützen möchte. Insofern wird stets um Spenden für die Musiker gebeten.

"Musikalischen Andacht zur Marktzeit" am Donnerstag, 26. November, von 10.15 bis 10.45 Uhr in der Pfarrkirche Vaterstetten: Tango und Kammermusik aus Argentinien mit Monica Sardi (Gesang), Karina Pesce (Flöte) und Pablo Havenstein (Klavier).

© SZ vom 25.11.2020
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