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Mitten in Ebersberg:Von Gurken und Ferndiagnosen

Künstliche Intelligenz gilt gemeinhin als recht zuverlässig. In Ebersberg können nun sogar Corona-Testergebnisse übermittelt werden - ohne dass ein Abstrich nötig ist

Glosse von Franziska Langhammer

Wer lässig und ziellos im Internet surft, kann schnell mal auf den Gedanken kommen: Ist das Netz etwa schlauer als ich? Über alles kann man sich informieren, zu fast allen Themen. Und seien die Fragen auch noch so absurd, es gibt Antworten, Videos, Chatrooms. Dass viele Menschen das Web als allwissenden Antwortausspucker befragen, lässt sich etwa an den häufigsten Suchanfragen der vergangenen Jahre ablesen. Dazu gehören: Warum wurden Kelloggs Cornflakes erfunden? Wie geht Floss Dance? Warum haben Katzen Angst vor Gurken?

In Ebersberg scheint die künstliche Intelligenz nun auch schon per Ferndiagnose eine (Nicht-)Ansteckung mit Corona feststellen zu können. Geplant war ein kurzer Besuch in einem Testzentrum in der Kreisstadt - ein inzwischen beinah lieb gewordenes Ritual, um sich ein hoffentlich negatives Testergebnis bescheinigen zu lassen. Die Anmeldung erfolgt online, man wartet geduldig auf die Bestätigung via E-Mail und den erforderlichen QR-Code. Dieser trudelt auch wenige Minuten später ein - sowie eine E-Mail mit der Bestätigung: Coronatest negativ. Stutzen, Stirnrunzeln, nochmalige Kontrolle. Das Datum stimmt, die Daten stimmen, nur dass ein Test bereits gemacht wurde, das stimmt nicht. Oder ... doch?

Wie viel leichter wäre doch das Leben, wenn es immer so laufen würde. Anmeldung an einen Arabisch-Sprachkurs - postwendend die Bescheinigung: Die Teilnehmerin spricht fließend Arabisch. Motorrad-Führerschein? Angemeldet - und bestanden. Wer wird Millionär? Persönliche Daten eingeben und zack: Her mit der Kohle.

Leider aber irrt sich das Netz scheinbar nur selten und in ausgewählten Fällen. Ob es zumindest damit Recht hat, dass Katzen mit Salatgurken erschreckt werden können, weil das Gemüse sie an natürliche Feinde wie die Schlange erinnert? Hm. Am besten, wir fragen beizeiten mal selber bei Schnurri nach.

© SZ vom 27.05.2021
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