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Mitten in Ebersberg:Ein Griaßde im Sauseschritt

Ein Lauf durch die Kreisstadt ist ein stetes Abenteuer. Über den Unterschied von Joggen und Flitzen

Kolumne von Franziska Langhammer

Wer sich den Wahnsinn schon mal angetan hat und in Ebersberg Joggen war, der kennt die Problematik vielleicht. Vor allem auf der schönen Laufstrecke an der Weiherkette entlang ist, egal ob im Morgengrauen oder in der Abenddämmerung, garantiert noch jemand anderes unterwegs. Eigentlich kein Problem, Platz ist ja genug.

Wie aber reagieren, wenn man beim Versuch, sportlich zu sein, ständig Leuten über den Weg läuft - und das ja wortwörtlich? Eigentlich möchte man seine Ruhe haben und stur vor sich hinschwitzen, in der Hoffnung, dabei ungesehen zu bleiben. Manchmal hilft ein einfacher Wechsel auf die andere Wegseite. Manchmal jedoch bohren sich einem die Blicke der Passanten so sehr entgegen, dass man aufschauen und im schlimmsten Fall auch noch zurückgrüßen muss. Was an einem dahingekeuchten "Griaßde" so wünschenswert ist, die Frage bleibt dahin gestellt.

Tricky auch die Begegnungen am Wirtshaus "Zur Gass", an dem man auch ab und zu vorbeidröhnen muss wie eine schmauchende Lokomotive. Um zu vermeiden, bekannte Gesichter im Biergarten auszumachen, die einem dann - bestenfalls noch in größeren Gruppen - ein fröhliches "Hallo!" zurufen, sollte man hier die Straßenseite wechseln und eine Sprintstrecke einbauen. Weniger unangenehm sind diese Treffen übrigens, wenn auch die Biergartenbesucher schon rotwangig daherschauen; allerdings aus anderen Gründen als man selbst.

Manchmal sollte man sich die Sprintstrecken aber auch für besondere Momente aufsparen. Wie zum Beispiel vor wenigen Tagen, als sich ein etwa dreijähriges Kind beim Spazieren mit seiner Mama umdreht. "Mama, warum flitzt die Frau da?", fragt es. Die Mama dreht sich auch um und beobachtet eine Weile den Überholvorgang, zu dem jetzt angesetzt wird. "Die Frau flitzt nicht", erklärt die Mutter dann, "die Frau joggt." Leider dauert es mit dem Überholen etwas, so kann das Kind noch genauere Blicke auf die Frau werfen. "Warum joggt die?" Die Mutter betrachtet die vorbeijoggende Frau und sagt: "Das weiß ich nicht. Aber sie joggt." Nun wird der Unterschied zwischen Joggen und Flitzen erklärt, und die Joggerin versucht, flitzend Reißaus zu nehmen. Vielleicht würden in so einem Fall auch E-Schuhe helfen, mit denen man den Turbo einlegen kann.

© SZ vom 03.08.2020

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