Ortswappen Markt Schwaben hat das Rätsel um sein Wappen gelöst

Innerhalb von 350 Jahren hat sich das Markt Schwabener Wappen achtmal verändert.

(Foto: Heimatmuseum Markt Schwaben)

In 350 Jahren hat Markt Schwabens Wappenvogel einen gewaltigen Hals bekommen. Vielleicht, weil über ihn gerne spekuliert, aber selten geforscht wurde? Ein Hobbyhistoriker klärt jetzt auf.

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Markt Schwabens Falke hat über die Jahre einen immer längeren Hals bekommen. Vielleicht war der Wappenvogel genervt, weil sich niemand intensiv mit seiner Herkunft auseinandersetzte - wer würde da nicht einen Hals kriegen? Dabei mögen die Markt Schwabener ihren Vogel ja eigentlich. Nicht umsonst begrüßt einen der weiße Falke mit seinen weiten Flügeln gleich auf einem Schild hinter der Ortseinfahrt. In Markt Schwaben hat der Falke einem Fußballverein seinen Namen gegeben und einer lokalen Anzeigenzeitung. Und doch gibt es zwischen dem Ort und seinem Wappen diese eine große Unstimmigkeit.

Im Mittelalter war der Falke das Tier der Jagd, ein Symbol für Übersicht und Scharfsinn, Werte, die man sich auch im 21. Jahrhundert noch gerne auf die Fahnen schreibt. Dass ihr Falkenwappen uralt sein muss, das ist im Ort den meisten bekannt. Weil es verschiedene Überlieferungen gibt, wusste jedoch niemand so genau, wo das Markt Schwabener Falkenwappen eigentlich herkommt.

Bisher zumindest. Am Sonntag gab es jetzt neue Erkenntnisse in der immer gleichen Frage: Stammt das Falkensymbol überhaupt aus dem Landkreis Ebersberg? Oder haben sich die Markt Schwabener vor 750 Jahren im Nachbarlandkreis Rosenheim bedient, 70 Kilometer weiter südlich? Dort liegt, nahe Flintsbach am Inn, der Ort Falkenstein.

60 Gäste wollen wissen, was Otmar Langwadt über die Ursprünge des Markt Schwabener Ortswappens herausgefunden hat.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wie sehr diese Ungewissheit die Markt Schwabener umtreibt, zeigte der Andrang am Sonntagnachmittag in ihrem Heimatmuseum. Der Grund war der Referent: Hobbyhistoriker Otmar Langwadt, selbst Markt Schwabener, hat über Jahre in der Geschichte des Falken-Wappens herumgewühlt, nun präsentierte er sein Ergebnis. 60 Gäste, viele von ihnen langjährige Dorfbewohner, drängten sich bis in den Nebensaal, um zu erfahren, wo sie den Falken denn nun herhaben. Als Museumsleiter Bernd Romir auch für die letzten Gäste Bierbänke aufgestellt hatte, hörte das Gemurmel im Saal auf.

Otmar Langwadts Ergebnis war eindeutig: Der "weiße Falke auf schwarzem Dreiberg mit aufgehenden Flügeln auf einem roten Felde" stammt aus dem Heimatlandkreis der Markt Schwabener, aus Falkenberg bei Moosach, 20 Kilometer weiter südlich. "Es spricht alles dafür", so Langwadt.

Frühere Historiker behaupteten das Gegenteil

Dies herauszufinden war nicht ganz einfach. Aus vagen Aufzeichnungen mehrerer früher Historiker geht etwa hervor, dass Markt Schwabens Wappen nicht aus Falkenberg, sondern aus Falkenstein stammt. "Es erinnert schon stark an das Falkensteiner Wappen", so Langwadt. Dort ist ein gelber Vogel auf blauem Grund zu sehen, ähnlich geformt wie der Falke der Marktgemeinde. Viele Orte, etwa Neuburg bei Vagen (Rosenheim) oder Hartmannsberg bei Bad Endorf (Chiemgau) hätten ihr Wappen an das Falkensteiner angelehnt.

Und in Markt Schwaben? "Dagegen spricht, dass der Falke im Falkensteiner Wappen die Flügel angelegt hat", so Langwadt; also nicht ausgebreitet wie der Markt Schwabener. Gegen Falkenstein sprechen zudem die territorialen Verhältnisse. Stephan III., der damalige Herzog von Bayern, hätte sich an dem Wappen gar nicht bedienen dürfen. "Es lag nicht in seinem Einzugsbereich", so Langwadt.

Der Wappenbrief von 1409 dürfte also korrekt sein, danach ist Markt Schwabens Wappen nicht aus Rosenheim, sondern in Falkenberg bei Moosach entstanden, bei den dortigen Ministerialen. Langwadt hat neun Versionen des Markt Schwabener Wappens gefunden - die erste stammt von 1665, die letzte ist seit 1980 aktuell. Man sieht: Über die Jahre veränderte sich der Falke, "er hat einen Entenhals bekommen", so Langwadt. Dafür ist nun klar: Sehr wahrscheinlich war er Einheimischer.