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Landwirtschaft:Landwirte in Ebersberg sind vorsichtig optimistisch

Gerstenfeld bei Purfing

Die Getreideernte beginnt langsam, hier ein Gerstenfeld bei Purfing. Dafür wären aber ein paar trockene Tage hintereinander ideal.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Landwirte im Landkreis erwarten eine durchschnittliche Ernte. Nach der Trockenheit im Frühjahr kamen die Niederschläge gerade noch rechtzeitig.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Im März und April strahlte die Sonne ausdauernd, doch für die Landwirte im Landkreis schienen die Perspektiven düster: Wochenlang regnete es kaum einen Tropfen, Wiesen, Felder und Wälder lechzten nach Feuchtigkeit. Doch der Regen ist ja dann doch noch gekommen - "gerade noch rechtzeitig", sagt Franz Lenz, Kreisobmann des Bauernverbands. Deshalb rechnen die Landwirte in diesem Jahr doch mit einer immerhin durchschnittlichen Ernte.

"Es regnet immer wieder mal und ist nicht zu heiß", sagt Lenz, so mögen es die meisten Feldfrüchte. Das bestätigt auch Thomas Eberl, der zuständige Pflanzenbaufachmann im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg. Das Getreide sei, anders als in vielen Vorjahren, nicht aufgrund von Hitze und Trockenheit frühzeitig zur Notreife gelangt - was die Erträge in der Vergangenheit teils massiv gesenkt hatte. Ein wenig allerdings habe die Wintergerste durch die Trockenheit im April doch gelitten, richtig gut werden die Erträge daher seiner Prognose zufolge nicht ausfallen.

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, hier mit der Ernte loszulegen, dazu bräuchte es aber wenigstens eine Weile ein bisschen weniger Feuchtigkeit und eine stabile Wetterlage, wie Lenz erläutert. Die vielen, teils heftigen Gewitter machen auch den Landwirten Sorge, sagt Thomas Eberl, weshalb er nach wie vor mit seinen Prognosen sehr vorsichtig bleibt: "Mal schauen, ob der Blechmähdrescher als erstes kommt oder der von oben."

Recht gut entwickelt sich auf den meisten Flächen derzeit der Mais, er schießt momentan geradezu in die Höhe, wie Eberl erklärt: "Dem kann man richtig beim Wachsen zuschauen." 15 bis 20 Zentimeter am Tag sind da keine Ausnahme. Gerade im südlichen Landkreis spielt der Maisanbau nach wie vor neben dem Grünland eine wichtige Rolle, im Norden des Landkreises Ebersberg setzen die Landwirte stärker auf Ackerbau, hier werden Kartoffeln und auch Braugerste auf größeren Flächen angebaut, wie Eberl erläutert.

Bis zur Kartoffelernte dauert es zwar noch eine Weile, aber in manchen Teilen des Landkreises machen sich die Landwirte bereits Sorgen, wie diese Feldfrucht den doch recht feuchten Sommer überstehen wird. Gerade wenn das Grundwasser auch noch hoch stehe, werde es auf den Feldern zu feucht. Dann nehme das Wasser den Kartoffeln den Sauerstoff weg. "Man könnte sagen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht", sagt Eberl.

Einigermaßen zufrieden ist Martin Lechner bisher mit den Perspektiven für die Ernte. Der Straußdorfer Landwirt ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Land- und Forstwirtschaft der CSU und dadurch gut vernetzt mit seinen Kollegen. "Es dürfte eine ganz normale Ernte werden", sagt er. Auch das Grünland entwickle sich aufgrund der regelmäßigen Regenfälle bestens. Letztere haben allerdings die Heuernte - den ersten Grünlandschnitt - zur Herausforderung gemacht. Denn für die brauche man vier Tage schönes Wetter ohne Wasser - und so eine Wetterphase etwas gab es in diesem Sommer kaum einmal.

Lechner ist auch einer jener Landwirte im Landkreis, die sich trauen, mit neuen Feldfrüchten zu experimentieren - und rechnet in diesem Jahr auch hier mit einem Erfolg. Die Durchwachsene Silphie - eine Energiepflanze, die mit ihren knallgelben Blüten nicht nur viel hübscher ist als der Mais, sondern auch den Boden weniger belastet - entwickle sich sehr dicht und hoch, erzählt Lechner. Nach einigen Jahren, in denen die Silphie noch nicht den gewünschten Ertrag brachte, rechnet er in diesem Jahr mit einer guten Ernte.

Die Ernteprognosen im Landkreis ähneln denen für Bayern - oder jedenfalls Südbayern. Denn im Norden haben auch in diesem Sommer erneut die Niederschläge gefehlt - und Frostnächte im Mai brachten dort den Landwirten ebenfalls herbe Rückschläge.

© SZ vom 27.07.2020/aju
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