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Corona im Landkreis Ebersberg:Ab in die Vorratskammer

700 Dosen Astra Zeneca sind im Ebersberger Impfzentrum angekommen, dürfen aber vorerst nicht verwendet werden. Der Betrieb läuft deswegen nur schleppend weiter.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Eines ist immerhin positiv an der Misere: Der Impfstoff von Astra Zeneca lässt sich gut lagern, das Ebersberger Impfzentrum muss also die 700 Dosen, die es am Dienstag erhalten hat, nicht einfach wegwerfen. Verwendet werden darf das Vakzin nach dem vorläufigen Stopp vom Montag aber auch nicht - was die ohnehin schon komplizierte Impf-Planung im Landkreis Ebersberg weiter erschwert. Als "frustrierend" bezeichnete Brigitte Keller, die im Landratsamt federführend für das Corona-Krisenmanagement zuständig ist, bei einem Pressegespräch die Lage.

Denn von Verlässlichkeit beim Impfstoff-Nachschub kann generell nicht die Rede sein: Ob beispielsweise nächsten Dienstag - eigentlich ein Liefertermin - im Landkreis überhaupt Impfstoff ankommt und falls ja, welcher, das ist völlig unklar. Dennoch sei im Impfzentrum jeden Tag Betrieb, schließlich müssten ja auch die Zweitimpfungen fortgesetzt werden, erläutert Keller. Auch mit dem Aufbau der Außenstelle des Impfzentrums in Poing geht es weiter. Der Vertrag hierfür sei noch unterschrieben worden, bevor der Freistaat entschieden habe, dass die niedergelassenen Ärzte beim Impfen früher und stärker eingebunden werden sollen als ursprünglich geplant, so Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Dem Kreis sei zugesichert worden, dass die Kosten übernommen würden. In Betrieb gehen soll die Außenstelle Ende März. Die vom 22. März an geplanten Impfungen in den Pilotpraxen müssen hingegen entfallen. Die Aussetzung von Impfungen mit dem Vakzin von Astra Zeneca mache diesen Schritt unumgänglich, heißt es.

Eine Vollbremsung gibt es auch beim begonnenen Impfprogramm bei den Lehrkräften an den Grundschulen im Landkreis. Es musste wieder gestoppt werden, als gerade erst etwa ein Drittel der Pädagoginnen und Pädagogen geimpft waren, weil Anfang März das Vakzin von Astra Zeneca auch für Menschen über 65 zugelassen wurde - und damit für eine Personengruppe mit einer höheren Impfpriorität. Die Pädagoginnen und Pädagogen müssen also wieder anderen den Vortritt lassen - sofern die Impfungen mit Astra Zeneca überhaupt zeitnah wieder aufgenommen werden dürfen. Weiter gehen sollen hingegen die Impfungen der Menschen über 80, die nicht mehr mobil sind und das Vakzin daheim verabreicht bekommen. Noch 600 Senioren stehen auf der Liste, nach derzeitigem Stand werden sie den Impfstoff von Biontech erhalten.

Allerdings ist es laut Keller unmöglich, unter den insgesamt etwa 35 000 Impfwilligen, die sich im Landkreis Ebersberg über das bayerische Impfportal angemeldet haben, diejenigen zu identifizieren, die über 80 und bisher ungeimpft sind. Das Programm lasse keine Sortierung zu, beim Freistaat habe man deshalb nachgefragt, "aber wir haben weder eine Antwort noch eine Lösung erhalten". Wie wichtig Impfungen gerade in dieser Altersklasse sind, zeigt ein Blick in die Pflegeheime im Landkreis, wo alle Bewohner, die dies wollten, ihre Impfung bereits erhalten haben: Kein einziger Covid-19-Fall ist derzeit hier registriert. "Das ist sehr erfreulich", so der Landrat, ein großer Teil der Schwächsten sei also schon erfolgreich geschützt.

Wenn es schon mit dem Impfen momentan nicht so vorangeht wie erwartet, sollen immerhin mehr Testmöglichkeiten geschaffen werden. Geplant ist ein Schnelltestzentrum am Volksfestplatz in Ebersberg, die Zustimmung der Eigentümer liege bereits vor, heißt es aus dem Landratsamt. Sobald noch letzte Details zur Abrechnung geklärt seien, könne man das Projekt ausschreiben und innerhalb kürzester Zeit realisieren. Geöffnet wäre dieses Zentrum sieben Tage die Woche.

Getestet wird auch in Kitas und Schulen, dabei sind in der vergangenen Woche vor allem in Poing viele positive Befunde aufgetreten. Allein 56 von derzeit 156 Infizierten im Landkreis wohnen in der Wachstumsgemeinde. Das Gesundheitsamt prüfe und bewerte die Entwicklung der Infektionszahlen täglich. Besonderes Augenmerk liege auf der Einhaltung des Rahmenhygieneplans für Kindertagesstätten, heißt es - besondere Schritte, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, sieht man derzeit aber nicht als notwendig an. Insgesamt ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis weiter leicht angestiegen: Laut dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts lag der Wert am Dienstag bei 74,5.

© SZ vom 17.03.2021
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