Ausstellung zu Ehren Robin Pages Jung, kreativ, grenzenlos

Die Staatsmacht als fette Kröte: In der Gedächtnisausstellung für Robin Page werden auch Werke des chinesischen Malers Yongbo Zhao zu sehen sein.

(Foto: Peter Kees)

Am Freitag eröffnen ehemalige Kunststudenten eine Ausstellung in der Alten Brennerei Ebersberg. Sie erinnern damit an ihren Lehrer, den vor einem Jahr verstorbenen Fluxuskünstler Robin Page.

Von Peter Kees, Ebersberg

An den Wänden lehnen stapelweise Bilder. Thomas Hager sortiert sie gerade und überlegt, wie sie zu hängen sind. Hager war einst Meisterschüler beim britischen Konzept- und Fluxuskünstler Robin Page. Der hatte von 1981 bis 1998 eine Professur an der Münchner Kunstakademie, war Teilnehmer der documenta 5 und der 44. Biennale in Venedig.

Im Mai 2015 ist er 79-jährig gestorben. Sein Markenzeichen war sein blau gefärbter Vollbart, der ihm den Namen "Bluebeard" und damit eine eigene Künstleridentität gab: "forever young und unkaputtbar, grenzenlos kreativ", wie der Punker und Freund Mike "Spike" Froidl es formuliert. Die in den Sechzigerjahren entstandene "Fluxus"-Bewegung begriff das Leben als Kunst, parallel zur Hippie-Bewegung. Das Happening steht dabei im Zentrum. Alles begann in San Francisco mit Leuten wie John Cage, Wolf Vostell oder Nam Jun Paik.

Die Ausstellung ist "A Tribute to Bluebeard"

Anlässlich des ersten Todestages von Page hat Hager nun die Ausstellung "A Tribute to Bluebeard" mit ehemaligen Meisterschülern und Studenten des Künstlers organisiert, die am Freitag in der Galerie Alte Brennerei im Klosterbauhof eröffnet. 33 der insgesamt 72 Page-Studenten stellen dort aus. Darunter Arbeiten aus der ehemaligen Studentenzeit, aber auch Werke jüngeren Datums. Zum Beispiel werden zwei neue großformatige Ölbilder des aus China stammenden und in München lebenden Malers Yongbo Zhao zu sehen sein.

Auf einem der drei mal 1,8 Meter großen, barock anmutenden Gemälde, "Der Kreislauf des Lebens", ist eine riesenhafte Kröte zu sehen; neben ihrem Körper halb eingequetschte Menschlein mit verzerrten und verzweifelten Gesichtern. Die Konterfeis dieser chinesischen Volksfiguren sind allesamt Selbstporträts des Künstlers. Die Kröte mit verschlagener Visage ist Ausdruck einer fast unbeweglichen Macht, welche die Menschen wegzuschieben, der sie zu entkommen versuchen. Offensichtlich vergebens. Auf seinem zweiten Bild, "Keine Augen für die Schönheit", sind Flamingos mit nackten, menschlichen Hinterteilen abgebildet. Im Dickicht ihrer Beine ist eine Prügelei im Gange. Hier sind die Weltreligionen dargestellt, die miteinander kämpfen. Manchen Flamingos rinnen Tränen aus den Augen. Bemerkenswert ist auch die Stilistik dieser Gemälde, stellt sie doch eine Synthese aus klassisch europäischer und klassisch chinesischer Malerei dar.

Hängung nach dem Prinzip des geordneten Chaos

Noch sind nicht alle Kunstwerke in der Galerie eingetroffen. Eines ist indes schon klar: im Eingangsraum wird nach "Petersburger Hängung" vorgegangen, das bedeutet nach dem Prinzip des geordneten Chaos, sagt Hager. So war es auch bei den Jahresausstellungen der Klasse Page in der Akademie. "Page wollte, dass alle Studenten das zeigen, was sie wollen, anders als andere Professoren."

Da werden auch Werke von einem Mann mit dabei sein, den der Professor erst zum Kunststudium verführt hat: dem inzwischen verstorbenen Fitz Neise. Neise war eigentlich in der Hausdruckerei der Akademie tätig. Page hielt ihn jedoch für hoch begabt und überredete ihn zum Kunststudium. Neise hat aber nie ausgestellt. In der Ebersberger Schau werden seine Arbeiten für die Öffentlichkeit nun zum allerersten Mal zu sehen sein, zum Beispiel der Lappen, den er immer wieder durch den Walzendrucker geschoben hat. Mit dabei ist natürlich auch ein Bild von Page selbst. Das kommt allerdings erst kurz vor Ausstellungsbeginn nach Ebersberg.

Ein Dankeschön an den ehemaligen Lehrer

Beteiligte Künstler sind, neben den bereits erwähnten, Thomas Beecht, Martin "ART-UR" Brauner, Saba Bussmann, Paul Martin Cambeis, Tillmann Damrau, Manuel Gollek, Stefanie Graul, Steffen Haas, Joachim Hoffmann, Endy Hupperich, Robert Kessler, Horst Kirstein, Anja Verbeek von Loewis, René Nebas, Brigitte Ostertag, Daphne Plessner, Anja Priska, Sybille Rath, Ursula Rojas, Rodriguez, Dorothea Seror, Klaus Soppe, Andreas Stoll, Meisi Timm, Lenka Thomasova, Susanne Urban, Wonabc und Min'An Wu. Andere sind in Videoprojektion präsent.

Thomas Hager selbst versteht diese Schau als Hommage. "Es ist ein Dankeschön an meinen ehemaligen Lehrer."

Die Ausstellung "A Tribute to Bluebeard" mit Arbeiten der ehemaligen Studenten von Robin Page wird am Freitag, 29. April, um 19 Uhr in der Alten Brennerei in Ebersberg eröffnet. Dabei wird der Punkrocker Mike "Spike" Froidl, der 1987 den weißen Bart von Robin Page blau gefärbt und damit ein Künstlerkonzept kreiert hat, eine japanische Live-Kalligrafie-Performance, die "Bluebeard Edition", zeigen; dazu Filme von der "Tribute to Bluebeard-Ausstellung in Berlin 2015" und "Mit dem Kajak in Venedig Ostern 2016, eine Hommage zur Fluxus-Biennale 1990 in Venedig". Die Laudatio hält der Philosoph Peter Seyferth. Zur Finissage am 15. Mai um 17 Uhr - drei Tage nach Pages Todestag - wird der Künstler Steffen Haas seine "Mose-Show" genannte Comic-Bildergeschichten performen. Zudem wird, ganz in Page-Tradition, vor der Galerie ein Truthahn gegrillt.