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Kreis Ebersberg:Handwerksbetriebe finden immer schwieriger Nachfolger

Konjunktur

Ein Brenner und Maschinenführer, arbeitet mit dem autogenen Plasmaschneidgerät.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

In den nächsten zehn Jahren steht bei einem Drittel aller Betriebe im Landkreis Ebersberg ein Generationenwechsel an, der zum Problem werden könnte.

Von Anna Horst, Ebersberg

In Ebersberg steht in den nächsten fünf bis zehn Jahren bei ungefähr 30 Prozent aller 2400 eigenständigen Handwerksbetriebe ein Generationenwechsel an. Insgesamt seien es also gut 700 Firmen im Landkreis, die nach einem Nachfolger Ausschau halten müssten, so Christoph Molocher, Betriebsberater bei der Handwerkskammer. "Inzwischen geht es bestimmt bei 40 bis 50 Prozent aller meiner Beratungsfälle um das Thema Generationenwechsel", sagt er. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen, die einen Nachfolger suchen, aber auch Handwerker, die selbst gerne einen Betrieb übernehmen wollen.

Solche externen Bewerber würden zur Zeit sehr gebraucht, wie Molocher erklärt: "Das Problem ist, dass es heutzutage immer seltener Nachfolger aus der eigenen Familie gibt." Er schätzt, dass noch etwa die Hälfte der Firmen in der Familie bleibt. Die andere Hälfte werde entweder von Betriebsfremden übernommen oder an einen Mitarbeiter übergeben. In Ebersberg funktioniere die Betriebsübergabe zur Zeit noch vergleichsweise gut, so Molocher.

Zwei Bäckereien kennt er, bei denen die eigenen Kinder das Geschäft übernehmen wollen. "Das zu sehen, ist wirklich schön", sagt er. Neben Ausbildungsberufen für den Bau, wie Maurer, ist das Bäckerhandwerk nämlich besonders unbeliebt im Landkreis Ebersberg. Laut Molocher liegt das an der mangelnden Attraktivität der Berufe: "Als Bäcker muss man einfach früh aufstehen und hat harte Arbeitszeiten, das schreckt ab", erklärt er. Zwischen 28 und 30 Prozent der Ausbildungsplätze blieben dort unbesetzt. "In Zukunft werden wir aber sicher auch insgesamt ein größeres Problem bekommen."

Der Fachkräftemangel hat noch andere Gründe

Denn der Fachkräftemangel hat noch andere Gründe: Die Handwerker, die nun in den Ruhestand wechseln, gehören alle zur Generation der Baby-Boomer, geboren zwischen 1955 und 1969, und stellen die geburtenstärksten Jahrgänge des vorigen Jahrhunderts dar. Die aktuelle demografische Entwicklung, dass die seit Jahren immer weniger Kinder geboren werden, hat nun zur Folge, dass Nachwuchs auch im Handwerk fehlt. Unterstützt werden betroffene Betriebe in Ebersberg bei der Handwerkskammer unter anderem durch die Vermittlung von Fachkräften.

So gibt es beispielsweise eine Betriebsbörse, bei der man einen neuen Chef suchen und sich als solcher bewerben kann. "Manchmal hilft aber auch einfach der Zufall", sagt Molocher. Er erzählt von einem Kfz-Betrieb, der zuerst keinen Nachfolger gefunden hatte: "Der Mietvertrag war schon gekündigt und es war schon sicher, dass sie schließen müssen." Zufällig habe er sich zu der Zeit mit einem Freund unterhalten. "Der hat dann jemanden gekannt, der nicht nur den Betrieb übernehmen wollte, sondern auch noch ganz in der Nähe gewohnt hat." Das sei "schon ein besonderer Fall" gewesen, sagt Molocher.

Sei - wie damals - erst einmal ein geeigneter Nachfolger gefunden, klappe die Übergabe meist gut, so der erfahrene Betriebsberater. Probleme träten eher schon davor auf: "Als erstes helfen wir dabei, den finanziellen Wert der Firma festzustellen." Dabei könne es auch vorkommen, dass das Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht so schlecht dastehe, dass eine Übergabe keinen Sinn mache. Ein anderer Aspekt sind steuerliche Probleme bei der Übergabe, zum Beispiel, wenn der Betrieb auf dem eigenen Grund des scheidenden Chefs steht. "Da können wir aber natürlich auch nur Tipps geben, Entscheidungen sollte man bei dem Thema zusammen mit einem Steuerberater treffen", erklärt Molocher.

Die Übernahme hat so ihre Tücken

Doch auch bei einer Übergabe innerhalb der Familie läuft nicht immer alles reibungslos ab: Oftmals gebe es mehrere Kinder in der Familie, die alle ein Recht auf ihren Anteil an der Firma haben, sodass sich Betriebsleiter auch mit dem gültigen Erbrecht auseinandersetzen müssen. "Manchmal verträgt sich auch der alte Chef nicht mit der Schwiegertochter oder dem Schwiegersohn und traut ihm nicht so recht", erzählt Molocher.

In solchen Fällen rät er dazu, sich als neuer Chef mit den Eltern zu besprechen und in einem Ehevertrag festzuhalten, was nach einer Scheidung mit dem Betrieb geschieht. In jedem Fall solle man sich also frühzeitig Gedanken machen, wie der Generationenwechsel ablaufen könnte und sich nach einem Nachfolger umsehen. "Bis dann alles endgültig geklärt ist, dauert es noch ein bis zwei Jahre", weiß Molocher.

Findet sich trotz der Bemühungen kein Nachfolger, der den Betrieb übernehmen möchte, muss er schließen. Frustrierend ist das natürlich einerseits für die Besitzer, die nicht nur finanziell, sondern meist auch emotional sehr an den oft selbst gegründeten Unternehmen hängen. Aber auch die Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, neue Auszubildende und Lehrlinge bewerben sich gar nicht erst bei einem Betrieb ohne Zukunftsaussichten.

Die Beratungszeiten der Ebersberger Handwerkskammer sind immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr in der Kreishandwerkerschaft Ebersberg, Dr.-Wintrich-Straße 16. Termine können unter Telefon (08092) 20474 vereinbart werden.

© SZ vom 29.01.2019/koei
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