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Konzert:Ein bisschen wie im Wohnzimmer

KVE SiSoKo

Die Stücke von Alex Perez beginnen oft als langsame Balladen - um dann gehörig an Tempo aufzunehmen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Familiärer Singer-Songwriter-Abend zur Ausstellung der "Top Ten" in der Alten Brennerei

Von Manuel Kronenberg, Ebersberg

Kurz bevor es losgeht, ist sie immer noch etwas aufgeregt. Auch wenn Sandra Nonhoff vom Ebersberger Kunstverein selbst gar nicht auf der Bühne stehen wird - sie entscheidet, wer auftritt. Für den Singer-Songwriter-Abend im Rahmen der "Top Ten"-Ausstellung des Kunstvereins hat sie auch dieses Mal wieder die Musiker ausgesucht. Deswegen hofft sie natürlich besonders, dass genug Besucher kommen. In der Alten Brennerei ist kurz vor Beginn des Konzerts allerdings immer noch kaum jemand da.

Aber Nonhoff ist zuversichtlich. Sie kümmert sich seit vergangenem Jahr um die Singer-Songwriter-Konzerte für den Kunstverein; immer waren sie gut besucht. Für diesen Abend hat Nonhoff vier Interpreten organisiert. Mit dabei sind das Duo Saitenfeder, Alex Perez, Manuel Winhart und Antonio Oinotna. Winhart war auch schon bei einem Konzert im vergangenen Jahr mit dabei. Genauso wie Antonio Oinotna. Bei ihm wirke es immer so, erzählt Nonhoff, als greife er sich ganz spontan seine Gitarre und spiele einfach los.

Inzwischen hat sich die Alte Brennerei schon gut gefüllt, und Oinotna betritt als Erster die Bühne. Knapp dreißig Leute sitzen auf Bänken und Stühlen zwischen den Exponaten der "Top Ten"-Ausstellung, zwischen Zahnstochern und Holzskulpturen, Schaschlikspießen und abstrakten Gemälden. "Ihr seid ein schönes Publikum", sagt der Singer-Songwriter aus München zu den Anwesenden, die ihm gebannt zuhören. Sein Auftritt wirkt tatsächlich sehr spontan. Keine einstudierten Ansagen, kein Ablaufplan, nur eine Gitarre und seine Stimme. "Vielleicht hätte ich mir mal vorher überlegen sollen, was ich spiele", sagt er nach dem ersten Stück. "Jetzt fällt mir gerade nichts ein." Doch er überlegt nur kurz und spielt weiter. Genug Auswahl hat er ja, denn er schreibt seit neun Jahren eigene Lieder.

Das ist es auch, was Nonhoff so schätzt: die familiäre und gemütliche Atmosphäre bei den Konzerten mit Künstlern, die alle ihre eigene Musik schreiben. Auch Winhart aus Forstinning hat seine eigenen Songs mitgebracht. Er bringt mit seiner Halbakustikgitarre und etwas bluesigem Sound angenehme Abwechslung ins Programm. Bei Winharts Musik tritt der Gesang in den Hintergrund, um seinem virtuosen Gitarrenspiel mehr Platz einzuräumen.

Bei den Winharts liegt die Kreativität in der Familie - Manuels Schwester Rebecca Winhart ist eine der zehn Künstlerinnen und Künstler, für die das Publikum der Mitgliederausstellung des Kunstvereins abgestimmt haben. Nach dem Auftritt ihres Bruders stehen die Besucher auf, um sich ihre Werke und die der anderen neun Künstler in der Alten Brennerei anzusehen. Da sind Stein- und Holzskulpturen, Öl- und Aquarellgemälde mit abstrakten Motiven, aber auch Porträts und Bilder von Landschaften und Städten. Dann betritt Alex Perez die Bühne, auch er wieder nur mit Gitarre und seiner Stimme ausgestattet. Seine Lieder klingen wieder mehr wie typische Singer-Songwriter-Musik. Besonders an Perez' Gitarrenspiel und Gesang ist das oft schnelle Tempo. Ein ruhiger Song, der balladenhaft beginnt, steigert sich da schon mal hin zu einer druckvollen Uptempo-Nummer. Ein Stück hat er ausgerechnet Leuten wie sich selbst gewidmet - nämlich allen, die Musik machen. "Jeder, der Musiker kennt, weiß, dass sie immer glauben, die Geilsten zu sein", verkündet er mit einem Augenzwinkern und beginnt zu spielen. Es ist sein letzter Song, ein flottes Lied über eingebildete Künstler und die Selbstwertkrise, in die sie fallen, wenn sie jemanden treffen, der es besser kann als sie.

Das Duo Saitenfeder aus Freising und Fürstenfeldbruck rundet den Abend ab. Mit Cajon, Gitarre und deutschen Texten tragen die Liedermacherin Simone und der Musiker Andy zu dem abwechslungsreichen Programm bei. Am Ende des Konzerts zeigt sich Nonhoff sichtlich zufrieden. Es war ein gemütlicher Abend, auf den in diesem Jahr noch weitere folgen sollen - denn zu jeder der fünf Ausstellungen des Kunstvereins ist jedes Mal auch ein Konzert geplant.

© SZ vom 14.01.2019
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