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Kommentar:Privatzimmer statt Turnhalle

Asylbewerber sollten unter menschenwürdigeren Bedingungen untergebracht werden. Das liegt auch in der Hand aller Landkreisbewohner.

Nun ist es also zur "absoluten Notlösung" gekommen. Es gibt keine Wohnungen für die neuen Asylbewerber, deswegen sollen sie in der Turnhalle der Realschule Ebersberg untergebracht werden. Glücklich ist niemand mit der Lösung.

Menschen, die meist nicht nur eine lange Odyssee der Flucht erlebt haben, sondern auch ihre Familie verlassen und oft Gewalt erlebt haben, sollten unter menschenwürdigeren Bedingungen untergebracht werden - vor allem in einem Land, das es sich locker leisten kann. Der Fehler liegt aber nicht beim Landratsamt, sondern in den fehlenden Strukturen für Asylbewerber in Deutschland.

Asylbewerber sollen nur das allernotwendigste erhalten. Bayern drückt sich in seiner Asyldurchführungsverordnung sogar ziemlich unmissverständlich aus: die Unterbringung soll "die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern". Mit anderen Worten: Bitte bloß nichts unternehmen, damit die Flüchtlinge sich wohl fühlen könnten! Bevorzugt bringt der Freistaat die Asylbewerber in großen Sammelunterkünften unter, die meist eher an Lager denn an Wohnungen erinnern. Darüber hinaus fehlt es so ziemlich an allen staatlichen Strukturen, die den Flüchtlingen die Integration erleichtern könnten - und wenn die Sammelunterkünfte voll sind, eben auch an Wohnraum. Dann wird die Verantwortung an die Landkreise weitergegeben. Genau deswegen sind aber nun auch alle im Landkreis gefordert.

Es ist zu hoffen, dass das Landratsamt wirklich alles unternimmt, um weiterhin die bestmögliche Unterbringung zu finden und gut einzurichten. Darüber hinaus sollte sich jeder Einzelne Gedanken machen, ob er sich spontan bereit erklärt, in einem freien Zimmer bei sich zu Hause einen Flüchtling zu beherbergen - nicht einmal kostenlos, denn das Landratsamt zahlt die Miete. Damit ließe sich nicht nur die Notlösung der Turnhalle verhindern, sondern es wäre wohl auch die beste Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen. In der Hoffnung, dass - entgegen der bayerischen Verordnung - gerade die Unterbringung den Flüchtlingen die Integration erleichtert.