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Kirchseeon:Kritischer Blick von außen

Kirchseeon - Haus für Kinder

Lange hat es gedauert, bis das Haus für Kinder in Kirchseeon bezugsfertig war. Nun soll der holprige Bauprozess aufgearbeitet werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband soll untersuchen, was beim Kirchseeoner Kinderhaus alles falsch gelaufen ist

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Seit einigen Tagen geschehen in Kirchseeon Dinge, die der ein oder andere in der Marktgemeinde schon gar nicht mehr für möglich gehalten hat: Das neue Kinderhaus am Spannleitenberg hat tatsächlich seinen Betrieb aufgenommen. Nach Bauverzögerungen, explodierenden Kosten und weiteren Pannen sind die ersten Gruppen in die Einrichtung am östlichen Ortsausgang eingezogen - ein Happy End für das einstige Prestigeobjekt der Gemeinde ist das allerdings noch lange nicht. Wie der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend beschlossen hat, soll der Bayerische Kommunale Prüfungsverband das Millionenprojekt in einer Sonderuntersuchung unter die Lupe nehmen. Dadurch verspricht sich das Gremium nicht nur Transparenz, sondern vielleicht auch die ein oder andere finanzielle Rückerstattung.

Denn das "Haus für Kinder", wie das Gebäude offiziell heißt, kostet die Gemeinde nach wie vor Geld. Kürzlich erst sind die Aufträge für letzte Schlosserarbeiten vergeben worden und auch auf dem Schreibtisch des neuen Bürgermeisters Jan Paeplow (CSU) landen immer noch Verträge für kleinere Leistungen, die einer Unterschrift bedürfen. Einige davon ärgern offenbar den Rathauschef: "Bei manchen denke ich mir, das hätte man doch ahnen können, wenn man ein Haus für Kinder baut", sagte Paeplow ohne genauere Details nennen zu wollen. Die Aussage lässt aber durchblicken, dass trotz des Betriebs noch längst nicht alles reibungslos läuft.

Was in der Vergangenheit bereits nicht so recht geklappt hat, soll nun der Bayerische Kommunale Prüfungsverband herausfinden. Für etwa 18 000 Euro sollen Experten die planerischen Leistungen sowie die Projektsteuerung begutachten und die Ergebnisse der Gemeinde vorlegen. Diese sollen schließlich in aller Öffentlichkeit im Gemeinderat präsentiert werden. "Ich halte es für wichtig, dass wir eine Prüfung durch eine externe Stelle durchführen lassen", so Paeplow. Es gehe hier schließlich auch um Steuergelder - und gemessen an der Gesamtsumme des Projekts seien die Kosten für die Prüfung zu verschmerzen.

Das Gebäude selbst hat seit dem ersten Spatenstich im Jahr 2017 mehrere Millionen Euro verschlungen. Zunächst ging man in der Marktgemeinde noch von der Fertigstellung im Herbst 2018 aus, dieser Termin hat sich nun um knapp zwei Jahre verschoben - begleitet von einer fast schon beispiellosen Pannenserie. Noch vor Baubeginn hatte es einen Streit darüber gegeben, wie viel Personal für die Einrichtung überhaupt nötig sein wird. Als schließlich die Arbeiten in vollem Gang waren, hatten sich Anwohner über den nicht mehr vorhandenen Gehweg entlang der Bundesstraße beschwert. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Eröffnungstermin aufgrund von baulichen Problemen im Außenbereich bereits nach hinten verschoben.

Weiter ging es im März 2019, als bekannt wurde, dass das Gebäude den bisherigen Finanzrahmen deutlich überschreiten wird und nun rund sieben Millionen Euro kosten soll. Grund war die erhebliche Kontamination des Erdreichs, die beim Aushub festgestellt und bislang in den Berechnungen nicht berücksichtig worden war. In der Folge gab es immer wieder Streitigkeiten mit den beauftragten Baufirmen, die den ehemaligen Bürgermeister Udo Ockel (CSU) viele Nerven gekostet haben. Schließlich kam auch noch Pech dazu, denn im Herbst vergangenen Jahres sorgte ein Wasserschaden dafür, dass unter anderem der komplette Fußboden im Erdgeschoss wieder herausgerissen und neu verlegt werden musste - einhergehend mit weiteren Kosten und einer erneuten Bauverzögerung.

Die Sonderprüfung soll diese Geschehnisse nun aufarbeiten. Je nach Ergebnis könnte die Gemeinde dadurch sogar Entschädigungszahlungen bekommen, sollte sich herausstellen, dass planerische Fehler begangen worden sind. Für CSU-Gemeinderätin Barbara Burgmayr-Weigt ist es vor allem aber ein Signal an die Öffentlichkeit: "Eine Prüfung ist der Bevölkerung gegenüber nur gerecht."

© SZ vom 16.09.2020

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