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Landratswahl:Ein Job, vier Bewerber

Am 14. April entscheiden die Ebersberger darüber, wer Nachfolger von Landrat Gottlieb Fauth (CSU) werden soll. Das sind die Kandidaten.

Knapp 132.000 Einwohner hat der Landkreis Ebersberg derzeit, rund 95.000 von ihnen sind wahlberechtigt. Sie entscheiden am 14. April darüber, wer Nachfolger von Landrat Gottlieb Fauth (CSU) werden soll. Falls keiner der Bewerber eine absolute Mehrheit erhält, gibt es am 28. April eine Stichwahl. Die Chancen darauf stehen nicht schlecht, gibt es diesmal doch vier Bewerber. CSU, SPD, Grüne und Freie Wähler schicken je einen Kandidaten ins Rennen, die die SZ hier vorstellt. Wer die Kandidaten persönlich kennen lernen und im Gespräch erleben möchte, hat dazu am Dienstag, 2. April, Gelegenheit. Um 19.30 Uhr findet im Alten Kino Ebersberg ein SZ-Forum mit den Bewerbern um das höchste Amt im Landkreis statt.

Hat schon mal als Dachdecker gearbeitet: Robert Niedergesäß.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Zielstrebige - Robert Niedergesäß

Sich um eine Gemeinde kümmern, das war schon ein Kindheitstraum von Robert Niedergesäß. Allerdings nicht so wie es der 41-Jährige heute tut - als Bürgermeister von Vaterstetten - sondern eher in höherem Auftrag. "Ich wollte Pfarrer werden", so Niedergesäß. Dass es dazu dann nicht kam, darüber ist sicher nicht nur seine Partei glücklich, für die der diplomierte Volkswirt vor zwölf Jahren das Rathaus seines Heimatortes eroberte - auch die Hochzeit mit seiner Frau Alexa wäre für einen Hochwürden ausgefallen.

Kennen gelernt haben sich der damals frisch gewählte Bürgermeister und seine Frau ausgerechnet durch eine eigentlich unangenehme Sache. Im Frühsommer 2002 hatte Robert Niedergesäß mit einem hartnäckigen und vor allem so lautstarken Husten zu kämpfen, dass dies schließlich sogar seiner damaligen Nachbarin unangenehm auffiel. Nachdem Alexa Joseph den Verursacher der nächtlichen Husterei lokalisiert hatte, fand Niedergesäß eines Tages ein Fläschchen Hustensaft vor seiner Tür. Daran hing ein Zettel mit der Nachricht: "Damit ich wieder durchschlafen kann." Diese Fürsorge der bis dahin unbekannten Nachbarin hat den Bürgermeister neugierig gemacht, nach ordnungsgemäßer Anwendung des Inhaltes wurde die Flasche zurückgegeben, diesmal mit einer Rose - "aber keiner roten!" - versehen und einer Einladung zum Kennenlernen. Daraus wurde schnell mehr, wie sich Robert Niedergesäß heute noch gerne erinnert, bei einem Abendessen hätten sich die beiden sofort ineinander verliebt. Auch den Tag weiß Robert Niedergesäß noch genau, "der 26. Juli 2002", auf den Tag genau sieben Jahre später fand die Hochzeit statt. Robert und Alexa Niedergesäß haben zwei Kinder, 2004 kam Tochter Amelie zur Welt, vier Jahre später Sohn Nikolas.

Im Nachhinein sei es ein großer Vorteil gewesen, dass er seine Frau schon als Bürgermeister kennen gelernt hat, meint Robert Niedergesäß heute, "da wusste sie schon, wie meine Zeitbelegung ist." Denn die Arbeitszeiten als Gemeindeoberhaupt sind alles andere als familienfreundlich: Bis zu 14 Stunden pro Tag, dazu Termine am Wochenende, "manche fahren im Urlaub weg, ich nutze ihn oft, um bei der Familie zu Hause sein zu können." Also doch ein bisschen Hader mit der Berufswahl? Das sei nicht der Fall, "wichtig ist, dass einem das, was man macht, auch Spaß macht. Dann ist es keine Belastung sondern eine Bereicherung."

Das Bereichernde an seiner Arbeit findet Niedergesäß vor allem in der Unmittelbarkeit. Ein Kommunalpolitiker könne direkt sehen, was seine Arbeit bewirke, etwa wenn Projekte, die man angestoßen hat, verwirklicht werden, aber auch im Kontakt mit Bürgern, die Lob oder Kritik äußerten. Dass ihm diese direkte Beziehung zwischen Arbeit und Ergebnis wichtig ist, habe er schon als Teenager festgestellt. Im Alter von 16 Jahren wollte der junge Robert gerne auf einer Vespa durch die Gemeinde flitzen. Um das nötige Geld dafür aufzutreiben, verdingte er sich bei einem örtlichen Dachdecker. Sechs Wochen lang hat er seinen Heimatort von oben kennengelernt, "das war eine harte Arbeit, aber man hat immer gesehen, was man gemacht hat".

Dass dies auch in der Politik möglich ist, dass diese gar "ein Hobby" für ihn sein kann, das hat Niedergesäß kurz nach seinem Ausflug in die Dachdeckerbranche festgestellt: mit 17 trat er der CSU bei. "Eigentlich stamme ich aus einer unpolitischen Familie", so der Bürgermeister. Einer Partei hätte keiner seiner Eltern angehört, obwohl es in der Familie einige Berührungspunkte mit der Kommunalpolitik gab: Niedergesäß' Vater kandidierte 1984 für die Überparteiliche Wählergemeinschaft für den Gemeinderat, allerdings ohne Erfolg. Und Großvater Max Loidl war sogar ein Amtsvorgänger von Robert Niedergesäß. Anfang der 1950er Jahre war Max Loidl zwei Jahre lang Bürgermeister von Zorneding, zu dem damals noch Baldham gehörte, wo die Loidls ein Gasthaus und eine Bäckerei betrieben.

Robert Niedergesäß selbst ist politisch deutlich aktiver als sein Großvater, seine Karriere innerhalb und außerhalb der Partei verfolgte er mit großer Zielstrebigkeit. Drei Jahre nach seinem Eintritt in die CSU wurde er zum Ortsvorsitzenden der Jungen Union (JU) gewählt. Bei der Kommunalwahl 1996, als Niedergesäß zum ersten Mal für den Gemeinderat kandidierte, erzielte er das zweitbeste Ergebnis aller Kandidaten, was ihm den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der CSU einbrachte. Ein Jahr darauf wurde er JU-Kreisvorsitzender. Den Ausschlag dazu, sich in der Politik einzumischen, gaben Skandale, wie die Barschel-Affäre, erinnert sich Niedergesäß. Politikverdrossenheit war schon damals ein Thema, weshalb er sich entschloss "nicht zu schimpfen, sondern etwas zu tun." Dass er bei der CSU gelandet ist, sei aber nicht von Anfang an klar gewesen. "Eine konservative Vorprägung hatte ich zwar schon", aber letztendlich habe ihn die Politik der Unionsparteien überzeugt.

Im Jahr 2001 macht Robert Niedergesäß schließlich sein Hobby zum Beruf: Am 18. Februar - genau an seinem 30. Geburtstag - wurde er zum Bürgermeister seiner Gemeinde gewählt. Dieses Geburtstagsgeschenk war für den Wahlsieger eine echte Überraschung, sagt er heute. Denn noch ein halbes Jahr zuvor hatte seine Partei eine Umfrage bei einem Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegeben - das Ergebnis war alles andere als ermutigend. Nach der Befragung mehrerer hundert Vaterstettener kamen die Meinungsforscher gerade einmal auf 38 Prozent für den Herausforderer. Für Amtsinhaber Peter Dingler von der SPD hätten im Oktober 2000 dagegen ganze 57 Prozent der Gemeindebürger votiert. Sogar einige Parteifreunde hätten ihm daraufhin von der Kandidatur abgeraten, manche wollten lieber abwarten, bis Dingler aus Altersgründen nicht mehr kandidieren dürfte. "Darauf wollte ich aber nicht warten", so Niedergesäß - und der Erfolg gab ihm Recht: "Bei der Wahl hatten sich die Werte praktisch umgekehrt."