Jugend im Landkreis Ebersberg:Party und Partizipation

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Schon seit Frühjahr 2021 gibt es das Jugendkomitee in Ebersberg. Corona verhinderte lange Zeit viele Aktivitäten - nun wollen die jungen Leute aber durchstarten.

Von Hanna Hartmann, Ebersberg

Manchen wird bereits aufgefallen sein, dass im Landkreis Ebersberg an einigen Rathäusern und Schulen Regenbogenflaggen mit einem Peace-Zeichen oder einer Faust gehisst wurden. All diese Flaggen sollen ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung setzen. Aufgehängt haben die Flaggen Marla und Theresa aus dem Jugendkomitee Ebersberg. Mit diesen und anderen Aktionen will die Gruppe jetzt richtig durchstarten. Gegründet wurde das Komitee zwar schon vor gut einem Jahr, Corona machte aber auch hier viele Aktivitäten schwierig.

Jugend im Landkreis Ebersberg: Regenbogenflaggen hängen jetzt vor einigen Rathäusern im Landkreis. Aufgehängt haben sie Mitglieder des Jugendkomitees.

Regenbogenflaggen hängen jetzt vor einigen Rathäusern im Landkreis. Aufgehängt haben sie Mitglieder des Jugendkomitees.

(Foto: Hanna Hartmann/oh)

Doch nun haben sich die Jugendlichen aus Ebersberg und Umgebung einiges vorgenommen. Ein weiteres Projekt des Gremiums ist beispielsweise die "Partitour", die bereits einige Wochen vor den Ferien in der Mittelschule Vaterstetten gestartet ist. Es werde über Themen wie Feminismus, Nachhaltigkeit und Privilegien diskutiert, erzählen die Vertreter des Komitees. Ganz nach dem Motto "Party, Parti, Participation" sei das Jugendkomitee ständig auf der Suche nach Jugendlichen aus dem Landkreis Ebersberg zwischen zwölf und 23 Jahren, die etwas bewegen wollen.

Die Jugendlichen entscheiden selbst, welche Projekte sie fördern wollen

Auch Lebensläufe von Menschen, die es im Leben nicht ganz einfach haben, interessieren die Jugendlichen. Leonie und Hanna, beide 15 Jahre alt, haben bei einem Spieleabend im katholischen Pfarramt Kirchseeon bereits Gesprächspartner getroffen. Mit Hilfe einer Dolmetscherin interviewten sie vier Geflüchtete aus der Ukraine, drei Frauen zwischen 24 und 43 Jahren und einen neunjährigen Jungen. Ihre Interviews wollen sie demnächst veröffentlichen und weitere Gesprächspartner finden.

Das Gremium wird von Jugendlichen geleitet, die selbst entscheiden dürfen, welche Projekte gefördert werden. Von neuen Freizeitanlagen über ein neues Logo bis hin zu eben jenen Geschichten von sozial Benachteiligten ist alles dabei. Einziges Kriterium: Die Ausgaben dürfen insgesamt pro Jahr nicht über 10 000 Euro liegen. Die Möglichkeiten sind also vielfältig. Welche Projekte umgesetzt werden, wird gemeinsam entschieden. Im Komitee gibt es keine Hierarchien, jeder hat das gleiche Recht, gute Ideen einzubringen. Der Kreis besteht zum aktuellen Zeitpunkt aus 13 Mitwirkenden und zwei Erwachsenen vom Kreisjugendring, die bei der Organisation helfen.

Diversität leben, sich mit anderen austauschen - das erhoffen sich die jungen Leute

Clemens Scheerer und Julia Bissinger haben im April 2021 das Jugendkomitee ins Leben gerufen. Ziel ist es, junge Menschen zu politischer Teilhabe und gesellschaftlichem Engagement zu motivieren. Die Zukunft, so Scheerer, solle schließlich auch von der jüngeren Generation mitbestimmt werden, nicht ausschließlich von der älteren. Die Partnerschaft für Demokratie sieht in dem Jugendkomitee den Anfang eines institutionell verankerten Jugendbeteiligungsformats, das die Interessen der Ebersberger Jugend in den Gemeinden und im Kreis langfristig vertritt.

Sophia, 18 Jahre alt und Mitwirkende im Jugendkomitee, findet es nach eigenen Angaben wichtig, dass ganz verschiedene Meinungen und Interessen von Jugendlichen vertreten werden. Das Jugendkomitee solle unterschiedliche Projekte und Ideen von Jugendlichen des gesamten Landkreises fördern.

Für Theresa, 15 Jahre alt und ebenfalls Mitwirkende im Jugendkomitee, steht dieses für Demokratie, Mitbestimmung, Toleranz, Diversität und Veränderung. Sie sei damals dem Jugendkomitee beigetreten, um nachhaltig etwas im Landkreis zu bewirken und sich dabei mit anderen Jugendlichen auszutauschen. Dadurch möchte sie, wie sie erzählt, die Akzeptanz und Unterstützung verschiedener Gruppen und Organisationen guter Projekte für Gemeinschaft, Diversität und Aufklärung bewirken. Und was bedeutet das Jugendkomitee für sie selbst? "Für mich ist es ein Platz, um Diversität zu leben, sich mit anderen auszutauschen, neue Dinge zu lernen und etwas für die Gemeinschaft zu vollbringen", sagt sie.

Marla ist von Beginn an dabei und berichtet, dass das Jugendkomitee für mehr Sichtbarkeit von Ansichten der Jugendliche aus dem Landkreis steht. Außerdem stehe es fürs "laut sein und Mitbestimmung".

Für die Zukunft wünschen sich die Jugendlichen neue Mitwirkende, die mehr Diversität in das Komitee bringen, um weitere Projekte umzusetzen und die Jugend im Landkreis besser zu vertreten. Das Jugendkomitee Ebersberg ist nach wie vor auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Interessierte können die Homepage www.demokratie-ebe.de/jugendkomitee oder den Instagram-Account (Jugendkomitee_ebersberg) des Jugendkomitees besuchen.

Autorin Hanna Hartmann, 15, besucht die neunte Klasse des Gymnasiums Kirchseeon und arbeitet selbst im Jugendkomitee mit. Sie hat den Text im Rahmen ihres Praktikums bei der SZ Ebersberg verfasst.

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