Jubiläumsfeier Glockengeläut im Miniaturformat

Josef Karl hat die Kirche St. Ottilie in Möschenfeld als Modell mit jedem Detail nachgebaut, zur 1200 Jahrfeier ist sie nun im Bürgerhaus zu sehen.

(Foto: Claus Schunk)

Zum 1200. Geburtstag der ehemaligen Klosterkirche Möschenfeld präsentiert der Heimatkreis Harthausen eine Ausstellung mit einem Modell des Gotteshauses

Von Valérie Nowak, Grasbrunn

Josef Karl drückt auf einen kleinen grünen Knopf und schon läuten die Glocken der Ottilienkirche durch die Stube. Er hebt die lackierte Holzkuppel vom Dach, um im Kirchenschiff nach dem Rechten zu sehen: Da stehen Altar und Kirchenbänke - so hoch wie sein Daumennagel. Glockenklang und Kuppel gehören zu einem Modell, das der 65-jährige Mesner selbst gebaut hat. Im Maßstab 1:40 ist es das Herzstück der Ausstellung zum 1200-jährigen Bestehen von Möschenfeld, das am Wochenende vom Heimatkreis Harthausen im Bürgerhaus gefeiert wird.

Josef Karls blaue Augen leuchten, wenn er an seinem Modell arbeitet, prüfend klopft der Vorsitzende des Heimatkreises gegen eine Fensterscheibe, die mit gotischen Mustern verziert ist. "Als ich gemerkt habe, das kann ich mit Foliendruck machen, war mir klar: Die Inneneinrichtung mit Altar und Lichtern muss auch noch rein." Durch die Eingangstür des Modells geht der Blick bis zum beleuchteten Altar. In Karls grünem Trachtenhut steckt allzeit griffbereit ein Bleistift, für das Modell vermaß der Freund seiner Tochter die Kirche mit einem Laser. 100 Arbeitsstunden lang saß Karl seit Weihnachten an dem Projekt. Das Glockenläuten nahm er selbst auf, er fotografierte Türen und Uhren der ehemaligen Klosterkirche und druckte die Bilder auf Fotopapier. Sogar das verschlungene Dachkreuz bog er aus dünnem Draht nach. In Archiven suchte er weitere Details, um mit alten Berechnungen zur Vergoldung der Kuppe der Wirklichkeit so nah zu kommen wie nur möglich.

819 wurde Möschenfeld zum ersten Mal urkundlich erwähnt, um 1040 bekam das Kloster Ebersberg das Gebiet geschenkt. Um das genaue Baudatum der Kirche ranken sich Legenden: Geht es nach den Kirchenführern, ist der größte Teil um 1614 gebaut worden. Die Bundeswehruniversität in Neubiberg forschte intensiver, untersuchte verschiedene Teile des Dachstuhls, um das Holz anhand der Jahresringe zurückzudatieren. Ihr Ergebnis: Nicht 1614 sondern erst 1675 wurde der Dachstuhl gebaut. Das deckt sich mit dem Entstehungsdatum der Glocken, die 1667 und 1681 gegossen wurden. Die Forschungsmethode hält Karl für zuverlässig. Die Lederriemen, mit denen die Glocken der Kirche früher per Hand geläutet wurden, gibt es in der Ausstellung auch zu sehen: "Die große Glocke hat schon einen ganz schönen Zug, wenn man sich da dranhängt, dann zieht einen die schon rauf". Seit den Neunzigern erledigt das Läuten allerdings ein elektronisches Läutwerk.

Geprägt wurde Möschenfeld von der Bankiersfamilie von Finck; Wilhelm von Finck kaufte den Weiler 1901, und mit ihm kam der wirtschaftliche Aufschwung. Finck ist es auch zu verdanken, dass immer noch die Glocken aus der Bauzeit im 17. Jahrhundert läuten, weil er dafür gesorgt hatte, dass sie versteckt wurden, bevor sie im Zweiten Weltkrieg für Waffen eingeschmolzen werden konnten. "Die Glocken haben sie wohl im Wald verbuddelt und gesagt, die hätte schon jemand abgeholt, im Chaos damals", spekuliert Karl.

Die Ottilienkirche hatte ursprünglich auch einen Altar, der in Bildern das Leben der heiligen Ottilie zeigt. Er steht jetzt in der Sammlung des Nationalmuseums, die Möschenfelder müssen nach München fahren, um ihn zu sehen. Bis zu 4000 Menschen pilgerten früher an Hochfesten zur Klosterkirche. "Die Ottilie ist für die Augenkranken zuständig, heute gehen die Leute halt zu den Optikern", sagt Karl. Beliebt ist Möschenfeld nach wie vor bei Brautpaaren. Karls Vorgängerin im Mesneramt betreute in 50 Jahren 1200 Hochzeiten - die meisten Paare kommen von auswärts, in Möschenfeld wohnen nur etwa hundert Menschen. Von Samstag an wird das Modell der Kirche im Bürgerhaus zu sehen und zu hören sein.