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Hochzeiten:Landkreis Ebersberg: Das Zögern vor dem Ja-Wort

Brautmoden 'My Lovely'

Alin Kaupa vom Brautmodengeschäft "My Lovely Brautkleider" in Forstinning gibt ihren Kundinnen bis zu sieben Roben zur Anprobe mit. Falls gewünscht, berät sie die angehende Braut bei einer Videokonferenz während der Anprobe.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Corona bremst die Hochzeitsplanungen auch im Landkreis Ebersberg - schließlich ist unklar, ob ein rauschendes Fest in nächster Zeit möglich ist.

Von Aurelia Hennes, Ebersberg

Ein rauschendes Fest mit vielen Gästen, ausgiebig zusammen tafeln und trinken, tanzen bis zum Morgen - das alles ist in Zeiten einer Pandemie nur schwer vorstellbar. Vor allem lässt es sich momentan nicht planen: Ist so etwas in ein paar Wochen vielleicht wieder möglich, oder erst in Monaten oder nächstes Jahr? Viele Paare im Landkreis Ebersberg jedenfalls verschieben ihre Hochzeit lieber auf bessere Zeiten. Das zeigt sich deutlich an den Anmeldungen für standesamtlichen Trauungen, die im Landkreis deutlich gesunken sind: "Die Nachfrage nach Hochzeitsterminen ist momentan sehr verhalten", so Bianca Karbstein, Standesbeamtin aus Ebersberg. Bereits während des ersten Lockdowns mussten einige Trauungstermine verschoben oder gar abgesagt werden, erzählt sie.

Diese Situation schlägt sich allerdings nicht nur bei den aktuellen Anmeldungszahlen in den Standesämtern nieder, sondern vor allem auch bei den Dienstleistern, die normalerweise ihre Services für einen unvergesslichen Tag bereitstellen. Vor der Pandemie begleitete beispielsweise Simon Mellar, ein Hochzeitsfotograf aus Ebersberg, durchschnittlich zwölf Eheschließungen pro Jahr mit seiner Kamera. Im vergangenen Jahr waren es nur noch drei Trauungen. Für 2021 kann er zumindest doppelt so viele Aufträge verzeichnen, vor allem aber, weil ein Großteil der Hochzeiten vom Vorjahr verschoben werden musste. Neue Terminanfragen für diesen Frühjahr und Sommer sind bei ihm bislang nicht eingegangen. "Ungewöhnlich ist aber, dass ich bereits zwei Anfragen für 2022 erhalten habe", berichtet er weiter. Er glaubt daher, dass es in 2022 einen regelrechten Hochzeitsboom geben wird, vor allem, weil viele Paare sich spätestens dann Planungssicherheit erhoffen. Die Zeit, bis er wieder als Hochzeitsfotograf aktiv werden kann, überbrückt er währenddessen mit Porträt- und Produktfotografie. Auch in Zukunft will er auch diese Bereiche neben den Hochzeiten weiterhin bedienen: "Was ich aus der Pandemie mitgenommen habe ist, dass man sich nicht nur auf ein Standbein konzentrieren sollte."

Neben Trauungen versorgt Helmut Zährl, Küchenchef und Geschäftsführer von Bavaria Catering aus Zorneding, normalerweise auch Messen, Firmenevents und Partys mit kulinarischen Genüssen aus seinem Cateringservice: "Nicht nur für Hochzeiten, sondern auch generell bleiben die Aufträge aus." Zwar hatten ihn Anfragen für das Catering auf Hochzeitsfeiern in zwei Monaten erreicht, allerdings musste er diese mit Blick auf die unsichere Lage ablehnen. Besonders schmerzlich ist für ihn persönlich, dass er aufgrund der stornierten Aufträge 2020 seine bereits eingekauften und fest verplanten Lebensmittel gänzlich entsorgen musste. Für 2021 rechnet Zährl nicht mehr mit Aufträgen für Hochzeitsfeste

Der Ebersberger Fotograf Simon Mellar.

(Foto: privat)

Von verzweifelten Bräuten hingegen kann Helmut Ritzer, Inhaber des Brautmodengeschäfts "emelysoley.com Brautmoden" aus Markt Schwaben, berichten: "Die Frustration ist groß, manche Bräute brechen sogar in Tränen aus." Denn er kennt, wie er weiter erzählt, einige Paare, die teilweise ihre Trauung bereits drei- und sogar viermal verschieben mussten. Aber auch als Geschäftsinhaber bezeichnet Ritzer die aktuelle Lage als "alles andere als erfreulich".

Um den Brautkleidkauf trotz der widrigen Umstände möglich zu machen, hat sich die Besitzerin Alin Kaupa vom Brautmodengeschäft "My Lovely Brautkleider" in Forstinning während der Schließung des Einzelhandels eine Alternative zum Kauf vor Ort überlegt: Sie bietet einen "Try at home"-Service an, durch welchen die Bräute bis zu sieben zuvor online ausgewählte Brautkleider per Click & Collect zur Auswahl mit nach Hause nehmen können. Per Videokonferenz steht dann Alin Kaupa ihren Kundinnen, falls gewünscht, bei der Anprobe beratend zur Verfügung. Die größte Herausforderung sei es nach der Auswahl des Kleides dann, die Bestellzeiten von zwei bis zu vier Monaten einzuhalten, wie sie erzählt.

Da die Bestellungen für Brautkleider im Sommer so früh erfolgen müssen, stellen die Wintermonate für gewöhnlich die Hauptsaison in einem Brautmodenladen dar. Durch die Corona-Krise hat sich dies allerdings um einige Monate verschoben: "Jetzt geht es erst richtig los. Aber die Hersteller und wir sind darauf eingestellt." Mit ihrem Service hat Kaupa zwar für ihre Kundinnen und sich eine funktionierende Alternativlösung zu dem Brautkleidkauf vor Ort gefunden; mit dem Umsatz von einem normalen Jahr vor Corona ist es aber nicht vergleichbar. Dennoch ist sie optimistisch und weiß aus ihrer Erfahrung während der Lockdownphase: "Die Liebe stirbt nie aus! Die Bräute sind willig und wollen heiraten." Sie rechnet damit, dass sich in den kommenden Monaten die derzeitige Lage etwas entspannt und sowohl die Brautpaare als auch die Hochzeitsbranche wieder aufatmen dürfen: "Ich freue mich darauf, wenn es wieder richtig losgeht!"

Dem kann Anja Fischer, eine Hochzeitsplanerin aus Kirchseeon, zustimmen: Sie erhofft sich außerdem, dass in den Sommermonaten, ähnlich wie im vergangenen Jahr, zumindest wieder Hochzeiten mit einer Personenanzahl zwischen 80 und 100 Gästen möglich sein werden. Eine größer angelegte Feierlichkeit mit einer höheren Gästeanzahl darüber hinaus hält sie für unrealistisch. In den Planungen für eine Hochzeit im August lässt sie Vorsicht walten: Die grundsätzlichen Eckpfeiler einer Hochzeitsfeier wie die Örtlichkeit oder das Menü hat sie bereits koordiniert, allerdings stets mit dem Hintergedanken, dass es - je nach Infektionslage - wieder abgesagt werden könnte. Aus diesem Grund will sie sich nicht in kleineren Details wie zum Beispiel den Friseurtermin für die Brautfrisur verlieren, welcher jederzeit relativ kurzfristig ausgemacht werden könnte. Denn sollte es dazu kommen, dass die Feierlichkeit verschoben werden muss, soll der Aufwand, den Dienstleistern wieder abzusagen, möglichst gering gehalten werden. Den meisten Paaren ist allerdings dieses Risiko zu hoch, sie verschieben die Planungen für ihre Trauung auf das kommende Jahr. Andere wollen nicht mehr länger warten und müssen dann improvisieren: "Da werden dann teilweise die Familien durch eine Videokonferenz live hinzugeschaltet und können immerhin so daran teilnehmen."

Denn derzeit sind standesamtliche Trauungen zumindest unter der Einhaltung von gewissen Bestimmungen möglich. In den Standesämtern im Landkreis vermutet man, dass die Nachfrage nach Trauungsterminen im Frühjahr und Sommer in den nächsten Wochen - vermutlich mit Lockern der aktuellen Maßnahmen - etwas steigen wird. Somit besteht die Hoffnung, dass sich spätestens dann wieder mehr Ebersberger Paare das Ja-Wort geben werden.

© SZ vom 27.02.2021/aju
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