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Grafing:Youtube und Geld

Silvi Kühn, Youtube "Clever Money", Finanzen

Silvi Kühn, 14, wohnt in Grafing.

(Foto: Privat)

Die 14-Jährige Grafinger Gymnasiastin Silvi Kühn spricht in Erklärvideos über Finanzen

Interview von Johanna Feckl, Grafing

Vor wenigen Wochen hat Silvi Kühn das erste Video auf ihrem Youtube-Kanal "Clever Money" hochgeladen. Zu sehen ist die 14-Jährige, wie sie auf einem Drehstuhl sitzt und erklärt, was es mit dem Begriff "Festgeld" auf sich hat. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wenn man bedenkt, dass die Eltern der Gymnasiastin aus Grafing in der Finanzberatung arbeiten. Mit der SZ hat die Zehntklässlerin darüber gesprochen, warum Wissen über Einlagensicherung sinnvoller ist als Wissen über Schmink-Techniken.

SZ: Silvi, die meisten Mädchen in deinem Alter mit einem Youtube-Kanal erklären, wie Schminken funktioniert und mit welcher Make-up-Technik das beste Ergebnis zu erreichen ist. Du aber erklärst, wie die Finanzwelt funktioniert und in welchen Ländern das angelegte Geld am sichersten ist. Bei wem ist jetzt da etwas schiefgelaufen?

Silvi Kühn: Ach, ich dachte mir, wenn ich einen Videokanal mache, dann soll es einer sein, bei dem die Leute wirklich etwas lernen können. Klar, man kann ja auch bei Schminkvideos etwas lernen, aber davon gibt es ja schon so viele und es interessiert mich auch nicht so sehr. Ich wollte einen Kanal mit Infos machen, mit denen man auch später im Leben etwas anfangen kann. Und die Finanzwelt ist ja schon ein wichtiges Thema für das Leben.

Wie die Finanzwelt funktioniert, ist ja jetzt nicht unbedingt ein Thema, worüber man in der Schule viel lernt.

Im Wirtschaftsunterricht habe ich dazu schon so einiges gelernt. Aber dann doch nicht so viel oder so genau, sodass ich Dinge richtig anwenden kann. Das meiste, was ich über Finanzen weiß, habe ich dann doch eher von meinen Eltern gelernt.

War der Wunsch nach mehr praktischem Wirtschaftswissen also der Grund, deinen Youtube-Kanal ins Leben zu rufen?

Die erste Idee dazu kam im letzten Schuljahr auf. Wir hatten von der Schule aus einen "sozialen Tag", da war ich in der Firma meiner Eltern. Da sind wir gemeinsam auf die Idee gekommen, dass wir etwas im Social-Media-Bereich machen könnten, um mehr junge Leute für das Thema Finanzen zu begeistern. Der Plan ist dann aber im Laufe des Jahres etwas untergegangen. Aber durch Corona hatte ich ja jetzt einige Wochen keinen Unterricht in der Schule und etwas mehr Zeit, also haben wir uns wieder dran gesetzt.

Mittlerweile öffnen die Schulen wieder schrittweise. Bedeutet das nun, dass du keine Zeit mehr für weitere Finanz-Videos hast?

Nein, ein Video pro Woche wird auf jeden Fall kommen. Es wird vielleicht auch mal mehr geben oder ich produziere etwas vor - also es läuft alles erst einmal so weiter.

Bislang hast du Dinge wie Festgeld, Inflation und Einlagensicherung erklärt. Wie entscheidest du, zu welchem Thema du ein Video machen möchtest?

Ich überlege mir die Themen gemeinsam mit meiner Mutter. In den ersten Videos wollen wir erst einmal die Basics erklären. Da lese ich dann erst einmal in einem Fachbuch und schaue nach Dingen, die mich selbst interessieren und bei denen ich denke, dass darüber vielleicht auch andere noch nicht so viel wissen.

Wie bereitest du dich auf ein Video vor - schreibst du zum Beispiel vor der Aufnahme ein Skript?

Den Großteil der Arbeit rund um die Videos mache ich selber. Nachdem ich mich für ein Thema entschieden habe, schreibe ich mir eine Zusammenfassung. Dann setze ich mich mit meiner Mutter zusammen und wir gehen das durch. Sie gibt mir Tipps, ob sie vielleicht noch etwas hinzufügen würde. Und nach dem Überarbeiten geht es dann eh schon ans Filmen.

In deinen Videos wirkt es gar nicht so, als ob du von einem vorgeschriebenen Skript ablesen würdest.

Das tue ich auch nicht, ich spreche das alles frei. Ich nehme das Video auf und lerne das Skript sozusagen mit jedem Take mehr und mehr auswendig, ich lese das nicht ab. Vielleicht ist dann auch mal ein kleiner Versprecher dabei, aber ich finde, das macht nichts. Das fertige Video lade ich dann selbst hoch.

Bislang hast du fünf Kurzfilme auf deinem Kanal, eines davon ist ein Outtake-Video: Hinter einem Zwei-Minuten-Clip steckt normalerweise viel Arbeit. Wie viele Takes braucht du denn, bis du mit einem zufrieden bist?

Das ist schon recht unterschiedlich, aber ich glaube, dass ich besser darin werde. Bisher brauche ich eine Stunde oder eineinhalb, bis ich einen Take habe, mit dem ich zufrieden bin - ein bisschen hängt das natürlich auch von der Länge des Videos ab.

Der Videokanal der Grafingerin Silvi Kühn heißt "Clever Money" und ist auf der Plattform Youtube zu finden.

© SZ vom 06.06.2020
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