Bildung:Nachhaltig unterwegs

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Sepp Biesenberger bietet am Freitag in Grafing eine etwas andere Stadtführung.

Von Vera Koschinski, Grafing

Mülltrennung, Papiertüten, Bio-Eier: Das klingt in den Ohren umweltbewusster Menschen mittlerweile fast wie abgegriffene Phrasen, die keinen Fortschritt in ein nachhaltigeres Leben ankündigen, sondern als allseits bekannter Standard gelten. Das findet auch Sepp Biesenberger aus Grafing. Seit mehreren Jahrzehnten interessiert und engagiert er sich für den Umweltschutz und ist dabei vor allem für seine Kommune Grafing aktiv. Am Freitag lädt er erstmals zu einer "Nachhaltigen Stadtführung" ein. Dabei stellt er den Bewohnern der Stadt Grafing und des Landkreises Ebersberg eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Gestaltung eines umweltbewussteren Lebens vor, die über den Plastiktütenverzicht weit hinausreichen.

Bildung: Sepp Biesenberger will einmal andere Seiten von Grafing bei einer Stadtführung zeigen.

Sepp Biesenberger will einmal andere Seiten von Grafing bei einer Stadtführung zeigen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Starten soll die Stadtführung um 15 Uhr am Hans-Eham-Platz in Grafing. Verschiedene Orte, an denen bereits ein Beitrag zu einer klimafreundlichen Entwicklung geleistet wird, werden die Besucher kennenlernen. "Wir wollen nicht nur fordern und kritisieren, sondern auch motivieren", erläutert Biesenberger, der sich in Grafing auch für die Grünen im Stadtrat engagiert. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Umwelt und informiert unter anderem in Volkshochschulkursen die Teilnehmenden über die Energie- und Mobilitätswende. Die Idee zur "Nachhaltigen Stadtführung" ist die Umsetzung einer der 32 Forderungen, die 2019 von der Bewegung "Fridays for Future" an die Stadt Grafing gestellt wurden.

Biesenberger erzählt, dass er sich vor allem durch die Nuklearkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima der Dinglichkeit des Umweltschutzes bewusst geworden ist. Damals habe seine Tochter ihm die Frage gestellt, ob der radioaktive Niederschlag auch für die Region, ihr Zuhause, gefährlich werden könne. Das "Ja", mit dem er diese Frage habe beantworten müssen, habe in ihm das Bewusstsein über die Problematik des umweltfeindlichen Ressourcenverbrauches geweckt. Seitdem habe er sich für den Wandel Grafings zu einer grünen, mit nachhaltiger Energie versorgten Stadt engagiert. Ziel sei es, dass Grafing bis zum Jahr 2030 ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt werden könne.

Drei Punkte, an denen sich die Akteure der Stadt zur Erreichung dieses Ziels orientieren können, möchte Sepp Biesenberger während seiner Stadtführung vorstellen: Sparen laute der erste Lösungsweg, der zu einem ressourcenschonenden Verbrauch führe. Von Recycling über Reuse bis hin zu Repair bieten sich den Bewohnern verschiedene Methoden, um ihren Güter- und damit auch ihren Energieverbrauch zu reduzieren. Beispielsweise sei der Onlinehandel "nebenan.de", über den Güter lokal verschenkt und weitergenutzt werden, eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Auch verschiedene Flohmarktangebote wie der Nacht- oder der Bücherflohmarkt tragen dazu bei.

Eine weiterer Punkt sei die Energieeffizienz. Hier appelliere er an die Verbraucher, bei der Anschaffung neuer Geräte den Energieverbrauch und die Langlebigkeit eines Geräts zu berücksichtigen. Damit spare man nicht nur Energie, sondern auch Geld ein. Durch den Kauf leichterer, kleiner Elektroautos, die nicht bloß eine einzelne Personen transportieren, könne Energie effizienter genutzt werden, nennt Biesenberger ein Beispiel. Bei der Stadtführung werden den Besuchern auch Mitfahrbänke vorgestellt, von denen aus sie zum Zielort von vorbeifahrenden Autofahrern mitgenommen werden oder selbst eine Mitfahrgelegenheit anbieten können.

Der letzte Punkt, für den sich Sepp Biesenberger auch politisch aktiv einsetzt, ist die Energiewende. Unter anderem das zehn Kilometer lange Fernwärmenetz, das als vorletzte Station des Stadtrundgangs aufgesucht werden soll, leistet dazu seinen Beitrag. 100 Prozent der dort erzeugten Energie sei erneuerbar.

Abschließen möchte Sepp Biesenberger den Stadtrundgang in der Glonner Straße, wo die Besucher in "Ellis Café" eine Auswahl hausgemachter Kuchen erwarten wird. Denn auch das Handwerk sei ein energiefreundlicher Herstellungsprozess, zu dem man, wie Biesenberger findet, im globalisierten Zeitalter den Bezug verloren habe.

Die Stadtführung am Freitag, 7. Oktober, wird von der VHS in Grafing organisiert und dauert von 15 bis 18 Uhr. Start ist am Korn-Biomarkt in der Schwarzbäckstraße. Nähere Informationen unter www.vhs-grafing.de.

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