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Grafing/Ebersberg:Internet vom Kirchturm

In Grafing wird der erste Freifunkknoten in Betrieb genommen, in Ebersberg ist das Netz deutlich gewachsen

Von Barbara Mooser, Grafing/Ebersberg

Dass es mit der Verbreitung der guten Nachricht nicht klappen könnte, da hat Thomas Schmidt-Behounek keine Sorge: "Ich habe es einem der Flüchtlinge erzählt - nach einer Woche wissen es alle", sagt er und lacht. Auch in Grafing gibt es jetzt einen Freifunkknoten, der jedermann eine kostenlose Internetverbindung ermöglicht. Der Knoten in Grafing wurde an besonders prominenter Stelle installiert: am Glockenturm der evangelischen Auferstehungskirche. Der Wunsch nach einem Internetangebot für alle sei von Elisabeth Kajnath, die hier die Flüchtlingshilfe koordiniert, ausgegangen, berichtet Schmidt-Behounek.

Denn das freie Wlan wird besonders gern von Asylbewerbern genutzt, die meist nur auf diese Weise Kontakt mit ihrer Heimat, mit Freunden und Bekannten halten können - die über das Netz aber auch Musik hören oder sich auf andere Weise ablenken. In Grafing hat die Kirche die notwendigen Elektroanschlüsse und Netzwerkverbindungen gelegt, ein Grafinger, der in der Nachbarschaft wohnt, stellt seinen Internetanschluss zur Verfügung.

Die Freifunk-Initiative will möglichst vielen Menschen Zugang zum Internet

Das ist schließlich die Idee von Freifunk: sein Internet mit anderen zu teilen und so möglichst vielen Menschen Zugang zu ermöglichen. Die Daten laufen dabei entweder über das Ausland oder einen anerkannten Provider. Auf diese Weise kann die in Deutschland geltende Störerhaftung, die festlegt, dass der Betreiber eines Zugangspunktes für Straftaten haftbar gemacht werden kann, umgangen werden.

In Ebersberg haben Thomas Schmidt-Behounek, der im Asyl-Helferkreis tätig ist, und seine Mitstreiter nun damit begonnen, Freifunk in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung zu stellen. Nicht immer ist das einfach: Beim Containerdorf an der Münchner Straße etwa merkte man schnell, dass die Metallcontainer die Funkwellen schlecht durchlassen. Gut funktioniert hingegen der Funkknoten am ehemaligen Gasthaus Seerose, auch hier hat ein Anwohner sein Internet zur Verfügung gestellt.

Auch in Steinhöring wird inzwischen frei gefunkt

In Steinhöring ist Freifunk ebenfalls angekommen, hier hat der Wirt der Sportgaststätte "Abseits" den Knoten für seine Gäste eingerichtet. Auch das allererste Treffen der Freifunkfreunde im Landkreis fand am Wochenende folgerichtig hier statt. Besprochen wurden dabei die Pläne für die kommenden Monate: Unter anderem hoffen die Freifunker, die geplanten Traglufthallen für Flüchtlinge in Pliening und Grub über Freifunk mit Internetzugängen zu versorgen. Hierfür wollen sich die Verantwortlichen mit dem Landratsamt kurzschließen.

© SZ vom 02.02.2016
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