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Gemeinderat Markt Schwaben:Verschobene Sitzung

Zwist wegen neuer Terminierung in Markt Schwaben

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Der Kommunalpolitiker Andrä le Coutre zählt verlässlich zu den besonnensten seiner Art. Im Markt Schwabener Gemeinderat gilt er als nüchterner Analytiker der grünen Fraktion. Le Coutre scheut die emotionale Rede, er spielt in der Champions-League der sachlichen Argumentation. Am Dienstagabend, es lief schon die Schlussphase, da war die Stunde gekommen, in der le Coutre für einen Moment von seinem Kurs abweichen sollte. Grund dafür war, dass in Markt Schwaben an altbewährten Eckpfeilern gesägt wird. Eine davon ist der Termin der Markt Schwabener Gemeinderatssitzung: Dienstagabend. So war es in den vergangenen sechs Jahren. Unter dem neuen Bürgermeister Michael Stolze wurde nun beschlossen, dass der Dienstagstermin in Markt Schwaben Geschichte ist.

Gemeinderatsitzung ist in Markt Schwaben künftig am Donnerstagabend. So steht es in der neuen Geschäftsordnung, die eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats unlängst erarbeitet hat. Und die bei der Sitzung am Dienstagabend - noch gilt ja die alte Geschäftsordnung - vorgestellt wurde. Im Markt Schwabener Unterbräu, dem Abstands-tauglichen Ausweichquartier, bestand grundsätzliche Übereinstimmung mit der modifizierten Fassung der Geschäftsordnung. Beim Thema Sitzungstermine aber wurde es kontrovers.

Andrä le Coutre, der in seinem Grünen-Fraktionskollegen Joachim Weikel einen Mitstreiter fand, lieferte sich ein kurzes aber schneidiges Wortgefecht mit Wolfgang Korda von der Fraktion Zukunft Markt Schwaben (ZMS). Le Coutre kritisierte den mehrheitlichen - aber nicht einstimmigen - Beschluss der Arbeitsgruppe. In der Argumentation der Gegner dieser Änderung hieß es, dass der Donnerstag sich nicht eigne, da nach dem vierten Wochenwerktag die Energieleistung der Mitglieder niedriger eingeschätzt werde als nach nur zwei Werktagen.

ZMS-Mann Korda konterte. Seiner Ansicht nach müsse das Gremium mehr Rücksicht auf berufstätige Mitglieder nehmen, die unter der Woche auf Dienstreise unterwegs sind - und es eher einrichten können, bis Donnerstagabend zurück zu sein, statt bis Dienstag. Ob er damit sich selbst meinte, führte er nicht aus. Le Coutre sprach nun in für ihn ungewöhnlich barschem Ton ein Machtwort. Er stellte den Antrag an die Geschäftsordnung, den Beschluss der Arbeitsgruppe auszusetzen und vom Gemeinderat neu abstimmen zu lassen.

Das folgende Votum machte deutlich, wie uneins sich das neue Markt Schwabener Gremium in der Terminfrage ist. Von den 23 anwesenden Gemeinderäten (zwei fehlten) stimmten elf für le Coutres Antrag und zwölf dagegen. Es hätte knapper nicht ausgehen können - doch so war verhindert, dass der Donnerstag als Termin vom ganzen Gremium hätte verhindert werden können. Le Coutre und Weikel fanden sich mit dem Votum ab. So mancher Markt Schwabener Gemeinderat muss nun seinen Terminkalender überarbeiten.

Im Nachteil ist, wer sich nun zwischen Markt Schwabens Gemeinderat und Besuchen in anderen Donnerstagsgremien wie etwa in Zorneding oder Poing entscheiden muss - wobei sich die Sitzungswochen bisweilen unterscheiden. Klar im Vorteil ist, wer bisher einmal im Monat zwischen einem Besuch im Forstinninger oder Markt Schwabens Gemeinderat entscheiden musste. Deren Sitzungen fanden bisher fast immer zeitgleich statt. Den vielleicht größten Vorteil hat, wer nicht nur gerne 23 Gemeinderäten beim Tagen zusieht, sondern 22 Fußballern beim Kicken. Dienstagabend ist nämlich in der neuen Saison wieder für Champions-League-Spiele reserviert.

© SZ vom 23.07.2020

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