bedeckt München

Gastronomie im Kreis Ebersberg:"Das ist eine sehr prekäre Lage"

Purfing Gaststätte Haberer - in der Corona-Krise

Auch in den Gasthäusern im Landkreis Ebersberg sind die Stühle seit mehr als zwei Monaten hochgestellt. Die Wirte klagen über eine fehlende Perspektive und wünschen sich klare Ansagen der Politiker.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit mehr als zwei Monaten sind auch die Gaststätten im Landkreis Ebersberg wieder geschlossen - ein Zustand, der sich so schnell nicht ändern wird. Vor allem diese Perspektivlosigkeit macht den Wirten zu schaffen

Von Andreas Junkmann

Dass die Videobotschaft schon etwas älter ist, merkt man unter anderem daran, dass die Bäume im Biergarten noch herbstlich gelbbraune Blätter tragen und von Schnee weit und breit nichts zu sehen ist. Aber auch der Inhalt des kurzen Clips gibt ein wenig darüber Aufschluss, wann Maximilian Mack diesen aufgenommen hat: "Wir hoffen natürlich, dass wir Euch in vier Wochen wieder unter einigermaßen normalen Bedingungen begrüßen dürfen", sagt der Chef des Gasthauses Purfinger Haberer bei Vaterstetten. Diese Hoffnung hat sich mit den Corona-bedingten Lockdown-Verlängerungen im Dezember und nun bis vorerst Ende Januar zerschlagen. Die Wirte im Landkreis Ebersberg blicken deshalb einmal mehr in eine ungewisse Zukunft.

Am Abend vor Allerheiligen waren in den Gaststätten zum letzten Mal die Tische besetzt, seither sind die Betriebe bundesweit geschlossen. "Es ist eine ganz blöde Situation", sagt deshalb Ludwig Obermaier, Wirt der Ebersberger Alm. Wie alle anderen Gaststätten, ist auch das Wirtshaus in der Kreisstadt seit November dicht - und die regelmäßigen Lockdown-Verlängerungen zehren an den Nerven. Man frage sich, wo das hinführt, wo das Ziel ist, sagt Obermaier. "Aber was soll man machen?" Etwas, das Obermaier wie viele andere seiner Kollegen im Landkreis getan hat, ist, einen Abholservice für Speisen einzurichten. Seit etwas mehr als zwei Monaten gibt es dieses Angebot nun in der Ebersberger Alm, doch den eigentlichen Wirtshaus-Betrieb kann das To-Go-Geschäft selbstverständlich nicht ersetzen. Obermaier formuliert es so: "Das ist eher dafür gut, um weiterhin präsent zu sein." Lukrativ hingegen sei der Abholservice nicht, "sonst hätten wir ja all die Jahre davor was falsch gemacht", sagt der Ebersberger Wirt.

Was auch Ludwig Obermaier beschäftigt, ist der ungewisse Blick in die Zukunft - und damit die Sorge um die eigene Existenz. "Wie lange mach ich noch und ab wann mag ich nicht mehr?" Diese Frage, so der Chef der Ebersberger Alm, würden sich in diesen Tagen gerade viele Wirte stellen. Der Lockdown trifft allerdings nicht nur die Wirte selbst hart, sondern auch alle anderen Personen, die von der Gastronomie leben. Darauf weist Korbinian Kugler hin, Inhaber und Koch der Ebersberger Kugler Alm. "Das ist schon eine sehr prekäre Lage", sagt er mit Blick auf Kellner, Köche und Studenten, die für ihren Lebensunterhalt von der Gastronomie abhängig sind. Diese Leute, so Kugler, dürfe man nicht vergessen, wenn man über die Wirte rede.

Das tut auch Maximilian Mack in seiner Videobotschaft nicht, der explizit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz im Corona-Jahr 2020 dankt. Nicht immer einfach sei es gewesen, bei 35 Grad mit Maske in der Küche zu stehen und die Gäste andauernd auf die Hygieneregeln hinzuweisen. Dennoch würden viele Gastronomen Absperrbänder, Desinfektionsmittel und Registrierlisten in der jetzigen Situation wohl liebend gerne in Kauf nehmen. Zur aktuellen Lage seines Betriebs will sich Mack wegen eines Trauerfalls in der Familie derzeit nicht äußern, dafür tut das Korbinian Kugler, der als stellvertretender Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands auch einen gewissen Überblick über die gesamte Branche hat - und der geht es im Moment schlechter denn je.

Vor allem die Perspektivlosigkeit mache ihm und seinen Kollegen zu schaffen, so Kugler. "Wir waren die ersten, die zusperren mussten, und werden die letzten sein, die wieder aufsperren dürfen." Wann das der Fall sein wird, darüber wagt der Kugler-Alm-Chef keine Prognose. In Kollegenkreisen gehe man aber davon aus, dass auch im Februar noch nicht mit einer Öffnung der Gaststätten zu rechnen sei. Die Hoffnung ruhe auf dem Frühling und den dann steigenden Temperaturen, wenn auch Außengastronomie wieder möglich sei. Doch selbst dann wird es der Branche Kugler zufolge nicht sofort wieder besser gehen. "Wegen der Hygieneregeln werden viele Betriebe ihre Tische ja nicht gleich wieder so besetzen können, dass es für sie rentabel ist." Selbst eine Wiedereröffnung unter Auflagen würde die Gastronomen stark einschränken.

Korbinian Kugler will damit aber keinesfalls die Corona-Schutzkonzepte in Frage stellen, im Gegenteil: "Ich verstehe natürlich die Lage. Man hätte im November sogar deutlich härter durchgreifen können", sagt der Chef der Kugler Alm. Die Schließung der Gastronomie habe allerdings eher dazu geführt, private Treffen anzufeuern. "Die Leute sollen sich doch lieber öffentlich treffen", sagt Kugler. Die Möglichkeiten dafür hätten die Gastronomen durch ausgefeilte Schutzkonzepte jedenfalls geschaffen. "Die Wirte haben alles dafür getan, und auch die Gäste haben sich wohlgefühlt." In der Kugler Alm hat man sich ebenfalls ein Hygienekonzept überlegt und ist auch mehrfach von Mitarbeitern des Ebersberger Landratsamtes kontrolliert worden. "Da gab es immer positives Feedback", so Kugler. Umso mehr schmerzt nun die erneute Komplettschließung ohne wirkliche Perspektive.

Gerade eine solche würden sich die Gastronomen nun aber von der Politik wünschen. "So kann es nicht weitergehen", sagt Ludwig Obermaier von der Ebersberger Alm. Sein Kollege Korbinian Kugler fordert eine klare Ansage von oben: "Für uns wäre es wichtig, bald ein Zukunftskonzept zu haben. Wir brauchen eine Planungsgrundlage." Das wäre der erste Schritt, um sich wieder auf einen geregelten Betrieb einstellen zu können, so der Ebersberger Gastronom. Welche Schäden die Corona-Pandemie auf längere Sicht in der Branche hinterlassen hat, das kann man Korbinian Kugler zufolge jetzt noch gar nicht absehen. Frühestens in einem Jahr könne man Bilanz über die Langzeitfolgen ziehen - dann, wenn auch in den Wirtshäusern der Region hoffentlich wieder ein Stück Normalität eingekehrt ist.

© SZ vom 14.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema