Finanzen in Kirchseeon:Besser als gedacht

Der Markt Kirchseeon ist finanziell recht gut durch das Corona-Jahr 2020 gekommen

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Beratungen über den gemeindlichen Haushalt können für Kommunalpolitiker zuweilen böse Überraschungen bereithalten. Gerade durch die Corona-Pandemie und ihre finanziellen Folgen ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios nicht unbedingt geringer geworden. Umso erstaunlicher ist das Zahlenwerk, das Kirchseeons Kämmerin Christiane Prosser am Montagabend im Rahmen einer Sondersitzung des Gemeinderates präsentierte. Die Bilanz des Marktes nämlich fällt deutlich positiver aus, als zunächst befürchtet. Entspannt zurücklehnen wird sich die Gemeinde deshalb aber nicht können, denn das Gremium war sich einig: Die nächsten Jahre werden nicht einfach werden.

Das liegt vor allem daran, dass im Zahlenwerk der Kämmerei noch viele Unbekannte enthalten sind, oder wie Prosser sagte: "Das Jahr 2021 ist aus meiner Sicht noch ziemlich unberechenbar." Es bleibe vor allem abzuwarten, wie sich Gewerbe- und Einkommensteuer entwickeln werden. Insgesamt hat der diesjährige Haushalt ein Volumen von rund 24,9 Millionen Euro, das sich aus 20,4 Millionen im Verwaltungs- und 4,5 Millionen im Vermögenshaushalt zusammensetzt. Die Schulden des Marktes lagen zum Jahresende 2020 bei 6,1 Millionen Euro, eine neue Kreditaufnahme im laufenden Jahr ist derzeit nicht geplant. Stattdessen sollen durch Einnahmen vom Verkauf des ehemaligen Bundeswehrgeländes Verbindlichkeiten getilgt werden, was die Schulden auf etwa 5,5 Millionen Euro drücken wird.

Grund,- Mittelschule Eglharting

Mit Abstand am meisten Geld wird in den kommenden Jahren die Sanierung oder der Neubau der Eglhartinger Grundschule kosten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine positive Nachricht hatte Christiane Prosser auch in Sachen Steuerkraft zu vermelden - ein Bereich, in dem der Markt traditionell eher schlecht abschneidet. Für 2021 ist aber eine Steigerung um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 9,9 Millionen Euro zu verzeichnen. Damit rückt der Markt im Landkreis-Ranking aller 21 Gemeinden vom 17. auf den 16. Platz vor. Mehreinnahmen von rund 100 000 Euro winken Kirchseeon auch durch die neue Müllgebührensatzung.

Dagegen steigen die Personalausgaben der Gemeinde weiter rasant an. 2021 werden sich diese um rund 400 000 Euro zum Vorjahr auf dann 4,3 Millionen Euro erhöhen. Mit umgerechneten Kosten von 403 Euro pro Einwohner liege man aber dennoch unter dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen, wie Prosser sagte. Immer teurer werden auch die Aufwendungen für die Kinderbetreuung, die zu leistenden Kosten seien inzwischen erheblich, wie es in der Haushalts-Übersicht der Kämmerei heißt. Im laufenden Jahr wird der Gemeindeanteil an den Betreuungsgebühren bei rund 1,8 Millionen Euro liegen.

Die Zahlen

Gesamtvolumen: 24,9 Mio. Euro

Verwaltungshaushalt: 20,4 Mio. Euro

Vermögenshaushalt: 4,5 Mio. Euro

Größte Einnahmen

Verkäufe Anlagevermögen: 10,5 Mio. Euro

Einkommenssteuer: 7,5 Mio. Euro

Zuschüsse u. Zuweisungen: 3,5 Mio. Euro

Größte Ausgaben

Kreisumlage: 5,5 Mio. Euro

Personalausgaben: 4,3 Mio. Euro

Schulden

Anfang 2021: 6,1 Mio. Euro

Ende 2021: 5,5 Mio. Euro

Rücklagen

Anfang 2021: 3,7 Mio. Euro

Ende 2021: 2,9 Mio. Euro

Auf der Ausgabenseite der Gemeinde wird sich auch in naher Zukunft einiges tun. Bis 2024 rechnet die Verwaltung mit Investitionen in einer Größenordnung von etwa 21,7 Millionen Euro. Das meiste Geld - eingeplant sind derzeit 15 Millionen Euro - wird für die Grundschule Eglharting gebraucht. Derzeit erarbeite das Bauamt dafür einen Sanierungsplan, wie Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) sagte. "Dann schauen wir, wo die Reise hingeht. Ob es eine Sanierung oder der Neubau wird." In jedem Fall soll mit den konkreten Planungen für die Schule noch in diesem Jahr begonnen werden. Eine solche Großinvestition schlägt sich natürlich auch in der Verschuldung der Gemeinde nieder. Diese wird den Prognosen zufolge auf 19,1 Millionen Euro zum Ende des Jahres 2024 anwachsen. Nicht zuletzt deshalb müsse man sich verstärkt Gedanken über mögliche Mehreinnahmen, etwa durch die Erhöhung der Steuerkraft, machen, wie Kämmerin Prosser sagte.

Von den Fraktionen gab es unterdessen viel Lob für den vorgelegten Haushaltsplan. "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir optimistisch in die Zukunft schauen", sagte etwa Christian Eringer (UWG). Thomas Kroll (SPD) dagegen drückte etwas auf die Euphoriebremse: "Es wird in nächster Zeit nicht einfach werden."

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