Platzmangel bei der Feuerwehr Brennender Wunsch

Die Purfinger Feuerwehr will endlich ein richtiges Haus - versprochen ist das schon seit zehn Jahren

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Wenn der Alarm losgeht, eilen die Feuerwehrleute ins Feuerwehrhaus, ziehen ihre Einsatzkleidung an, springen ins Feuerwehrauto und fahren zum Ort des Notfalls. Außer man ist Feuerwehrler in Purfing. Die rennen bei Alarm natürlich auch zum Feuerwehrhaus, doch weil dieses so beengt ist, müssen sie sich auf dem Gehweg davor umziehen. Auch ein eigenes Feuerwehrauto haben die Purfinger wegen Platzmangels nicht, sondern nur einen Anhänger mit Ausrüstung - allerdings ohne Zugmaschine. Die muss vor jedem Einsatz organisiert werden. Meist ist es ein Traktor, der gerade nicht auf den Feldern unterwegs ist. Zum Einsatzort gelangen die Purfinger Feuerwehrleute mangels Einsatzfahrzeug dann entweder zu Fuß oder mit Privatautos. Zurück im Feuerwehrhaus können sich die Retter nach dem Einsatz nicht einmal die Hände waschen, geschweige denn duschen oder aufs Klo gehen - Sanitärräume gibt es dort nämlich keine.

Eigentlich sollte längst ein neues Fahrzeug her - aber es hätte keinen Platz

Im Purfinger Feuerwehrhaus ist gerade Platz für den Anhänger mit der Ausrüstung. Zum Umziehen müssen die Feuerwehrleute auf den Gehweg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dieser Zustand sei nicht nur ärgerlich, sagte der CSU-Gemeinderat und Purfinger Feuerwehrmann Michelino Capezzuto-Zehetmeier am Donnerstagabend im Vaterstettener Gemeinderat, sondern auch gefährlich. Denn beim Ausrücken zu Fuß, in Privatautos oder per Traktor zu Verkehrsunfällen an der Staatsstraße, was regelmäßig vorkomme, könne man von Autofahrern schnell übersehen werden. Auch die Ausrüstung sollte besser sein. Bereits 2013 wurde im Feuerwehrbedarfsplan darauf verwiesen, dass die Purfinger statt des Anhängers ein Fahrzeug bräuchten - was auch nicht so schnell übersehen würde.

Im Notfall kommen zwar die Kameraden aus den umliegenden Orten zu Hilfe, etwa aus Anzing, Neufarn oder Parsdorf. Doch diese seien mindestens acht Minuten unterwegs, so ergab die Untersuchung damals, was bei "kritischen Einsätzen" zu lange sei. Doch für das benötigte Fahrzeug gibt es in Purfing keinen Platz. Das zu ändern, war Inhalt eines Antrages der CSU-Fraktion im Gemeinderat. Die Verwaltung soll eine Planung mit Kostenschätzung für ein neues oder erweitertes Feuerwehrhaus vorlegen. Dieses soll dann im kommenden Jahr gebaut werden, wobei sich die Feuerwehr selbst auch beteiligen will, wie Capezzuto-Zehetmeier betonte. Man werde viel in Eigenleistung machen, außerdem habe man sich bei den Entwürfen auf das absolut Nötige beschränkt. So soll es weder einen Aufenthaltsraum noch Duschen geben, lediglich eine Garage für das neue Spritzenfahrzeug, einen Umkleide- und einen Sanitärraum soll das Gebäude erhalten.

Capezzuto-Zehetmeier erinnerte auch daran, dass bereits seit gut zehn Jahren Gespräche zwischen Gemeinde und Feuerwehr zu dem Thema geführt werden. Es war sogar schon einmal Geld in den Haushalt eingestellt worden. Mit Verweis auf den anstehenden neuen Bedarfsplan wurde das Vorhaben 2012 dann aber zurückgestellt. Seitdem sei nichts mehr passiert, so Capezzuto-Zehetmeier, "wir werden nur ständig vertröstet."

Während die Kameraden aus den Nachbarorten mit dem Feuerwehrauto kommen, gehen die Feuerwehrleute aus Purfing zu Fuß. Den Ausrüstungswagen zieht ein Traktor, wie hier bei einem Einsatz im März.

(Foto: privat)

Damit soll nun Schluss sein. Der Antrag fand im Gemeinderat parteiübergreifend große Zustimmung. Dieser sei "sehr vernünftig", sagte Sepp Mittermeier (SPD), auch Manfred Schmidt (FBU/AfD), unterstützte den Antrag. Er sei ja sonst immer für Sparsamkeit, aber nicht bei der Feuerwehr.

Etwas Kritik gab es von Herbert Uhl (FW), er stellte die Frage, ob man wirklich in jeder Ortschaft eine Feuerwehr brauche oder ob man nicht ein paar zusammenlegen könne. Könnte man schon, entgegnete Leonhard Spitzauer (CSU), sollte es aber besser nicht tun. Der Kommandant der Parsdorfer Feuerwehr verwies darauf, dass in den Dörfern die Bereitschaft, sich bei der Feuerwehr zu engagieren, deutlich höher sei, als in der Kerngemeinde. "Man braucht Leute, die ausrücken", sagte sein Parteifreund und Vorgänger im Amt, Albert Wirth. Und die finde man gerade tagsüber noch eher in den Ortschaften, gab Benedikt Weber (CSU) von der Neufarner Feuerwehr zu bedenken, weil dort noch mehr Leute an ihrem Wohnort auch arbeiteten. Nicht zuletzt gehe es bei Einsätzen auch "um Ortskenntnis und um kurze Wege", ergänzte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW). Er empfahl deshalb die Zustimmung zu dem Antrag, "unsere Ortsfeuerwehren brauchen eine ordentliche Ausrüstung". Die Mitglieder des Gemeinderates folgten der Empfehlung ohne Gegenstimmen.