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Entscheidung im Gemeinderat:Folien fürs Stadion

Das Stadiondach am Vaterstettener Sportplatz soll ein wichtiger Faktor bei der Energiewende in der Gemeinde werden.

(Foto: Christian Endt)

Vaterstetten lässt prüfen, ob das Tribünendach für moderne Photovoltaikanlagen geeignet ist. Die SPD-Fraktion spricht von einem "Vorzeigeprojekt mit Signalwirkung für die Energiewende" und hofft auf Nachahmer

Das Tribünendach des Vaterstettener Sportstadions wird bisher allein zum Schutz vor Regen oder Sonne genutzt. Künftig könnte das Konstrukt eine zusätzliche Funktion bekommen: Das schützende Dach soll zum tragenden Element der Vaterstettener Energiewende werden. Oben auf der Tribüne sollen spezielle Folien installiert werden, mit denen sich Solarenergie erzeugen lässt. Photovoltaikanlagen, die sich ausrollen lassen, die Energiewende zum Aufkleben. Die Frage ist nun, ob und wie sich das umsetzen lässt.

Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung per Beschluss grundsätzlich für den Antrag der Vaterstettener SPD ausgesprochen. Demnach ist die Gemeindeverwaltung nun damit beauftragt, zu prüfen "inwieweit eine energetische Nutzung des Tribünendachs mittels Photovoltaikfolien in den nächsten zwei Jahren umsetzbar ist". Im Anschluss an die Präsentation des Antrags durch SPD-Gemeinderätin Eva Maria Hemauer kam es zu einem eindeutigen Votum für das Folienprojekt. Fünf von 29 stimmten dagegen, größtenteils aus der CSU.

Die Vaterstettener CSU hat erst unlängst ein Bekenntnis zur lokalen Windenergie verhindert, SPD und Grüne hatten vergeblich für das Aufstellen von Windrädern im Gemeindegebiet nahe der Autobahn geworben. Und auch diesmal kam die Gegenrede aus den Reihen der CSU. Michael Niebler kritisierte nicht das Anliegen der Antragsteller, wohl aber das Prozedere. Aus seiner Sicht, sei das Thema im Juni 2018 bereits "inhaltsgleich" mit dem jetzigen Antrag beschlossen worden und demnach "geschäftsordnungsmäßig erledigt". In 36 Jahren im Gemeinderat habe er ein derartiges Prozedere "bisher noch nicht erlebt", worauf aus dem Gremium der Zwischenruf "Prinzipienreiterei" zu vernehmen war. Nieblers Antrag, die Abstimmung zu verhindern, fand im Gremium keine Mehrheit.

Letztlich zeigten sich auch Mitglieder der CSU-Fraktion von der Idee eines Solardachs aus Folien überzeugt, jedenfalls stimmten einige dafür. Die SPD hatte das Vorhaben als "Vorzeigeprojekt mit Signalwirkung für die Energiewende in Vaterstetten" beworben. Von dem "markanten Bauwerk, das sowohl von einheimischen als auch von auswärtigen Besuchern frequentiert wird" erhoffe sich die Fraktion Strahlkraft, Vaterstettener dazu zu animieren, "ihre eigenen Gebäude mit Solarenergie auszustatten".

Der Beschlussvorlage nach hat die Vaterstettener Verwaltung nun zwei Jahre Zeit, um die Machbarkeit zu prüfen. Die vielleicht entscheidende Frage: Warum Folien und nicht klassische Module? Nach Erkenntnissen der SPD, so hieß es in der Sitzung, ist das Tribünendach zwar wegen "seiner Ausrichtung und Lage empfehlenswert", allerdings nicht für Module, sondern für Folien, diese Information stützt die SPD auf den Aussagen des Architekten sowie den Daten aus dem Solarkataster des Landkreises. Der Vorteil der Folien, so ging es zumindest aus der Präsentation hervor: Sie benötigen anders als Module keinen Unterbau und haben kaum statische Anforderungen.

Im Netz werden die Solarfolien debattiert. Nachteil der Folien im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen: Während Solarzellen einen Wirkungsgrad von über 20 Prozent erreichen, liegen die Werte der Folien in der Praxis lediglich zwischen sechs und 13 Prozent. Auf der gleichen Fläche gewinnen die flexiblen Alternativen also deutlich weniger Strom. Dafür überzeugt bei den dünnen biegsamen Modulen, dass sie nahezu überall einsetzbar und günstiger sind als konventionelle Anlagen, deren Installation aufwendiger, teurer und eingeschränkter ist.

© SZ vom 30.12.2019
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