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Energiewende in Vaterstetten:Der Wind ist raus

Sonnenuntergang in Brandenburg

Ein Bild, von dem die Gemeinde Vaterstetten seit Donnerstagabend wieder weit entfernt ist: Im Windpark des brandenburgischen Jacobsdorf geht hinter den Rotoren am Horizont die Sonne unter.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Die SPD hält ein leidenschaftliches Plädoyer für die lokale Energiewende im Ort. Den Antrag der Sozialdemokraten, drei bis fünf Windräder zu errichten, lehnt der Gemeinderat ab

Im Vaterstettener Gemeinderat ging es am Donnerstagabend um eine Frage, die den Ort seit Jahrzehnten beschäftigt: Werden in der Gemeinde Windräder aufgestellt? Und wenn ja, wie viele, wo genau und wann? Anlass war ein Antrag der SPD-Fraktion, wonach sich die Gemeinde für die Errichtung von drei bis fünf Windkraftanlagen innerhalb der Vaterstettener Gebietsgrenzen ausspricht. SPD-Fraktionssprecher Josef Mittermeier hielt ein flammendes Plädoyer für die Umsetzung einer lokalen Energiewende in Vaterstetten. Er löste damit eine einstündige Debatte aus. Gegen die Mehrheit von CSU und Freien Wählern wurde der Antrag jedoch klar abgelehnt.

Vaterstetten ist eine der flächenmäßig größten Gemeinden im Landkreis Ebersberg. Und weil dort gleich zwei Autobahnen verlaufen - die A 94 und die A 99 - sehen Windkraftverfechter dort Potenzial. So auch der Antrag der SPD. Demnach sollen bei der Standortsuche für die Vaterstettener Windräder "Bereiche an den Autobahnen in den Fokus genommen werden". Die vielleicht pikanteste Forderung der Vaterstettener SPD betrifft die sogenannte 10-H-Regelung der Staatsregierung: Der Antrag beinhaltet, die Abstandsregel außer Kraft setzen, um bei der Standortsuche für Windräder weniger eingeschränkt zu sein. Auch Teil des Antrags: Die Windräder sollen nicht von der Gemeinde, sondern von privaten Investoren aus der Region aufgestellt und betrieben werden.

SPD-Sprecher Mittermeier endete mit einem Appell an die Verantwortung des Gremiums: "Die Energiewende ist ohne Windenergie nicht möglich. Statt Symbolpolitik müssen wir endlich in die Umsetzung gehen." Es folgte eine energische Debatte mit Argumenten und Sorgen, die nur das Wort Windrad auslösen kann. Die direkte Gegenrede kam von CSU-Gemeinderat Leonhard Spitzauer. "Es ist nicht zielführend, aus dem Blauen heraus drei bis fünf Windräder zu fordern", so die Einschätzung des Bürgermeisterkandidaten für 2020. Er befürchte vielmehr "eine Verspargelung" der Landschaft.

Das nächste Rededuell lieferten sich die Gemeinderäte Eva Hemauer (SPD) und Manfred Schmidt (FBU/AfD). Schmidt äußerte generelle Bedenken an der Verträglichkeit von Windrädern mit Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Nicht nur wegen der Schredderwirkung der Rotoren sondern auch wegen des Infraschalls, wie er aus einer Studie entnommen habe, so Schmidt. Angesichts des "Schwachwindes im Landkreis" befürchte er, dass Windkraftanlagen "energetisch und ökologisch ein Flop" werden könnten. Hemauer konterte direkt, es handle sich hierbei um "tausendfach widerlegte Argumente". In einem historischen Exkurs gab die 26-Jährige Einblicke in ihre Kindheit. "Meine Mutter hat damals schon Handzettel für die Windkraft verteilt", sagt sie. In den zwei Jahrzehnten habe sich in Vaterstetten seither "nichts getan".

Ganz andere Zweifel äußerte CSU-Gemeinderat Michael Niebler. Er sehe die Gemeinde Vaterstetten beim Klima anders als etwa beim Bau einer Kindertagesstätte nicht in der Verantwortung, so Niebler. Weil der Klimawandel ein globales Problem sei - was zweifelsohne stimmt - halte er den Beschluss von drei bis fünf Windrädern innerhalb Vaterstettens für einen zu eng gedachten Ansatz. "Das ist mir zu klein und zu bezogen auf die Gemeinde", so Niebler. Die Gegenrede kam diesmal von Grün und Rot: "Die Gemeinde Vaterstetten hat in China wenig Wirkungsmöglichkeiten", erklärte Grünen-Gemeinderätin Friederike Michael. Der Dritte Bürgermeister Günter Lenz (SPD) ergänzte: "Global denken, lokal handeln." Nach Mittermeiers abschließendem Plädoyer - "es muss lokal gehandelt werden", schloss Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) die Debatte mit den Worten: "Es ist ein sehr mutiger Antrag."

Auf den trotz Unterstützung der Grünen-Fraktion gescheiterten SPD-Antrag folgte die Abstimmung über den gemeinsamen Alternativantrag von CSU und Freien Wählern. Der wurde - mit Gegenstimmen von SPD und Grünen sogleich beschlossen. Darin heißt es: "Die Gemeinde Vaterstetten befürwortet die Fortsetzung der gemeinsamen Konzentrationsflächenplanung aller Städte und Gemeinden im Landkreis Ebersberg (koordiniert durch das Landratsamt), um mögliche Standorte für Windkraftanlagen zu eruieren." Mit anderen Worten: Die Gemeinde Vaterstetten widerspricht nicht dem, was im Kreistag vor einigen Tagen beschlossen worden ist - unternimmt selbst aber erst einmal nichts.